Der Tod der Königin Sorme CnarLorre (1. Februar 1705). 141
unentwickelt und pflegebedürftig, verlor in ihr nicht nur die Beschützerin,
sondern die Mutter. Leisxizens tiefer Kummer spricht
sich nicht immer in Worten aus, die uns überzeugen. Aber es
war Wahrheit, wenn '’er in cinem seiner Trostschreiben versicherte:
»La lettre est plus philosophe que mon caur'«. Seine Freundschaft
mit der Königin war so bekannt, dass er förmliche Beileidsbesuche
und Condolenzschreiben empfing.
4,
Nieht nur die Pflege guter Beziehungen zwischen Hannover
und Berlin’, sondern auch die Einrichtung der Societät salı Leigxız
als ein Vermächtniss der entschlafenen Königin an. In diesem Sinn
legte er in einem Briefe vom 17. Juni ihrer vertrauten Freundin,
ler Staatsdame Frl. vox PöLnLnıtz, die Sorge für das Seidenwerk
ans Herz und hoffte auf den Kronprinzen, dem es Freude machen
werde, die Absichten seiner Mutter auszuführen?” Auf den König
hoffte er zur Zeit nicht: denn der Graf von WARTENBERG hatte ihm
geschrieben, Majestät werde sich wahrscheinlich von der Sache zurückziehen‘.
consola. par la ceremonie de cette pompe funebre, de la perte d’une epouse quil
n’aurait jamais assez pu regretter«. — Vier Tage nach dem Tode der Königin starb
in Berlin der Propst Spexer. Der Hof und die Societät haben von seinem Tode
keine Notiz genommen, auch Leissız nicht, und doch hatte dieser fromme und
schlichte Mann die Entwicklung des religiösen und geistigen Lebens in Deutschland
stärker beeintlusst als die meisten der gefeierten Gelehrten.
! An Frl. vox Pörısrız (Kropp, Werke. 10. Bd. S. 264). Anweisungen die
Briefe der Königin betreffend. die die Kurfürstin Sorme in Leiexizens Händen vermuthete.
a.a.0. S. 265 ff., 271.
? Siehe die beiden bedeutenden Briefe von Leissız an den Kurfürsten GEORG
Ltipwis vom Sommer 1705 (Krore, Werke, 9.Bd. S.126—ı42), in denen er ein
Expose giebt über die Stellung lIannovers in Norddeutschland und sein Verhältniss
zu Preussen. \Wer noch zweifelt, dass LEeirwız eben so sehr das Wohl Preussens
als Hannovers im Auge hatte — weil er wirklich auf das Ganze sah —, der muss
dies Pro Memoria lesen. Die Aussöhnung gelang im Jahre 1706 wirklich (Verlobung
des Kronprinzen Friepricn WırueLn mit der Tochter des Kurfürsten. Sornie Do-ROTNEA,
am 18. Juni, Heiratlı am 14. November 1706).
° Krorr, Werke, ı0. Bd. S. 286. Schon am 28. März 1705 hatte er ihr geschrieben
(Kıorr. 10.Bd. S. 271): »Vous aurez eu deja occasion de faire rendre
la lettre que j’ai pris la liberte de vous donner, et aussi de rendre temoignage au
besoin des intentions que notre grande reine avait de favoriser la societe des
sciences dans la plantation des müriers. Elle vonlait en faire un essai dans son
Jardin, et puis y employer plus de terrain, de telle sorte que Trutilite «ı’on en
attendait avcc le temps, devait &tre einploy&e pour les recherches de la societe«.
* Leipxız hatte ihm bereits im März 1705 geschrieben (Hann. Bibl.): »Je me
souviens d'une des intentions de feu la Majeste, que le voi peut-ötre voudra faire