Vergebens sandte Lascy von Zinna aus Unterstuͤtzung; sie kam zu spät, und
Alles drängte sich nach der Elbe zu, weil unter den nun obwaltenden Verhältnissen
ein längerer Aufenthalt den gänzlichen Untergang des östreichischen
Heeres zur Folge haben konnte.
Um neun Uhr waren die Preußen unbestrittene Herren des Schlachtfeldes;
allein kaum zeigte das siegende Heer weniger Noth und Verwirrung als das
befiegte. In den verschiedensten Richtungen zogen einzelne Schaaren über das
Feld, trafen überrascht aufeinander, feuerten sogar, und wurden erst zu spät
ihres traurigen Irrthums gewahr. Das auffallendste Bild bot die Dommitscher
Haide dar. Hier fanden sich versprengte Trupps beider Heere zusammen. Ermüdung,
Hunger, Kälte hatten die Gluth der wilden Kampfbegier gestillt. Die
menschliche Natur forderte unerbittlich ihre Rechte. Da, wo man nicht wußte,
wohin sich der Sieg geneigt hatte, ward eine förmliche Uebereinkunft geschlossen,
daß man bei Anbruch des Tages sich dem siegenden Theile als kriegsgefangen
ergeben wollte.
Der Verlust in dieser mörderischen Schlacht war auf beiden Seiten sehr
groß. Das preußische Heer zählte gegen 10,000 Mann an Todten und Verwundeten,
und etwa 4000 waren zu der Zeit, wo die Gegner siegreich vordrangen,
als Kriegsgefangene in ihre Hände gerathen. Größer allerdings war
die Einbuße der Feinde. Außer 12,000 Todten und Verwundeten waren 8000
Mann gefangen genommen worden; 45 Kanonen fielen den Preußen in die Hände.
Als der Tag anbrach und Friedrich hier und da noch zerstreute Schaaren
sammeln konnte, suchte er seiner Gewohnheit gemäß aus dem theuer erkauften
Siege den möglichst größten Vortheil zu ziehen. Schnell sandte er Zieten
und den Prinzen von Würtemberg aus, um den fliehenden Feind, den der
General O'Donnel (Daun selbst ward durch seine Wunde verhindert ) jetzt
nach Dresden zurückführte, mit allem Nachruck zu verfolgen. Dem feindlichen
Feldherrn gelang es jedoch, trotz aller Eile und Bemühung von Seiten der
Preußen, bei Plauen ein festes Lager zu beziehen und dadurch die Hauptstadt
des Landes gegen den König zu sichern; der übrige Theil des Landes aber
blieb in seinen Händen, und mußte ihm großentheils die Mittel zur Fortsetzung
des erschöpfenden Krieges für das folgende Jahr liefern. Auch die Russen gingen
zu dieser Zeit bei Thorn über die Weichsel zurück. So hatte denn die Schlacht
bei Torgau zwar nicht, wie der König wollte, den Krieg durch die Vernichtung
des Feindes beendet, jedoch die schwer bedrohte Monarchie Preußen gerettet
und den Weg zu einem ehrenvollen Frieden offen erhalten.
Der König nahm sein Hauptquartier eine Zeit lang in Leipzig, welches
hart dafür büßen mußte, daß es sich lieber in den Händen der Reichstruppen
als der Preußen hatte befinden wollen. Die Forderungen stiegen sehr hoch,
und man nahm gegen einige der angesehensten Magistratspersonen und Kaufleute
die härtesten Zwangsmaßregeln, bis endlich, besonders auf Vermittelung
des öfter genannten Berliner Kaufmanns Gotzkowski, eine Ausgleichung stattfand.