Contents : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

457  schönängig  —  schonen.
(ich  habe)  manchen  schönen  preis  mir  beimgebracht
vom  kreudenschieszen  Schiller  Tell  1,  3;  auch  bloß
des  nicht  gewöbnlichen,  an  das  velksmäßige  tüchtig,
derb  streisend:  da  gibt  es  manchen  schönen  groschen
zu  verdienen;  eine  schöne  summe  geldes  Adelung;
da  geht  freilich  ein  schönes  drauf  Schiller  Räub.
2,  3;  er  kann  die  schönston  prugel  kriegen;  auch:  er
hat  ein  schönes  alter  erreicht;  adverbial  du  wirst  dich
schön  wundern;  wird  sich  schön  langweilen  Benedix
Vetter  1,  3;  in  ganz  verblaßtem  Sinne  in  der  Redensart
  cives  schönen  morgens;  —  gern  in  ironischer  Verwendung:
  eine  schöne  geschichte!;  schöner  handel  das!
CFMeyer  Jenatsch  206;  (Gewölk)  das  dio  schönste
anstalt  machte,  mich  ..  zu  baden  Rückert  Liebesfr.
2,  38;  schöne  reuc  heisz  ich  mir  das!  Goethe  Rein.  F.3;
adverbial:  kann  ich  noch  redcu  o  schön!  o  selön!
Lessing  Minna  4,  3;  da  wurd'  ich  schön  ankommen
Kotzebue  Pagenstr.  1,  9.  5)  schönstens,  Weiterbildung
genitiver  Art  vom  Euperl.,  ans  der  Fügung  zum
schönsten  wohl  erst  im  18.  Ih.  erwachsen:  schönstens
grüszen,  danken;  ironisch:  dafbr  wurde  ich  mich  schönstens
  bedanken  Campe.  —  Zusammensetzungen:  schönäugig,
  schöne  Augen  habend:  die  person  (war)  so  schön-Augig
  Keller  Werke  3,  139.—  Schöndruck,  m.  bei  Buchdruckern
  Druck  der  ersten  Seite  eines  Bogens,  im
Gegensatz  zum  widerdruck.  der  letzten.  —  Schönfärber,  m.
Buntfärber.  —  Schöngeist,  m.  Bezeichnung  eines,  der
sich  mit  den  schönen  Künsten  und  Wissenschaften  beschäftigt.
  —  Sgunfis  einem  Schöngeist  gehörig  oder
gemäß.  —  Schönpflaster,  Dim.  -pflästerchen,  n.  kleines
schwarzes  Pflaster,  zur  Erhöhung  des  Reizes  in  das
Gesicht  geklebt.  —  Schönredner,  m.  der  gern  schöne
Reden  hält,  schöne  Worte  macht.  —  Schönseligleit,  k.
Seligkeit  im  Genießen  der  Schönheit,  überschwengliche
Verehrung  der  Schönbeit:  dio  schönseligkeit  der  letzten
jahrzehnte  (des  18.  Ih.)  Freytag  Erinn.  18.  —  schönwissenschaftlich,
  zu  den  schönen  Wissenschaften  gehörig.
Schöne,  k.  Schönheit,  goth.  skaugci,  ahd.  sconi,
mhd.  scheene;  in  der  älteren  Spr.  allgemeines  Wort
neben  schönheit  (s.  d.):  las  dich  jre  schöne  nicht  gelusten
  Spr.  Sal.  6,  25;  so  wird  der  könig  lust  an
deiner  schöne  haben  Ps.  45,  12;  später  veraltet,  von
Klopstock  wieder  erneuert:  in  reinerer  schöne  Mess.
4,  1234;  und  seitdem  in  gehobener  Spr.:  wo  deia
mund  ..  der  tugend  schöne  mich  lehrte  Hölty  81;
alle  schöne  der  form  Goetfe  Metamorph.  der  Tiere.
Schonen,  vor  etwas  in  Acht  nehmen,  zu  bewahren
suchen;  früh  mhd.  Bildung  zu  dem  Adr.  schöne  in
der  damals  lebendigen,  später  abgestorbenen  Bed.  aufmerksam,
  sorgfältig,  bedächtig,  und  mit  dem  Sinne  des
rücksichtsrollen  Verfahrens,  daher  des  Hütens  vor  Schaden
und  Verschlechterung,  als  schonen  auch  mud.;  parcere
schonen  Dief.:  in  verschiedenen,  zum  Teil  nicht  mehr
vorhandenen  Fügungen;  mit  Gen.  der  Person  eder
Sache:  da  mahtest  doch  mines  trchtines  hän  gesconet.
Kaiserchron.  12298;  schone  seins  lebens  Hiob  2,  6;
schonen  Sie  meiner  Issland  Ausstener  3,7;  schone
deivcr  pferde  Göckingk  Lied.  zweier  Lieb.  59;  in  älterer
Spr.  auch  mit  Dat.:  ich  schöne  ir,  ich  schönc  dem
minem  Germ.  3,  212;  den  ceren  schoncn.  eristimationt
eonaulere  Maaler;  mit  Inf.  und  zu:  da  aber  dem
reichen  man  cin  gast  kam,  schonct  er  zu  nemen  von
scinen  schafen  und  rindern  2.  Sam.  12,  4;  =  sich  entbalten:
  sie  schonen  nicht  fur  meioem  angcsicht  zu
sspeien  Hiob  30,  10;  absolut:  rufe  getrost,  schone  nicht
Jes.  59,  1;  ewer  augen  sollen  nicht  schoneo,  noch  uberschen
  Hef.  9,  5;  auch  in  neuerer  Spr.:  ich  will  schonen
Grillparzer  3,  56;  (die  Gnade)  will  zu  schonen
manchmal  auch  belichen  Lenau  10;  in  nenerer  Spr.
erst,  bier  aber  nun  ganz  überwiegend,  mit  Ace.  der
Person  oder  Sache:  einen,  eiwas,  gesuodheit,  seine
mittel,  kleider,  gegenstände  schonen;  keinc  unkosten

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in  ciner  sache  schonen  Steinbach;  ich  hab  dlein
schwaches  alter  in  allen  geschulten  geschonct  Schiller
Näub.  1,2;  nur  um  euch  zu  schonen  Kotzebne  Pagenstr.
1,  3;  die  empfindlichkeit  der  französischen  nation
zu  schonen  Bismarck  Red.  3,  167;  das  war  ein  gutes
werk  und  schonte  den  geldbeutc!  Rosegger  Waldheim.
  1,  170;  in  die  Bed.  sparen  übergegangen:  cr  schont.
deu  stürk-trunk  oft  Caniz  86;  in  besonderer  Wendung:
  dasz  ich  die  wahrheit  geschonet  (gelogen  habe)
Goethe  Rein.  F.  11;  in  technischer  Spr.  der  Forstleute,
  den  wald,  das  wild  senonen,  eine  gewisse  Zeit
lang  nichts  davon  entnehmen;  refl.,  in  älterer  Spr.
sciner  (scinen  selbs  schoncn,  sich  sclbs  schon  halten,
sihi  narcere  Maaler),  in  neuerer  sich  schonen,  besonders
  in  Bezug  auf  Krast  und  Gesundheit:  dasz  er
sich  weoig  schonte  Moltke  1,  274;  morgen  sonntag
will  ich  mich  aber  recht  schonen  6,  372;  im  substantiven
  Inf.:  wurgt  mich  ohne  schonen  Schiller  Zerst.
v.  Troja  17;  weil  der  furst  mit  einem  bcamten  kein
schonen  hätte  JPaul  uns.  Loge  2,  18;  das  schonen
und  aufrichten  des  gebeugten  gegners  Keller  Werke
1,  39;  im  Part.  der  Gegenwart:  gegen  verbrecher
schonend  .  zu  sein  Goethe  Wanderj.  1,  4;  auf  möglichst
  schonende  weise  Preußen  i.  B.  1,  21;  —  sparsam:
ein  arbcitsamer  und  schonender  meosch  Möser  Phant.
1,  89;  im  Part.  der  Vergangenheit:  geschonte  kleider,
möbeln,  gut  gehaltene.  —  Dazu:  Schonzeit,  s.  Zeit  in
der  Wild  oder  Wald  geschont  werden;  scherzhaft  bildlich:
  er  (der  Beamte)  ist  eine  art  zugvogel,  der  keine
schonzeit  hat  Bismarck  Red.  11,  91;  —  in  allgemeinerem
  Sinne:  schonzeit  für  wöchnerinnen  (im
Arbeiterschutzgesetze)  Zeitung  1890.

Schönen,  schön  machen,  ahd.  seönan,  mhd.  scheinen:;
in  älterer  Spr.  auch  für  schmücken,  putzen  vielgebrauchtes
Wort:  n#  ist  heide  wol  geschenet  mit  vil  maoigem
blucnmelin  KoLandegge  7,  1;  nur  schminke  schönet.
dein  gesicht  Schwieger  geharn.  Venus  41;  vgl.  auch
be-,  verschönen;  jetzt  noch  in  gewerklicher  Spr.,  bei
Färbern  dem  Gesärbten  ein  glänzenderes  Aussehen  geben,
bei  Küsern  den  wein  schönen,  mit  Hausenblase  klären.
—  Schoner,  m.  1)  der  da  schont;  Bezeichnung  einer
Schutzdecke  über  ein  Möbel.  2)  langes  schmales,  zweimastiges
  Schiff;  Lehnwort  aus  niederl.  schoener,  engl.
schooner.

Schönheit,  k.  Zustand  des  Schönen,  mhd.  schenheit,
  schönheit  (auch  in  dem  weiteren  Sinne  der  Zierde,
des  Schmuckes  und  der  Festlichkeit);  mit  dem  Subst.
schöne  (s.  d.)  gleichbedentend,  in  neuerer  Spr.  vor  diesem
als  allgemeines  Wort  vorwiegend:  sch.  einer  person,
eincs  dinges,  einer  landschaft,  des  wetters  u.  s.  w.;
das  sie  sich  ergetzten  an  jrer  schönheit  Susanna  32;
hin  war  der  schönheit  fulle  Uhland  208;  da  dir  das
scepter  der  schönheit  entschlapft  Leuthold  Ged.  18;
im  Plur.:  sich  an  den  schönheiten  der  natur  erfreuen;
—  schönes  Weib:  in  ciner  schönhcit  diensten  sterben
Königsb.  Dichterkr.  95;  neben  den  ersten  schönheiten
des  hofes  Schiller  Kab.  1,  5;  sie  sei  keine  blondlockige
  uppige  schönheit  CF  Mever  Jenatsch  175.

Schonnung,  k.  Handlung  des  Schonens,  mhd.  schonuoge:
  mit  schonurg  degegnen  (Issland  Aussteuer
3,  4),  bchandeln  (Bismarck  Red.  11,  95);  sch.  in  anspruch
  nechmen  (Freytag  Soll  1,  314),  verschmähen
(Leuthold  Ged.  261);  um  schonung  flehen  (Schiller
Räub.  2,  3);  sch.  der  mittel,  krälte  (Wieland  Klel.
I,  3009),  des  geldbentels;  hierauf  kannte  nun  auch
Aaximilian  keine  schonung  weiter  Ranke  Werke  I,  106;
—  im  Forstwesen,  Waldstrecke,  die  nicht  abgetrieben
werden  darf,  besonders  Bestand  junger  Bäume;  bildlich:
das  grasze  reich  (Karls  d.  Gr.)  gemahnt  uns  wie  einc
möchtige  schonung  in  der  milto  der  zZerstörungsbegicrigen
  welt  Ranke  Werle  1,6.  —  Dazu:  schonungslos,
  ohne  Schonung:  schonungsloses  verlabren  Preußen

Schonzeit  —  schonungsles.