Full text : Kriegsbuch. Fünfter Band. (5)

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ergoß  sich  von  oben  ein  Regen  von  Oblaten,  Kuchen,  Mandeln,
Rosinen  u.  dgl.  auf  die  Andächtigen  und  veranlaßte  ein  etwas
unandächtiges  Gebalge  um  die  Himmelsgabe.  Zur  Erhaltung
jener  Ostervorstellungen  spendete  Herzog  Georg  ein  Kapital  von
2000  Gulden,  dessen  Zinsen  zu  diesem  Zwecke  verwendet  werden
sollten.  In  Freiberg  fanden  solche  Darstellungen  nur  aller  sieben
Jahre  statt,  dann  aber  mit  um  so  größerem  Gepränge;  sie  wurden
während  der  Pfingstwoche  nicht  in  der  Kirche,  sondern  unter
freiem  Himmel  abgehalten,  und  zwar  beteiligte  sich,  da  eine
Menge  Darsteller  notwendig  war,  im  wesentlichen  die  Bürger—
schaft.  Denn  außer  dem  Leiden  Christi  kam  noch  der  Fall  der
Engel,  Erschaffung  des  Menschen,  Sündenfall  usw.  zur  Vorführung.
  Neben  den  geistlichen  Spielen  treten  nun  aber  im
16.  Jahrhundert  schon  zeitig  die  weltlichen  hervor,  teils  originaler
  Abfassung,  teils  in  Nachahmung  terenzischer  und  plautinischer
  Komödien.  In  Zwickau  wurde  1518  am  Fastnachtsdienstag
  der  „Eunuch“  des  Terenz  öffentlich  aufgeführt;  „dazwischen
  hat  man  eingeführet,  wie  sich  sieben  Weiber  umb  einen
Mann  gezanket  und  geschlagen,  desgleichen  wie  sieben  Bauernknechte
  umb  eine  Magd  gefreyet  haben,  und  ist  dies  alles  zierlich
und  wohl  gereimt  agiret  worden.“  —  Im  Jahre  1521  hat  man,
ebenfalls  in  Zwickau,  des  Aristophanes  „Plutos“  am  7.  und  8.
Februar  griechisch  und  lateinisch  von  den  Schülern  der  damals  unter
Georg  Agricola  stehenden  Lateinschule  vorführen  sehen.  Und  solcher
Darstellungen  wird  hier  und  anderwärts  noch  oft  Erwähnung
getan.

Wer  waren  nun  aber  die  Verfasser  der  „Zierlichen  und  wohl-Lgereimten“
  deutschen  Dichtungen?  Nicht  für  das  Jahr  1518,  aber
für  spätere  Zeit  ist  in  Zwickau  zu  nennen  der  aus  Plauen,  nach
anderen  aus  dem  Österreichischen  stammende  M.  Paul  Rebhun,
der  in  Wittenberg  studiert  hatte  und  von  dem  um  das  Zwickauer
Schulleben  so  hoch  verdienten  M.  Stephan  Roth  aus  Kahla,  wo
er  als  Schulmeister  wirkte,  1531  an  seine  Schule  als  dritter
Lehrer  berufen  wurde.  Er  wurde  1535  Konrektor,  1538  Archidiakonus
  in  Plauen  und  dann  Superintendent  in  Olsnitz,  wo
er  1546  in  seinen  besten  Jahren  starb.  Er  war  der  erste  unter