172 Bivouak in Metz.
In den drei Wochen der Ruhe begannen die preußischen Truppen
sich nun häuslich in ihren Stellungen einzurichten. Unternehmende
Spekulanten fanden sich bei ihnen ein, welche ihnen das gewohnte
Glas Bier lieferten, Berliner Zigarrenlieferanten etablirten ihre Handlungen
in den Dörfern der Zernirungslinie, Liebesgaben ans allen Thei—
len Deutschlands beschafften, was nothwendig war und von der
Militärverwaltung nicht geliefert werden konnte. Einer der Kom—
battanten des 8. Armeekorps giebt eine anschauliche Schilderung des
Lebens und Treibens in dem deutschen Lager, welche wir hier folgen
lassen wollen. Sie ist vom 16. September datirt, aus der Gegend
von Vaucremont.
„Ein prachtvoller Herbsttag! Hier liege ich hingestreckt an dem
Abhange einer waldigen Kuppe, blau lacht der Himmel auf mich
herab, nur leichte Wölkchen erinnern noch als verschwimmende Spuren
an die finster gethürmten Wolkenmassen, die vor einigen Tagen die
Landschaft umhüllten und erbarmungslose Güsse auf unser bivouakirenden
Kameraden herabsandten. Fast könnte man träumen in dieser
Waldeinsamkeit, aber da ruft ein dumpfdröhnender Knall mich in die
kriegerische Wirklichkeit zurück, das schwere Geschütz, wie selten es auch
jetzt seine rauhe Stimme erhebt, erzählt mir von der französischen
Armee, die drüben im Moselthal und im befestigten Lager auf den
Höhen von St. QOuentin eingeschlossen ist wie die Maus in der
Falle.
Verlasse ich mein mosiges Lager, um in die Lichtung des Gehölzes
hineinzutreten, so schimmert mir rechts unten im Thale der französischen
Nied das Dorf Pange mit seinem Schlosse entgegen, bei welchem
am 14. August die Reihe blutiger Kämpfe entbrannte, welche
mit Abschneidung und Umzingelung des Bazaine'schen Heeres endigten.
Ich weiß, es bedarf nur einiger Tausend Schritte, so weht mir an
einzelnen Stellen schauriger Moderduft entgegen und mein Auge fällt
auf zerschossene Häuser, auf Scheunen, deren Wände von Schießscharten
durchlöchert sind. Fern auf der Landstraße, die sich an der
nördlichen Wasserscheide der Nied hinaufschlängelt, bewegt sich eine
dunkle Masse, das Glitzern der Helmspitzen in der Sonne verräth,
daß es eine Truppenkolonne ist, wahrscheinlich ein Ersatzbataillon,