thumbs : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

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der  Hauptpersonen,  und  manche  der  gewöhnlichen  Vorstellungsarten
  wird  sehr  glücklich  verbessert.  Ludwig  der  Fromme  erhält
  nicht  mehr  und  nicht  weniger  Lob,  als  er  verdient.  Als
Mivatmann,  im  Cirkel  lieber  gurer  Kinder,  hätte  er  ein  wackerer
  Hausvater  seyn  mögen,  aber  für  einen  Regenten  und
für  einen  Nachfolger  Karls  des  Großen  liebte  er  die  Ruhe
zu  sehr,  und  konnte  zu  wenig  Ernst  gebrauchen.  Selbst  durch
die  Geschichte  von  Bernhards  Blendung  wird  Seite  46  dieser
Charakter  sehr  gut  erläutert.  Eine  Ursache  der  wichtigsten
Revolutionen  seiner  ganzen  Regierung  liegt  in  der  Geschichte
seiner  beiden  Minister  Wala  und  Bernhard;  den  erstern  loͤst
der  Mönch  Gundobald  ab.  Lothar  I.,  ein  Prinz,  dessen  ganze
Politik  Treulosigkeit  war,  und  dessen  Ehrgeiz  durch  keine
Scham  begrenzt  wurde.  Am  Ende  seines  Lebens  erwachte
auch  bei  ihm  jenes  Gefühl,  dessen  oft  verborgenes  Daseyn
kein  Scharfsinn  hinweg  raisonniren  kann;  in  der  Seelenangsi
eilte  er  in's  Kloster.  Die  Ehestreitigkeiten  Lothars  II.  wurden
von  Nicolaus  I.  zur  Ausbreitung  seines  Dominats  herrlich
benutzt.  Schade,  daß  der  Herr  Verfasser,  vielleicht  aus  Liebe
zur  Kürze,  einige  Anekdoten  nicht  erzählt  hat,  welche  man  in
den  Schriften  findet,  die  wegen  Thietbergen  und  Walraden
gewechselt  wurden.  Ludwig  der  Deutsche,  der  edeldenkendste
unter  allen  Nachkommen  Karls;  wenn  er  etwas  Unrechtmäßiges
  verübte;  so  war  er  meistens  bloß  durch  Tücke  und
Hinterlist  in's  Spiel  gezogen  worden.  Seine  Abtretung  des
in  der  Theilung  mit  Karl  dem  Kahlen  ihm  zugefallenen
Stücks  vom  Lotharingischen  Reich  ist  ein  Beispiel  von  Geradheit
  und  Großmuth,  das  wenigstens  in  der  deutschen  Geschichte
  seinesgleichen  nicht  hat.  Nur  schade,  daß  man  zur
volligen  Aufklärung  dieser  Sache  nichts  Umständlicheres  von
dem  Charakter  der  Kaiserin  Ingelberg  weiß.  Karl  der  Kahle
zeigt  sich  durch  sein  ganzes  Leben  hindurch  als  der  liebe  einzige
  Sohn  der  arglistigen  und  ehrgeizigen  Judith.  Aus  der
ganzen  Geschichte  erhellr,  daß  diese  eine  Dame  voll  Verstand
und  Ränken  war.  Liebe  zu  den  Wissenschaften  mußte  dem  jungen
  Karl  früh  beigebracht  werden;  wäre  es  auch  nur  deßwegen
geschehen,  um  ihm  die  persönliche  Zuneigung  seines  Vaters