Metadata : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Vortrag  des  Lyrischen.  263

wie  viel  da  geblieben  sind,  wie  viel  dort,  und  wie  sie  sich  drängen  und
einer  verliert  und  der  andere  gewinnt,  ohne  daß  man  sein  Tage  begreift
wer  was  gewinnt  oder  verliert.  Wie  eine  Stadt  eingenommen  wird,  die
Bürger  ermordet  werden  und  wie's  den  armen  Weibern,  den  unschuldigen
Kindern  ergeht.  Das  ist  eine  Not  und  Angst,  man  denkt  jeden  Augenblick:
  da  kommen  sie;  es  geht  uns  auch  so!  —

Sagt'  ich's  nicht  voraus?  Noch  vor  acht  Tagen  auf  der  Zunft
sagte  ich:  es  würde  schwere  Händel  geben!  —

Ja  so  denkt  jeder:  was  sollst  du  mit  deiner  Nase  voran.  Hängt
doch  der  Hals  gar  nahe  damit  zusammen.

Und  diese  spanischen  Soldaten!  Es  schnürt  einem  das  Herz  ein,
wennmansoeinen  Haufen  die  Gassehinab  marschieren  sieht.  Kerzengerade,
mit  unverwandtem  Blick!  Ein  Tritt,  so  viele  ihrer  sind!  Und  wenn  sie
auf  der  Schildwacht  stehen  und  du  gehst  einem  vorbei,  ist's  als  wenn  er
dich  durch  und  durch  sehen  wollte,  und  sieht  so  steif  und  mürrisch  aus
daß  du  auf  allen  Ecken  einen  Zuchtmeister  zu  sehen  glaubst.  Sie  thun  mir
gar  nicht  wohl.  Unsere  Miliz  war  doch  noch  ein  lustig  Volk;  sie  nahmen
sich  was  heraus,  standen  mit  ausgegrätschten  Beinen  da,  hatten  den  Hut
über’'m  Ohre,  lebten  undließen  leben,  diese  Kerle  aber  sind  eine  Maschine,
in  denen  ein  Teufel  sitzt.  —

Gevatter  Trost,  laß  du  den  Herzog  nur  gewähren!  Der  alte  Kater
sieht  aus  als  ob  er  Teufel  statt  Mäuse  gefressen  hätte  und  könnte  sie  nun
nicht  verdauen.  Laßt  ihn  nur  erst,  er  muß  auch  essen,  trinken  und  schlafen
wie  andere  Menschen.  Wenn  wir  unsere  Zeit  gut  nehmen,  ist  mir  nicht
bange.  Im  Anfange  geht's  rasch,  nachher  wird  er  auch  finden  daß  in  der
Speisekammer  unter  den  Speckseiten  besser  leben  ist  und  des  Nachts  zu
ruhen,  als  auf  dem  Fruchtboden  einzelne  Mäuslein  zu  erlisten.  —

Ich  weiß  andere,  denen  es  besser  wäre,  sie  hätten  statt  ihres
Heldenmutes  einen  Schneider  im  Leibe.  —

Seht,  der  lange  Herzog  hat  euch  das  Ansehen  von  so  einer  Kreuzspinne,
  nicht  einer  dickbäuchigen,  die  sind  weniger  schlimm,  aber  so  einer
langfüßigen,  schmalleibigen,  die  vom  Fraße  nicht  feist  wird  und  recht
dünne  Fäden  zieht,  aber  desto  zähere.  —

Unsere  Vorfahren  zogen  fleißig  wider  die  Türken  —  und  das  sollten
wir  auch  thun,  wenn  wir  ehrliche  Kerle  und  gute  Christen  wären!  Freilich
begreife  ich  wohl  daß  ein  Feldzug  wider  den  Türken  nicht  halb  so  lustig
sein  kann,  als  einer  wider  den  Franzosen,  aber  dafür  muß  er  auch  desto
verdienstlicher  sein,  in  diesem  wie  in  jenem  Leben.  —

Mensch,  ich  glaube  du  liesest  eben  so  wenig  die  Zeitungen  wie  die
Bibel.  Du  kennst  den  Prinzen  Heraklius  nicht?  Den  braven  Mann  nicht,
der  Persien  weggenommen  und  nächstens  die  ottomanische  Pforte  einsprengen
  wird?  Gott  sei  Dank  daß  doch  noch  irgendwo  in  der  Welt  Krieg