Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1894. (28)

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Gebete‘'  zu  jenem  Gott,  der  so  viele  Völkerschaften  hatte  genesen
lassen!  Auch  die  Wallfahrten  nach  Lourdes,  zu  der  besonders
die  Elsaß-Lothringer  angespornt  wurden,  wie  jeder  Bittgang
unter  den  Auspizien  der  römischen  Priester  französischer  Zunge,
bezweckten  vor  allem  die  kriegerischen  Empfindungen  und  Hoffnungen
  dem  siegreichen  Deutschland  gegenüber  wach  zu  erhalten.

Um  sein  Einvernehmen  mit  den  Jüngern  Loyolas,  denen
er  sich  so  rückhaltlos  anvertraut  hatte,  so  unzweideutig  als
möglich  zu  bekunden,  weihte  Pius  IX.  unterm  22.  April  1875
dem  Heiligen  Herzen  Jesu  —  die  ganze  ‚katholische  Kirche‘!
Wie  hob  dieser  Umstand  noch  die  Bedeutung  und  Tragweite
des  Jesuiten-Domes  auf  dem  Montmartre!  Der  Erzbischof  von
Paris  nutzte  ihn  denn  auch,  um  am  16.  Juni  1875  die  feierliche
Grundsteinlegung  zu  inszenieren.  Damit  sei  der  erste  Stein  gelegt
zur  nationalen  Auferstehung  Frankreichs!

Das  „katholische‘‘  Frankreich  wurde  durch  diese  priesterliche
  Bearbeitung  nach  jesuitischem  Rezepte  von  einem  solchen
kirchlich-religiösen  Taumel  erfaßt,  daß,  wie  sich  der  besonnene,
um  nicht  zu  sagen  nüchterne  Historiker  Hanotaux  ausdrückt,
  die  römische  Kirche  sich  das  Herz  Frankreichs  vielleicht
  niemals  ergebener  gefühlt  hatte,  seitden  Tagender
Kreuzzüge!

Das  politische,  staatsrechtliche  Ziel,  das  den  Erfolg  zu
einem  dauernden  machen  sollte,  war  die  Wiederaufrichtung  des
„allerchristlichsten‘‘  Königtums  der  Bourbonen.  Daß  dies  ganz
im  Sinne  der  Jünger  Loyolas  geschehen  werde,  dafür  bürgte  die
Persönlichkeit  des  einzigen  legitimen  Kronprätendenten,  des
Grafen  Chambord,  wie  sich  der  zukünftige  Heinrich  V.
nannte.  Dieser  war  ein  so  in  der  Wolle  gefärbter  Jesuitenzögling,
  daß  er,  sobald  das  päpstliche  Rom,  die  alleinseligmachende
Kirche,  in  Frage  kam,  keinerlei  Kompromiß  kannte.  Lieber
als  auf  die  ‚‚weiße‘‘  Fahne,  welche  ihm  das  ‚‚allerchristlichste‘‘
Königtum  von  Papstes  Gnaden  versinnbildlichte,  wollte  er  auf
den  Thron  verzichten.  Nicht  nur,  daß  er  alljährlich  seinen  Anteil
am  ‚„Peterspfennig‘'  in  Höhe  von  Io  000  Frs.  mit  der  stereotypen
Wendung  nach  Rom  übermittelte:  ‚Dem  Gefangenen  im  Vatikan
das  Scherflein  des  Verbannten‘‘  —  um  seinen  unentwegten
„Glauben“  zu  bekunden,  nutzte  er  jeden  erdenklichen  Anlaß.
Der  Gedanke,  ganz  Frankreich  dem  ‚‚Heiligen  Herzen  Jesu‘‘  darzubringen,
  ward  ihm  eigenstes  Ideal.  Als  ein  Übereifriger,  de