Metadata : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

TAbriß  der  Ortzgeschichte.  453

Vie  schon  bemerkt,  hatte  das  obere  Vogtei-Gericht  seinen  Sitz  im  Michelfeldischen
  Stammgute  Nasnitz,  (1119  Nuseze,  1355  Newsesse),  welches
nicht  mit  dem  im  Landgericht  Eschenbach  gelegenen  Rittergut  Naßlitz,  (urkundlich
  ebenfalls  öfters  Neuseß  genannt)  zu  verwechseln  ist.  Seine  Aecker
und  Röthelgruben  liefern  ergiebige  Ausbeute;  auch  Farbenerde  und  Bolus
wird  hier  gewonnen  1).  Zwischen  beiden  Vogteien  liegt  eine  kleine  Stunde
östlich  von  Auerbach  die  uralte  Bambergische  Besitzung  Hopfenohe,  wovon
die  durch  Friedrich  von  Pettendorf  und  Hopfenohe's  Tod  heimgefallenen
Lehen  zur  Stiftung  von  Michelfeld  verwendet  wurden.  Die  andere  Hälfte
aber  blieb  seinen  Erben,  dem  Pfalzgrafen  Otto  und  dessen  Ministerialen
und  bildete  den  späteren  der  Pfalz  lehenbaren  Edelsitz  Hopfenohe.  Dieser  alte
Markt  (mit  Gericht  und  Zoll)  war  durch  Verlegung  des  Marktes  von  Michel- 



kenach)  schon  1119  mit  sammt  dem  Zehent  an  Michelfeld.  In  Unter  frankenohe
(1216  Franchena,  1335,  1421  Mittelfrankenoh)  verpfändete  1216  Poppo  von
Stierberg,  der  den  bevorstehenden  Kreuzzug  mitmachen  wollte,  mit  Einwilligung
seines  Sohnes  und  des  Bischofs  von  Bamberg  an  Kloster  Ensdorf  fünf  Güter
auf  Wiederlösung,  welche  im  J.  1473  Heinrich  Mülner  zu  Neuenmul  von  diesem
Gotteshaus  zu  Leben  trug.  Schloß  Frankenohe  endlich  (1334  Nidernfrankenoh),
auch  eine  ursprüngliche  Klostererwerbung,  ist  beinahe  mit  dem  vorigen  zusammengebaut
  und  wurden  beide  von  dem  Kloster  Michelfeldischen,  wohin  auch
ihr  Zehent  gehörte,  für  ein  Dorf  gerechnet.  Auf  drei  Höfen  daselbst  stand  dieser
Abtei,  auf  den  übrigen  der  Hofmarkoherrschaft  die  niedere  Gerichtsbarkeit  zu.  Die
Razenberger  veräußerten  1334  einige  Güter  daselbst  an  Michelfeld.  Seit  1460
schrieben  sich  die  Pappenberger  hievon.

!)  Das  Dorf  Steinamwasser  (vor  1100  Steingewasse,  1119  Stceinigewazze,  c.  1140
Steinigenwasse),  woselbst  noch  Ruinen  eines  alten  Schlosses  vorhanden  sind,  gehörte
  zu  den  alten  bischöflich  bambergischen  Besitzungen  auf  dem  Nordgau.  Michelfeld
  erkaufte  daselbst  1505  zwei  Höfe  mit  der  niederen  Gerichtsbarkeit  von  den
Stromer'schen  Erben  zu  den  2  Höfen,  die  ihm  bei  der  Stiftung  geschenkt  worden
waren.  Die  Dorfbewohner  durften  laut  Gerichtsbrief  von  1471  an  Feiertagen
zu  festgesetzten  Stunden  je  Einer  nach  dem  Andern  ihre  Wiesen  aus  dem  Flemmbache
  wässern.  Der  Hammer  und  wahrscheinlich  auch  die  Veste  waren  1419  im
Besitze  Hanns  Stiebers,  wie  sie  nach  ihm  1426  Friedrich  und  Georg  Kindesberg
inne  hatten,  die  sich  (1426)  verpflichten  mußten,  dieß  „Haus“  nicht  weiter  zu
befestigen  und  dem  Herzog  Johann  gegen  Jedermann  außer  gegen  das  Stift
Bamberg  offen  zu  halten.  In  der  Hammereinigung  von  1199  ist  Kunz  Nyer
als  Eigentbümer  dieses  „Blechhammers“  verzeichnet.  Die  Nyer  kommen  darauf
schon  1470  und  nach  ihnen  1513  die  Stadt  Auerbach  vor.  Ohrenbach  (1184
Ahernbach,  1300  Arenpach)  erwarb  Michelfeld  durch  Tausch  1184;  das  nahe
Ortelsbrunn  (1119  Artolfesprunnen)  hingegen  gehört  zu  den  Kloster  Stiftungs-Gütern.
  Den  Zehent,  ein  Lehen  der  Schenken  von  Reichenek,  erkaufte  das  Klo-=ster
  dritthalbhundert  Jahre  später  von  Johann  v.  Schlammersdorf's  Erben  und
erlangte  darüber  1368  die  Belehnung.