Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

D’  ÄLEMBERT,  der  heimliche  Präsident  der  Akadeınie.  361

häufiger  freilich  wandten  sich  die  Mitglieder  der  Akademie  an  ilın
und  suchten  ihn  für  ihre  Wünsche  zu  erwärmen.  Es  war  ein  ganz
geregelter,  aber  heimlicher  Geschäftsgang.  Die  Akademiker  richteten
ihre  Gesuche  an  ne  CatT,  den  königlichen  Secretär,  der  selbst  Mitglied
der  Akademie  war,  und  er  schrieb  confidentiell  an  n  ALENBERT.  Dieser
machte  die  Vorschläge  zu  seinen  eigenen  und  trug  sie  in  dieser  Form
dem  Könige  vor'.  Auch  EuLer  scheute  sich  nicht,  im  Interesse  seines
Sohnes  np  ALENBERT's  Vermittelung  direct  anzurufen®,  und  man  muss
anerkennen,  dass  der  Pariser  Gelehrte  hier  wie  sonst  mit  unbestechlicher
  Uneigennützigkeit,  mit  viel  Wohlwollen  und  mit  gutem
Tact  seines  schwierigen  Amtes  gewaltet  hat.  Allerdings  nimmt  es
sich  sonderbar  aus,  wenn  er,  scheinbar  proprio  motu,  von  Paris  aus
dem  Könige  den  Potsdamer  Hofprediger  Cocnivs  zum  ordentlichen  Mitgliede
  vorschlägt  unter  Berufung  auf  ein  gutes  Buch,  das  er  von  ihm
gelesen  habe”.  Aber  andererseits  ist  es  D’ALEMBERT  gewesen,  der
dem  Monarchen  LacrAangEe  als  Nachfolger  EuLers  empfohlen  und
seine  Berufung  durchgesetzt  hat.  Auf  keine  andere  Erwerbung  ist
er,  mit  Recht,  so  stolz  gewesen.  Durch  den  ganzen  Briefwechsel
mit  dem  Könige  zieht  sich  der  immer  wiederholte  Ausdruck  der
Freude,  dass  er  ihm  den  grossen  Mathematiker  hat  zuführen  können‘.

ı1.  Juli  1766  (CEuvres  T.  24  p.  404f.  408f.)  hervor  —  aus  der  Art,  wie  er  hier  über
die  Aufgaben  spricht,  mit  denen  die  beiden  CasrıLLox’s,  Vater  und  Sohn,  zu  betrauen
  seien,  und  aus  den  Worten,  in  denen  er  beantragt,  LaGraxGe  solle  über  Paris
nach  Berlin  reisen:  »Je  pourrais  le  ınettre  au  fait  de  plusieurs  choses  concernant
l'Academie,  dont  il  est  bon  qu’il  soit  instruit  pour  pouvoir  &tre  plus  utile  dans  la
place  qu'il  va  occuper,  et  qu’il  remplira  certainement  avec  succes«.  Auch  auf  die
Verbesserung  der  Einrichtungen  des  Observatoriums  ist  er  bedacht.  unterbricht  sich
aber  dann  selbst  nnd  schreibt:  »mais  je  m’apercois,  Sire,  peut-6tre  un  peu  tard,
que  je  fais  ici  ou  parais  faire  le  röle  de  president  de  }’Academie,  qui  n’eu
saurait  avoir  de  plus  digne  et  de  plus  Eclaire  que  son  protecteur  ındıne.  et  qui  n’a
besoin.  pour  obtenir  ce  qui  est  juste,  que  de  le  proposer  a  ce  grand  roi«.  In  der
That  erreichte  D'’ALENBERT  diesmal  nicht  ganz  die  Ausführung  seiner  Vorschläge,  was
ilım  empfindlich  war  (s.  29.  Januar  1768,  CEuvres  T.24  p.  431£.):  die  astronomische
Hauptstelle  erhielt  nicht  CasrıLLox,  sonderu  BERNYOoULLIı.

!  Vergl.  den  gesammten  Briefwechsel  mit  DÄLENBERT,  dazu  Dexina,  La  Prusse
litt.  1  p.  327.

?2  Siehe  D'ALENBERT  an  den  König,  (Euvres  T.27,3  p.  304f.vom  7.  Februar  1764.

®  Brief  vom  16.  October  1769,  (Euvres  T.  24  p.  462f.

*  Die  Correspondenz  über  LAGrAxGE  beginnt  mit  dein  Brief  vom  29.  März
1766  (CEuvres  T.  27.  3  p.  312f.);  die  sich  anschliessenden  Briefe  stehen  im  24.  Bd.
p-  403ff.  Der  König  bedankt  sich  im  Brief  vom  26.  Juli  1766  (Buvres  T.  24  p.  407),
dass  er  für  einen  einäugigen  Geometer  einen  mit  zwei  Augen  eingetauscht  habe.
Auch  der  Wunsch  Laeraxee's.  sofort  Director  der  mathematischen  Klasse  zu  werden,
ist  durch  D'ALENBERT  an  den  König  gekommen  (12.  September  1766,  Cuvres  T.24

P-  409).