164 Ihre Ausnutzung durch Schwarzenberg.
sprechung in ein genaueres Einvernehmen über eine Österreich einschließende
Kombination zu seßzen. Sie einigten sich denn auch darüber, daß im Anschluß
an die Organisation des Königskollegiums Deutschland künftig in sechs
Kreise zerfallen solle, innerhalb deren der Heerbefehl je einem der sechs Könige
zustehen sollte; Schwarzenberg fügte noch den Gedanken einer Vereinigung
der Parlamente innerhalb dieser Kreise hinzu, was eine völlige Mediatisierung
der Kleinstaaten bedeutet hätte. Ein Staatenhaus erklärte er für überflüssig
— ein neuer Schlag gegen die Kleinstaatken — und ebenso eine aus allgemeinen
Wahlen hervorgehende Volksvertretung am Bunde; es werde
genügen, wenn von den Ständen der sechs Kreise gewählte Vertreter neben
das Direktorium kräten. Graf Brühl war mit dem allen einverstanden und
gab dem Fürsten selbst den Gedanken an die Hand, dem Könige alle diese
Einrichtungen dadurch noch schmackhafter zu machen, daß man für die zu
schaffenden Kreise den aus seinen früheren Pänen entnommenen Namen
Reichswehrherzogkümer wähle und die Könige als kreisausschreibende Fürsten
bezeichne.
Wie man sieht, enthielten diese Vorschläge im wesentlichen nicht die Gedanken
Schwarzenbergs, sondern eine, freilich im öfterreichischen Sinne ausgestaltete
Weiterbildung der Ideen Friedrich Wilhelms IV. Nur die stärkere
Einschränkung der Selbständigkeit der Kleinstaaten und der Vorschlag,
den der Fürst im Gespräch mit Bernstorff machte, die Nationalversammlung
selbst mit Gewalt auseinanderzusprengen, waren sein geistiges Eigentum.
Der König hatte militärische Kräfte nur zum Kampfe gegen etwa ausbrechende
neue revolutionäre Erhebungen bereitstellen wollen. In den amtlichen
Verkehr kamen sie jedoch alle als österreichische Vorschläge, und zwar dadurch,
daß der Fürst diese Gedanken dem Grafen Bernstorff gegenüber ausführlich
entwickelte, zwar mit der kurzen Andeutung, daß er auch mit dem Grafen
Brühl darüber gesprochen habe, aber ohne zu sagen, daß sie ihm durch diesen
vom Könige nahegelegt worden seien. Er fügte hinzu, daß Österreich nicht
nur in den weiteren, sondern auch in den engeren Bund einzutreten gedenke,
und daß ein einheitliches Oberhaupt undenkbar sei.“ Zum zweitenmal hielt
er also dem preußischen Ministerium die Wünsche des preußischen Königs
in der Form österreichlscher Anttäge entgegen. Als Graf Brühl am 1. Jannar
1 Frledjung 2, 176, wohl nach dem n Briefe Schwarzenberge v. a. Jan., aus dem in der
Anm. eine Stelle zieiert wlrd.
?*! v. Sybel 1, 270. Bernskorsss Bericht v. 27. Dez., Ausz. Ringhoffer 82f. Nach
selner Angabe hatte Schwarzenberg kurz vorher von Bayern und Württemberg die dringende
Blete um Schutz gegen die Absichten Preußens und der Nationalversammlung erhalten.
Nach Bernstorffs Beriche wollte übrigens Schwarzenberg für dle definitive Verfassung das
Könlaskolleglum nicht beibehalten, sondern durch ein Direktorium von Drelen unter österreichlschem
Vorsitz ersetzen.