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Kurfürsten die Degen gegen einander zogen. Schöning, welchem die größerr
Schuld zuerkannt wurde, und der durch sein hochfahrendes Wesen viele vornehme
Diener des Kurfürsten beleidigt hatte, erhielt den Abschied, und trat, zum
großen Verlust für das brandenburgische Heer, in sächsische Dienste. Die Belagerung
dauerte noch mehrere Monate, da der Kaiser zur Eroberung von
Mainz dringend um Verstärkung gebeten und diese auch vom Kurfürsten erhalten
hatte. Nach dem Falle von Mainz jedoch wurde die Belagerung mit verdoppeltem
Eifer betrieben; im Oktober 1689 kapitulirte die Festung.
So war denn der Feldzug auf dieser Seite rühmlich beendet worden,
und zwar großentheils durch den Eifer des Kurfürsten, denn 25,000 Mann
brandenburgischer Truppen hatten mitgewirkt, die Kosten aber beliefen sich auf
drei Millionen Thaler. Gleichwohl erntete Friedrich III., wie sein Vater, wenig
Dank für seine Anstrengungen, was sich sogar schon bei der Vertheilung der
Winterquartiere zeigte, indem 6000 Mann Lüneburgern ein weit ergiebigeres
Gebiet angewiesen wurde, als seinen 25,000 Mann. Wie triftigen Grund der
Kurfürst auch immer zur Beschwerde über seine Bundesgenossen hatte, so blieb
er doch der Sache des deutschen Reiches, so wie der eines verständig aufgefaßten
politischen Gleichgewichts in Europa treu, ohne sich auch nur zum Schein dem
Gegner zu nähern und dadurch billigere Berücksichtigung auf seiner Seite erhalten
zu wollen. Vor solchen ganz gewöhnlich angewendeten politischen
Mitteln scheute sein grundehrlicher Charakter zurück. Die französische Diplomatie
ließ es an Versuchen dazu bei ihm nicht fehlen. Durch ihren Residenten in
Hamburg wurden dem Kurfürsten sehr vortheilhafte Bedingungen angeboten,
wenn er sich von dem großen Bunde zurückziehen wollte; er jedoch erwiederte,
daß er Jeden, der ihm von Neuem solche Anträge zu überbringen wagte, sofort
hängen lassen würde. Persönlich nahm er nicht ferner an dem Kriege Theil.
Bei der Rückkehr feierte er, seiner Liebhaberei gemäß, die Siege seines tapfern
Heeres mit großem Gepränge, und ließ sich selbst höchst glänzend in seiner
Residenz empfangen. Auch wurde eine Anzahl Medaillen auf die Eroberung
der Stadt Rheinbergen, Bonn und die Befreiung des Kurfürstenthums Köln
geschlagen.
Nach einem im Ganzen so glücklichen Feldzuge hätte man große Vortheile
erwarten können, wenn die gesammten Streitkräfte der Verbündeten am rechten
Orte, zur gehörigen Zeit und mit dem nöthigen Nachdruck verwendet worden
wären; allein alles dies geschah nicht. Der Kaiser hatte seinen Blick hauptsächlich
auf den Krieg gegen die Pforte gerichtet, wo ihm allerdings ein glänzenderer
Lohn für seine Anstrengungen winkte; die Reichsfürsten dagegen, denen
nicht mehr so schwere Gefahr wie im Frühling des verflossenen Jahres drohte,
wurden bis zu dem Grade lässig, daß mehrere ihre Truppen den ganzen Sommer
des Jahres 1690 über in ihren Winterquartieren ruhen ließen. Von einer
gemeinsamen, kräftigen Leitung war nicht die Rede. Der Herzog von Lothringen,
ein erfahrener Kriegsmann, starb, ehe die Bewegungen anfangen konnten, und