178 Die rechtliche Natur des Vorauses nach Wilrzb. Landr.
Landrechte. Dissert. 1878 S. 48) „die Kinder haben am
Voraus Eigenthumsrecht".
Auch Zeller kommt in seiner im IX. Ergänzungsbande
der Bl. f. RA. S. 241 ff. abgedruckten Abhandlung
zu dem gleichen Resultate und zwar auf Grund
der Erwägung, daß der Voraus einen Ersatz für den bei
Wiederverehelichung ohne Einkindschaftung sofort stattfindenden
Anfall von ½ des Gesammtvermögens des
überlebenden Elterntheils bilde und auch schon vor Fälligkeit
in Erbgang komme, in welchem Falle der Voraus
angeblich auch als erbschaftssteuerpflichtig behandelt werde.
Im Gegensatze hiezu hat das in den Bl. f. RA.
I. Erg.-Bd. S. 136 enthaltene Urtheil des bayer. Oberappellationsgerichts
vom 7. Juli 1866 die Anschauung
vertreten, daß die Kinder durch Errichtung des Vorauses
nicht sofort das Eigenthum hieran, sondern nur ein bedingtes
Forderungsrecht auf die als Voraus ausgesetzte
Summe oder als solchen bezeichneten Gegenstände erwerben.
und im gleichen Sinne hat sich auch ein bisher noch
nicht veröffentlichtes Prioritätserkenntniß des vormaligen
kgl. Bezirksgerichts Schweinfurt vom 16. Sept. 1864 in
Sachen Walz c. Walz, das durch Erkenntniß des kgl.
Appellationsgerichts von Unterfranken und Aschaffenburg
vom 16. März 1865, sowie des obersten Bayer. Gerichtshofes
vom 23. Juni 1865 in allen Punkten bestätigt
wurde, sowie neuerdings eine Entscheidung des kgl. Verwaltungsgerichtshofes
vom 8. Juni 1891 (Nr. 3311),
ausgesprochen.
Es tritt uns also ein Schwanken in der Auffassung
der rechtlichen Natur des Vorauses, sowie ein zwischen
Theorie und Praxis bestehender Widerstreit entgegen,
und dürfte es deshalb nicht unangemessen erscheinen,
diese Frage einmal etwas eingehender zu erörtern, zumal
der Gegenstand für das Gebiet des Würzburger Landrechts
in Familien= und vermögensrechtlicher Beziehung
von hoher Bedeutung ist.