Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

159

ersteren  gewesen;  es  entstand  nach  und  nach,  wie  neue  Verhaͤltnisse
  sich  ausschlossen,  eine  ganz  andere  Schätzung  der
Dinge,  als  jene  erste  unverkennbarste  Sensation  war,  da
man  noch  den  Namen  von  Rosenfeld  auf  dem  Epitaphium
verschwieg.

Man  hat  schwerlich  je  feierlich  mit  einander  darüber
Alles  in's  Reine  gesprochen;  denn  viele  Dinge  dieser  Art  entstehen
  oft  weit  leichter  durch  stilles  wechselweises  Jusammentreffen
  beider  Parteien,  als  daß  denn  schwarz  auf  weiß  gesetzt
  werden  sollte,  Markgraf  Karl,  ob  er  schon  nur  ein
Sohn  der  Ursula  von  Rosenfeld  sey,  sollte  doch  als  vollguͤltiger
Fuͤrstensohn  ein  regierender  Nachfolger  seines  Vaters  seyn.
Dieß  Letztere,  wenn  es  je  geschah,  geschah  gewiß  so  im  Geheimen,
  daß  ein  Verträg  solchen  Inhalts  schwerlich  jemals
in's  Publikum  kommen  kann.

Vergessen  hat  man  aber  doch  nie,  wie  glücklich  eine
Ursula  von  Rosenfeld  gewesen,  sey.  In  Pforzheim  nie  ver—
gessen,  welcher  Punkt  bei  den  Streitigkeiten  mit  dem  Baden-Baden'schen
  Hause,  da  die  Eikische  Geschichte  ausbrach,  nicht
zu  berühren  seyn  möchte,  und  auch  in  Baden  nicht  vergessen,
welchen  Punkt  die  regierenden  Verterm  in  Pforzheim  um  eigenen
  Interesses  willen  nie  berühren  dürften.

Als  Markgraf  Eduard  von  Baden-Baden  4593  mit  seiner
  Eikischen  Vermählung  zum  Vorschein  kam,  so  war  man
zwar  in  Pforzheim  höchst  aufgebracht  über  diese  Vermählung,
aber  den  Punkt  der  Mißheirath  hat  man  sorgfaltig  vermieden,
oder  höchstens  nur  vorübergehend  berührt.  Man  zweifelte
weit  lauter  an  der  Rechtmäßigkeit  dieser  Ehe,  als  an  der
Gleichheit  derselben..)  Man  wollte  nach  dem  Tode  des  von

—

*)  Dieser  Bemerkung  widerspricht  folgende  Stelle  aus  Pfanners
bist.  pacis  Westphal.  p.  588: