Volltext : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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und  das  Nachgetriebene;  bei  Pflanzen  später  getriebener
Sproß.  —  Nachtrupp,  m.  hinterher  folgender  Trupp:
die  arrieregarde  gliedert  ihre  marschkolonne  in  haupttrupp
  und  nachtrupp  Feldd.  46.

Nachwachsen,  hinterher  wachsen,  wachsend  folgen:
abgeschnittener  salat  wächst  nicht  nach  Stieler;  die
junge  welt  wächst  der  alten  nach  ebd.;  die  immer
nachwachsende  jugend  (auf  Universitäten)  Goethe
Tagh.  1805.  —  Nachwehe,  k.  nachfolgender  Schmerz
(bei  Adelung  das  nachweh);  gewöhnlich  im  Plur.,
in  allgemeinem  Sinne:  die  nachwee,  die  überbleibscheten
  von  der  krankheit,  die  allwägen  erst  nahin
kommend,  und  den  menschen  berürend,  tentationes
morbi  Maaler;  wann  einer  siech  ist  gesein  .  von
dem  kalten  wee,  so  bleiben  doch  nachwee  ein  halb
jahr  in  ihm  Keisersberg  bei  Frisch;  eingeengt  auf
die  Schmerzen  nach  der  Geburt,  bei  Zusammenziehung
der  Gebärmutter:  nachwehe,  dotor  postk  partum  Steinbach;
  es  kommt  noch  eine  nachwehe;  die  nachwehen.
sind  heftig;  übertragen  auf  unangenehme  Folgen:  die
nachwehen  einer  durchschwelgten  nacht;  er  spürte  die
nachwehen  dieses  aufenthaltes  in  seinem  beutel;  auch
bei  mir  haben  sich  diese  nachwehen  (einer  schweren
Krankenpflege)  eingestellt  Moltke  4,  301.  —  Nachwein,
  m.  nachgepreßter  Wein,  Wein  aus  Trestern.  —
Nachweis,  m.  Handlung  des  Nachweisens:  einen  n.
liefern,  füuhren.  —  nachweisen,  Spur  oder  Weg  weisen,
dem  man  zu  folgen  hat,  auf  etwas  oder  einen  hinweisen,
  anzeigen,  weg,  stelle  in  einem  buche,  fehler  in
einer  rechnung;  kann  Er  mir  nicht  den  oflicier  nachweisen,
  der  gestern  noch  in  diesem  zimmer  gewohnt
  hat?  Lessing  Minna  1,9;  durch  Beweismittel
sicher  stellen:  er  kann  sein  recht  am  gote  nicht  nachweisen;
  depesche  ..  in  welcher  sie  uns  nachzuweisen
Ssuchte,  dasz  wir  kein  recht  mehr  hätten,  in  Luxzemburg
  garnison  zu  halten  Bismarck  Reden  3,  166.—
nachweislich,  was  nachgewiesen  werden  kann:  es  ist
nachweislich  falsch  Moltke  2,  91;  nachweisliche  rechte,
irrtümer.  —  Nachwelt,  f.  künftige  Welt,  nachkommende
Geschlechter,  posteritas,  aetas  poschuma,  homines  postfuturi
  Stieler;  soll  seines  namens  ruhm  auf  späte
nachwelt  grünen  Uz  1,  141;  so  wird  .  .  die  nachwelt
auch  nach  unserm  leide  fragen  Len  au  669;  dem  fluch
der  nachweit  ubergeben  Moltke  2,  90;  scherzend,  in
Bezug  auf  Kinder:  leben  Sie  mit  lhrer  frau  und  kleinen
nachwelt  gesund  Rabener  Brief  1756.  —  Nachwinter,
  m.  nachkommende  Winterkälte  im  Frühjahr.  —
nachwirken,  nachträglich  wirken,  z.  B.  von  einer  Arznei
Adelung;  nachhaltig  wirken:  so  etwas  wirkt  auf  jahrhunderte
  nach;  dazu:  die  nachwirkung  der  schweren
krankenpflege  Moltke  1,  304;  nachwirkungen  des
krieges.  —  Nachwort,  u.  nachträglich  zugefügtes  Wort,
Gegensatz  zu  vorwort;  vgl.  nachrede.  —  Nachwuchs,  m.
das  Nachwachsen  und  Nachwachsendes,  von  Pflanzen
und  lebenden  Wesen;  —  Kinder:  der  liebe  gott  bescheert
  mir  nachwuchs  Hebel  2,  195.

Nachzahlen,  zahlend  hinzufügen,  nachträglich  zahlen.
—  nachzählen,  Vorgezähltes  prüfen:  nachzehlen,  atsones
eæaninare,  zubducere,  ad  cealculos  rebocame  Stieler;
haufen  und  mandeln,  sein  geld  nachzählen  Adelung;
dem  protestantischen  könige  aber  zählte  man  jeden
bissen  am  munde  nach  Treitschke  4,  271.  —  nachzeichnen,
  zeichnend  nachbilden,  landschaften,  linien,
köpfe;  sich  im  n.  üben;  dazu:  vorlagen  zur  nachzeichnung;
  nachzeichnungen  berühmter  kupferstiche.
—  nachziehen,  intraus.,  ziehend  nachfolgen:  da  des  das
volk  innen  ward,  zog  es  jm  nach  Luc.  9,  11;  die  bundischen
  reiter,  die  imnnen  im  rücken  nachgezogen  waren
Hauff  6,  112;  sind  dir  flügel  nicht  verlichn,  mir
ins  ferne  nachzuziehn?  Rückert  Liebesfr.  2,  4;  bei
Jägern  dem  wilde,  der  fährte  nachziehen;  in  Bezug
auf  Anderung  der  Wohnung  oder  des  Wohnsitzes,

M.  Heyne,  Denutsches  Wörterbuch,  II.

Nachtrupp  —  nachziehen.

Nachzucht  —  Nacken.  930
einem  nachziehen  Adelung;  übertragen:  einer  kunst
nachziehen  und  obligen  Magler;  —  trans.,  ziehend
folgen  machen:  alle  menschen  werden  jm  nachgezogen
Hiob  21,  33;  zeuch  mich  dir  nach  Hohel.  1,  4;  haut
die  er  von  oben  nachzicht  Hebel  2,  36;  übertragen:
das  wird  nichts  gutes  nachzichen  (zur  Folge  haben)
Adelung;  Gelockertes  durch  Ziehen  wieder  fest  machen:
die  schnürung  an  einem  ballen  nachziehen;  ziehend
nachbilden  oder  auffrischen,  linien,  gärtnerisch  oder  forstmännisch
  pflanzen,  bäume,  samen  nachziehen.  —  Nachzucht,
  f.  was  nachgezogen  wird,  besonders  gärtnerisch,
forstmännisch  von  Pflanzen;  auch  von  Haustieren,  junge
n.;  bei  Bienen,  letzte  Brut  vor  dem  Winter.  —  Nachzug,
  m.  Handlung  des  Nachziehens  und  Gesamtheit  der
Nachziehenden;  in  der  Kriegsspr.  Nachtrab  eines  Heeres,
agmen  nouissimun  Stieler;  Hinterste  eines  Gefolges:
der  todt  reiset  auch  mit  uns  (dem  kaiserlichen  Zuge),
und  ist  im  vor-  und  nachzug  bei  uns  Zinkgref
1,  109;  —  im  Eisenbahnwesen,  Gegensoh  u,  vorzug,
nach  dem  Hauptzuge  abgelassener  Zug.  —9  ackzügter,  m.
der  im  Nachzuge  befindlich  ist;  in  der  Kriegsspr.  einzeln
hinterdrein  ziehender  Soldat,  deutscher  Ausdruck  für
marodeur,  von  Campe  als  neu  aufgeführt:  schalt  er
die  nachzügler,  packknechte  und  marketender  Goethe
30,  111;  brachten  sie  zahlreiche  nachzügler  als  gefangene
  ein  Moltke  3,  83;  bildlich:  schwäche,  der
nachzugler  einer  schweren  krankheit.

Nacken,  m.  hinterer  Halsteil  bei  Menschen  und
Tieren;  gemeingerm.,  nur  im  Goth.  nicht  bezeugtes
Wort,  ohne  nachweisbare  Urverwandte,  dunkler  Hertunft:
  altnord.  hnakki  in  der  Bed.  Hinterhaupt,  während
altengl.  bnecca,  ahd.  hnacch,  nacch,  mhd.  nac  und
nacke  die  heutige  Bed.  haben.  Die  Declination  ist  im
Ahd.  nur  stark,  im  Mhd.  kommt  zu  der  starken  (Gen.
nackes)  die  schwache  empor,  die  sich  mud.  durchaus
findet;  das  ältere  Nhd.  bewahrt  im  Nom.  die  mhd.
schwache  Form:  der  nacke  jrer  veter  2.  Kön.  17,  14;
erst  im  17.  Ih.  kommt  die  schon  früher  vereinzelt  auftauchende
  Nominativform  nacken  recht  empor  (bei
Stieler  noch  nack  und  nacke  neben  nacken),  die  sich
später  ausschließlich  behauptet:  occ%  nacke,  nacken,
nack  Dief.;  bei  Menschen  nach  Aussehen,  Form,  Farbe
hervorgehoben:  diu  kel  und  ir  nac  al  ein  als  ein  vol-Wiger
  swan  Flore  6902;  (bäurisch  aussehend)  mit  eim
..  haarigen  nacken  Garg.  28;  ein  arm  und  ein  glünzender
  nacken  wird  blosz  Schiller  Taucher  75;  ein
leiser  finger  berührte  seinen  freien  nacken  C  FMeyer
Ang.  Borgia  69;  vom  Alter  gekrümmt:  wiewohl  der
jahre  bürde  den  nacken  sanft  gekrümmt  Wielaud
Ob.  8,  14;  nach  Gottes  Erschaffung  aufgerichtet:  gebaut
hast  du  ihn  (den  Menschen)  als  ein  wunderwerk,  mit
hoher  stirn  und  aufgericht'tem  nacken  Grillparzer
5,  145;  daher  als  Zeichen  der  Unabhängigkeit  der  stolze,
freie  nacken  (vgl.  auch  hals),  ihn  beugen  —  den  Stolz
unterdrücken,  unterwerfen:  ich  sterblicher  will  nicht
den  stolzen  nacken  beugen  vor  einer  höhern  macht
Uz  1,  266;  dasz  sie  den  nacken  mir  lernen  beugen,
den  sie  aufrecht  tragen  Schiller  Tell  4,  3;  der  harte,
starre,  störrige,  eiserne  nacken  eines  Unbeugsamen,
Halsstarrigen  (vgl.  auch  hartnäckig):  sio  herteten
jren  nacken  2.  Kön.  17,  14;  dein  nack  ist  ein  eisern
ader  Jes.  18,  4;  (werden)  sich  von  jrem  barten  nacken.
..  keren  Baruch  2,  33;  er  streichelte  und  koste  den
nacken,  der  gegen  ihn  störrig  zurückschlug  Schiller
Ränb.  2,  2;  den  harten  nacken  gegen  oin  furchtbares
schicksal  zu  stemmen  Freytag  Handschr.  2,  297;  da
ward  dem  Nettelbeck  der  sonst  schon  starre  nacken.
noch  gesteilt  Heyse  10,  365;  äußerste  Demütigung
eines  solchen,  wenn  der  fusz  auf  den  nacken  gesetzt
wird;  weg  über  meinen  nacken  schreitet  er  Schiller
M.  Stuart  1,  4;  auf  den  nacken  der  gemeinheit  seh
ich  deine  sohle  stampfen  Strachwitz  Ged.  10;  den

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