Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1892. (26)

38  Der  Vortrag  des  Verses.

Und  am  leichten  Pilgerstabe
Bog  ich  fort  mit  Kindersinn.

Und  so  finden  wir  uns  wieder
In  den  heitern,  bunten  Reih'n,
Und  so  soll  der  Kranz  der  Lieder
Frisch  und  grün  geflochten  sein.

Aber  wem  der  Götter  bringen
Wir  des  Liedes  ersten  Zoll?
Ihm  vor  allen  laßt  uns  singen,
Der  die  Freude  schaffen  soll.

Wer  lebt  in  unserm  Kreise
Und  lebt  nicht  selig  d'rin?
Genießt  die  freie  Weise
Und  treuen  Brudersinn.

So  bleibt  durch  alle  Zeiten
Herz  Herzen  zugekehrt;
Von  keinen  Kleinigkeiten
Wird  unser  Bund  gestört.

Ich  ging  im  Walde  Ich  wollt'  es  brechen,
So  für  mich  hin,  Da  sagt'  es  fein:

Und  nichts  zu  suchen  Soll  ich  zum  Welken
Das  war  mein  Sinn.  Geboren  sein?

Im  Schatten  sah  ich  Ich  grub's  mit  allen
Ein  Blümchen  stehn,  Den  Würzlein  aus,
Wie  Sterne  leuchtend,  Zum  Garten  trug  ich’'s
Wie  Kuglein  schön,  Am  hübschen  Haus.

Und  pflanzt'  es  wieder
Am  stillen  Ort,

Nun  zweigt  es  immer
Und  blüht  so  fort.

Wie  herrlich  leuchtet  Es  drängen  Blüten
Mir  die  Natur!  Aus  jedem  Zweig

Wie  glänzt  die  Sonne,  Und  tausend  Stimmen
Wie  lacht  die  Flur.  Aus  dem  Gesträuch!

Und  Freud'  und  Wonne
Aus  jeder  Brust,
O  Erd',  o  Sonne,
O  Glück,  o  Lust!
Tage  der  Wonne,  Schenkt  mir  die  Sonne
Kommt  ihr  so  bald?  Hügel  und  Wald?