Contents : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

UAummer  64

##les####  Ansel

Donnerslag,  18.  Mdrz  1913

 

men  Schentlicher  angestrengter  Arbeit  die
Ueberreste  der  im  Jahre  1898  eingestürzten
Mangfallbrücke,  Eisenbahnschienen  im  Gewichte
von  J00  Zentnern,  ans  Ufer  zu  bringen.  Beim
Verladen  am  Bahnhof  ereignete  sich  ein  bedauerlicher
  Unglückefall.  Eine  der  schweren,  15.
Meter  langen  Schienen  lam  ins  Gleiten,  drüce
den  am  Transporte  beschäftigten  Fausbesitzer

Josef  Wertat  zwischen  Eisenbahn=  und  Last=U
  agen  nieder  und  brachte  ihm  so  schwere  Quet-[d#ungen
  ver  Brust  bei,  daß  er  bewußtlos  darniederliegt.


Bad  Aibling,  16.  März.  Der  Historische
Verein  ergänzte  in  seiner  Jahresversammlung
die  Vorflandschaft  durch  die  Wahl  des  Herrn
Piarres  Heinrich  als  Vorstandstellvertreter  und
des  Bezirlsamtsassessors  v.  Schultes  als  Ausschuß
  mitglied.  Zum  Ehrenmitglied  murde  der
nach  Schwabach  versetzte  Postverwalter  Wilh.
Mener  ernannt.

Traunstein,  16.  März.  Oberbayerische
Sägewerkobesitzer  beschwerten  sich  beim  Handel-sgremium
  Traunstein  darüber,  daß  die  am  26.
Jamuar  vorgenommene  Rupholzversteigerung  im

Bezir!  Traunstein  eingestellt  wurde,  weil  die
Angedote  für  Zãaet.  alz  unter  der  Frostlare  ge.
blieben  sind.  à2  Handelsgremium  hat  die
Klage  geprüft  uno  sie  als  berücksichligenswert
der  Handelslammer  unterbreitet,  die  ihrerseits
nach  Antrag  des  Referemen  Wrede,  der  auf
die  schled.le  Konjunltur  in  der  Holzinduftrie  hinwies,
  dem  Finanzministeriu-  n  solgende  Gesuche
unterbreiten  wird:  1.  In  den  Forsftbezirlen
Traunstein.  Reichenhall,  Berchte-  Sgaden,  Rul
polding,  Siegedorf  und  Teisendorf  soll  Holz
auch  unter  der  Forillare  mit  Rücksicht  auf  die
befonderen  lheuer  gegebenen  Verlältnisse  ubgegeben
  werden.  2.  In  Zuluuft  soll  bei  öffentlichen
  Ausschreitungen  bemerkt  werden,  ob  das
Holz  unter  der  Forstlare  zugeschlagen  wird  oder
nidt.  Z.  Wenn  dieser  Vermerl  nicht  enthalten
iit.  muß  das  Hoiz  auch  unter  der  Forsttare
zugeschlagen  werden.  J.  Bei  der  jährlichen  Festsepung
  der  Tare  sollen  auch  Sachveritändige
aus  der  Holzbranche  zuge  agen  werden.

O#ta##chrichtn.
Rosenheim,  17.  März.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Peter  Fedlmaier,  Kandidat  der  Theologie  am

Luzeum  zu  Freising,  Reffe  des  H.  H.  Pfarrers
M.  Fedlmaier  in  Söchtenau;  Sebastian  Kendlinger,
  Lippbauer  in  Sietten  (Aibling),  Landwehrmann
  im  12.  Res.-Inf.-Rgi.;  Bernhard

Lichtenegger,  Gütlerssohn  von  Berg  Golz
lirhen).

Auozeichnungen  im  Felde.  Odberleutnant
  Emil  Zenetti,  Regimentsadsulant  im  10.
Feld-Art.-Rgl.,  welcher  im  September  das
Eiserne  Kreuz  erhielt,  wurde  im  Februar  durch
den  Militärverdienstorden  4.  Kl.  mit  Schwertern
  ausgezeichnet.  Zenetti  hat  unter  Obersiudienrat
  Miller  das  Gymnasium  Nosenheim
absolviert.  Der  aus  Hundham  gebürtige  Oberlellner
  Josef  Schönauer  in  Koöln  ist  an  der
russischen  Front  mit  dem  Eisernen  Kreuz  ausgezeichnet
  worden.  Auch  sein  Bruder,  der  Zimmermann
  Johann  Schönauer  aus  Bayrischzell,
wurde  in  Nordfrankreich  mit  dem  Eisernen  Kreuz
ausgezeichnet.

Hr.  Oberstudienrat  Dr.  Lutz,  Rektor

 

des  K.  Gumnasiums  Roseuheim,  der  sich  bei
Kriegsbeginn  schon  freiwillig  gemeldet  hat.
wurde  jel  einberufen.  Er  verabschiedete  sich

heute  von  Schülern  und  Lebrerkollegium
und  rückt  à#i:  Hauptmann  unter  die  Fahne.
Die  beiten  Wiiche  begleiten  ihn.

Kartoffel-  Höchstpreisc.  Die  Kreisregierung
  von  Oberb###ern  hat,  mie  schon  lurz
berichtet,  den  lalsächlichen  ###  alinissen  Rechnung
  tragend,  die  unterm  3%  zannar  feil-Vesetzten
  Höchstpreise  für  Kartof  ein  durch  Beianntmachung
  vom  12.  März  aufgehoben  und
jie  durch  neue  hohere  Preise  ersetzt.  Es  betragen
  nunmehr  die  Höchstpreise  beim  Verlauf
durch  den  Produzenten  für  die  Sorten  Daber,
Imperator,  Magnum  bonum  und  Up  to  date
9o  Mk.  (statt  bisher  61  Ml.),  für  alle  anderen
Sorten  Speisekartoffeln  91  Mk.  (statt  56  Mk.)
prr  Tonne.  Beim  Verlauf  an  den  Verbraucher
in  Mengen  von  einer  Tonne  und  weniger  darf
der  Preis  eines  Zentners  6°0  Kilo)  inländischer
Speiselartoffel  bei  den  Sorten  Schneeflocken,
Kaiserlrone,  runden  und  weißen  Rartoffeln,
gelben  Saatlartoffeln  und  anderen  gleichwertigen
  Sorten  6  Mk.  (nati  3.75  Mi.i  und  bei
allen  anderen  Sorten  5.600  Mr.  (siolt  3.50
Mark)  nicht  übersteigen.  Bei  pfundweisem  Verlauf
  darf  der  Preis  für  ein  Pfund  nunmehr

9  Pfg.  (statt  6  Pig.  und  bei  literweisem  Verkauf
  der  Preis  für  das  Zweilitermaß  25  Pfg.
slatt  18  Pfg.)  sowie  bei  Verkauf  nach  Vierteln
der  Preis  fur  das  Viertel  bei  den  besseren  Sorten
  2.35  Mf.  (statt  1.20  Mk.)  und  bei  den
geringeren  Sorten  2.25  Mk.  (stamm  1.10  Mk.)
nicht  übersteigen.

Lichtbildervorträge.  Die  Alpenvereinssektion
  Rosenheim  hatte  am  Dienstagabend
zahlreichen  Besuch  im  Saale  des  Hotels  „Deutt

  Kaiser“.  Alle  waren  gekommen,  um  einen
Lichtbildervortrag  J  den  westli  Kriegsschauplatz
  zu  hören  und  zu  sehen.  nderungen

2  Fihien  und  den  französischen  Kriegsschau-“•i

  Wenn  wir  offen  sein
2  6%  wir  sagen,  daß  der  Redner,  Herr

 

——

Schicker  aus  München,  mit  seinen  Darbietungen
nicht  so  befriedigte,  wie  erwartet  werden  konnte.
Im  ersien,  bilderlosen  Teil  gab  der  Vortragende
zunächst  ein  den  meisten  bekanntes  Bild  über
Ursoche  und  Ziel  des  gegenwärtigen  Weltbkrieges.
  Der  zweite  Teil  brachte  zwar  viele
Bilder,  ein  großer  Teil  davon  war  aber  so  undeutlich,
  daß  laum  etwas  zu  erkennen  war.  Sie
gaben  auch  mehr  Ansichten  von  französischen
Herrsch  astrsitzen,  Schlössern  und  Villen  wieder,
wie  Ereignisse  vom  eigentiichen  Kriegs  sschauplaß.
Dasuür  sesselten  viele  durch  ihr  wirkungsvolles
Kolorit.  Im  übrigen  waren  etliche  Ansichten
von  den  durch  die  Rriegsgeschichte  belannten
Städten  Belgiens  und  Nordfrantreichs  vertreten,
  während  man  von  dem  Kriegsschauplatz
an  der  elsässisch-lothringischen  Front  nur  Bilder
  von  Mülhausen  und  Mcz  zu  sehen  bekam.
Immerhin  wurden  einzelne  Dar  bietungen  mit
lautem  Beifall  ausgenommen.  zum  Schluß  des
Abends  widmele  der  Seltionscorsitzende,  Herr
Rechtsanwalt  Scheuer,  dem  einigen  Vaterland
und  dem  tapseren  Heere  ein  Hoch.  Um  die
gleiche  Zeit  fand  im  Saale  des  lath.  Gesellenhauses
  ebenfalls  ein  Lichtbildervortrag  stall.
Auch  dieser  Vortrag  behandelte  den  Weltklrieg.
Sowohl  vom  westlichen  als  auch  vom  östlichten
Kriegsschauplatz  wurden  uns  sehr  schöne  und
interessante  Bilder  geboten.  Vortragender  war
Herr  Direktor  Dr.  Müller-München,  welcher  in
zündender  Sprache  zu  der  überaus  Fahlreichen
Versammülung  sprach.  Der  Besuch  war  so  außer
ordentlich  starkt,  daß  gar  viele  vor  der  Tür
wieder  umlehren  mußten;  auch  beim  besten
Willen  war  ein  Platz  nicht  mehr  zu  bekommen.
Auch  uUns  erging  es  so,  so  daß  wir  Näheres
über  den  interessanten  Abend  leider  nicht  be
richten  1önnen.  Wie  wir  erfahren,  schilderte  auch,
ein  H.  O.  Franzislanerpater  in  jesselnden  Wor
ten  eigene  Kriegeerlebnisse.  Gerne  lauschten  alle
seinen  Darlegungen.  Besonderen  Beifall  fan
den  die  schönen  Lichtbilder.  Da  der  Andrang
so  groß  war,  soll  der  Vortrag,  wenn  möglich,
wiederholt  werden.

Kucchliche  Nachrichsen

Stimmungeblib  zur  Aticgewallfohrt  ben
koth  Franenbundee  nach  Altötting.
„Wir  ziehen  dahin,  ein  betend  Heer,
Durch  Berge  und  Täler  und  Au;
Für  Deutschland,  für  Oesterreich,  hör'
nser  Fleh'n.
Altöttings  holdselige  Frau!“

 

So  klang  es  auch  aus  Herz  und  Mund  unserer
Rosenheimer  Pilgerinnen  vor  wenigen  Tagen.
Nie  in  meinem  Leben  werde  ich  den  beseligenden
Augenblick  vergessen,  da  ich  zum  ersten  Mal
die  liebe  Gnadenmutter  im  trauten  Keirchlein
grüßen  durfte.  Nach  der  Antunft  die  erhebende
Ansprache  des  hochw.  Hru.  Bischofs  und  darnach
  die  rührend  schöne  Lichterprozession,  die
das  Heiligtum  umzog,  erschienen  uns  wie  die
Vorbereitung  zu  einem  hohen  Festtag.  Und  er
war  auch  wirklich  am  nächiten  Morgen  für  uns
angebrochen,  als  wir,  20000  an  der  Zahl,  in
der  päpstlichen  Basilika  unter  dem  Banner  des
lath.  Frauenbundes  uns  zur  Generalkommunion
  versammelten.  Die  feierlichen  Worte  des
Tischgebetes:  „Himmlischer  Vater,  segne  uns
Speise  und  Trank“  1c.  leiteten  sie  ein,  und
dam  hatten  wir  Rosenheimerinnen  die  Freude,
den  Leib  des  Herrn  zu  empfangen  aus  der
Hand  unseres  hochw.  Hru.  Beirates,  Hrn.  geistl.
Nat  (Geßl,  der,  siete  voll  Znteresse  für  die  Besirebungen
  unseres  Vereins,  der  Einladung  zur
Wallfahrt  gefolgt  war.  Die  Festpredigt  von
Pater  Cnprian,  das  „Gloria,  Credo  und  Offertorium
  der  Frauen  vor  dem  göttlichen  Kinde“,
führte  eindringlich  allen  die  Pflichten  der  christl.
Frau  als  Familienmutter  vor  Augen.  Imposant
  wirkte  das  von  Sr.  Ezzellenz,  dem  hochw.
Herrn  Bischof  von  Passau  zelebrierte,  von  vielen
  Jeremonien  begleitete  Pontifilalamt.  Dann
aber  gings  rasch  zur  Gnadenkapelle,  um  keine
der  lostbaren  Minuten  zu  versäumen,  die  wir
hier  verbrinren  durften.  Ach,  wie  manch:  bedrängte
  Seele  Uägt  dahin  ih  rn  Kummer,  jetzt
doppelt  groß  and  doppelt  schwe  Und  Maria
hört  fi:  aut  Zur  seühen  Nachmittagsstunde
  fünne  sich-  schon  wieder  der  Saal  des
Huberschen  Gasthoses,  Ihre  Kgl.  Hoheit  Prinzesinn
  Arnuls  erschien,  die  unsere  Vorstandsdamen
  mit  einer  Ansprache  beehrlte,  und  dann
begann  eine  jener  Kundgebungen  des  lathol.
Frauenbundes,  die  stets  von  warmer  religiöser
Vegeisterung  getragen,  so  mächtig  auf  das  Gemüt
  wirken.  Ein  hübsches  Marienlied,  eine
herzliche  Begrüßung  und  dann  betrat  Dr.
chinger,  Stadtpfarrer  von  Pasing,  die  Rednerbühne.
  Das  Eiserne  Kreuz  auf  dem  Priestergewand,
  die  tiefergreifenden  Bilder  aus  dem
Kriegsleben  unserer  glaubensstarken  HOelden  und
die  erhabenen  Worte  über  das  Geiöbnis  der
lath.  Frauen  in  Altötling  machten  solchen  Eindruck
  auf  die  Anwesenden,  daß  die  meisten  .
Tränen  bewegt  waren.  Die  herrliche  Rede,
Glanzpunkt  der  Versammlung,  schloß  mit  “
patriotischen  Klängen  des  „beutschlond  über
alles".  Nur  zu  bald  mahule  die  vorgerückte
Jeit  zum  Aufbruch.  Noch  ein  inniger  idegruß
  der  Gnadenmuttier,  ein  letztes  Ape,  und
dam  gings  wieder  der  Heimat  zu.  J.  K.

——.

*

 

Karfreitagsfeier  in  München.  Die
vom  Rratell  der  evangelischen  Vereine  eingeleitete
  Propagando  zur  Herbeiführung  einer
Bestimmung,  wonach  der  Karfreitag  auch  in
München  ais  gesetzlicher  Feiertag  im  Sinne  der
Gewerbeordnung  zu  gelten  habe,  hat  eine  erfreuliche
  Unterstützung  auch  von  seiten  der  katholischen
  Mitbürger  gesunden.  Die  ausgegebeneu
  Listen  weisen  viele  Tausende  von  Unterschristen
  auf,  darunter  zahlreiche  Grohbetriebe
(Brauereien,  Baugeschäfte  usw.),  serner  viele
Behörden,  Beamten  sowie  Arbeiter  aller  Berusearten.
  Es  darf  daher  der  Wunsch  als  allgemein
  bezeichnet  werden,  daß  der  höchste  protestontische
  Festtag  gleich  dem  katholischen  Fronleichnamstag
  in  die  Reihe  der  gesetzlichen  Feiertage
  tritt.  Nürnberg,  Augsburg  und  Regensburg
  sind  in  dieser  Beziehung  längst  vorangegangen
  und  es  steht  zu  hoffen,  daß  auch  München
  schon  aus  praltischen  Gründen  sich  zu  einer
Aenderung  des  bestehenden  zustandes  entschließt.


Ius  dem  Gerichtssagie
Der  Prozeß  gegen  den  salschen
Bürgermeister.
Köolin.  16.  März.  Vor  dem  Schwurgericht
  fand  in  den  letzten  Tagen  die  Verhandlung

 

gegen  den  früheren  Kreisausschußassistenten
Heinrich  Thormann,  belannter  als  „Bürgermeister
  Dr.  Alexander“,  wegen  Betruges  in

mehreren  Fällen,  schwerer  Urlundenfälschung  in
einer  ganzen  Reihe  von  Fällen,  Führung  eines
falschen  Namens  und  ##n  Annahme  der
Doktorwürde,  slatt.  Die  D##pe#  geht  im
wesentlichen  dahin,  daß  er  sich  durch  falsche
Papiere  nach  und  nach  zur  Stellung  eines  Bürgermeisters
  in  Köslin  und  geichsfall  durch  Fälschungen
  Vermögensvorteile  verschafft  hat.
Thormann  ist  noch  verlältniomäßzig  jung,  er
murde  1885  zu  Osterrode  i.  O.  als  Sohn  des
Eisenbahnschlossers  Richard  Tcormann  geboren.
Er  ist  wegen  Betruges  bereils  einmal  und  zwar
mit  J(u00  Marl  Geldstrafe  vorbestraft.  Nach
seiner  Erziehung  im  Potsdamer  Militärwaisenhaus
  sand  er  bei  verschiedenen  Landratsämtern
in  Ostpreußen  Stellung,  wurde  1907  vom  Kommunalverband
  Niederbarnim  als  Schreiber  angestellt
  und  wußte  hier  das  Verlrauen  des  Landrats
  Graf  von  Rödem  zu  gewinnen,  sodaß  ihm
auch  wichtigere  Sachen  zur  Beaurbeitung  anvertraut
  wurden.  Schon  diese  Stelle  hatte  er
auf  Grund  eines  gefälschten  Berechtigungsscheines
  zum  Einjährig  freiwilligen-  Dienst  erlangt,
denn  er  hatte  niemals  ein  Gymnasium  besucht.

Da  sein  Einlommen  für.  seine  Bedürfnisse  nicht
ausreichte,  geriet  er  in  eine  Schuldenlast  hinein,
zu  deren  Deckung  er  Betrügereien  bei  Grundstücsankäufen
  des  Kreises  Niederbarnim  verübte.
  Er  wurde  entlassen  und  verschwand  nach
einiger  Zeit,  nachdem  er  von  der  Geldstrafe
von  4000  Mark  nur  50  Mark  abbezahlt  hatte.
Als  Dr.  jur.  Heinrich  Thormann  tauchte  er
Ende  1909  in  Schmargendorf  und  später  in
Neulölln  und  Brandenburg  als  juristischer  Hilfsarbeiter
  bei  den  Magistraten  wieder  auf.  Nach
seinen  Zeugnissen  hatte  er  den  Doktor  beider
Rechte  zummee  cum  laude  bestanden.  Als  Geburtsort
  gab  er  Königsberg  an.  Beinahe  hätte
ihn  in  Brandenburg  schon  das  Schicksal  ereilt,
da  man  in  dem  Hilfsarbeiter  Thormann  den
stedbrieflich  gesuchten  betrügerischen  Schreiber
aus  der  Verwaltung  des  Kreises  Niederbarnim
vermutete.  Er  wurde  auch  fesigenommen,  verfland
  aber,  die  Staatsanwaltschaft  zu  täuschen,
sodaß  diese  alsbald  seine  Entlassung  verfügt
hat.  Nunmehr  verschwand  Thormann  wieder
für  einige  Zeit,  um  nun  als  „Gerichtassessor
Dr.  Eduard  Alerander  aus  Berlin“  wieder  aufzutauchen.
  Er  bewarb  sich  um  die  Sielle  eines
juriflischen  Hilfsarbeiters.  in  Weißenfels  und
wurde  angestellt.  Von  hier  aus  richlete  er  nun
zahlreiche  Bewerbungsgesuche  an  verschiedene
Stadtoerwaltungen  und  trat  End:  1911  beim
Magistrat  in  Bromberg  ein.  Dort  rerlobte  er
sich  mit  der  Tochter  des  Eisenbahndirektionspräsidenten
  Gertrud  Pedell,  die  CEhe  iit  aber
inzwischen  gerichtlich  geschieden  worden.  Am  16.
September  1913  wurde  „Assessor  Dr.  Alerander“
  zum  Bürgermeister  in  Koslin  gewählt,
durch  Allerhöchsten  Erlaß  vom  29.  Oltober
1913  bestätigt  und  am  20.  November  1913
in  sein  Amt  eingesührt.  Alle  diese  Schwindeleien
  waren  nur  dadurch  möglich,  daß  nie  die
Originalzeugnisse  eingefordert  wurden.  Thormanmn
  ist  ein  kleiner,  schmächtiger,  recht  unscheinbar
  aussehender  Mann,  der  bedeutend  jünger
als  30  Jahre  aussieht.  Sein  äußeres  Auftreten
  ist  gauch,  leineswegs  gewandt,  sodaß  man
erstaunt  sein  muß,  wie  er  so  viele  Leute,  namentlich
  auch  in  höheren  Stellungen,  täuschen
lonnte.  Nach  vierstündiger  Beratung  bejahten
die  Geschworenen  fast  alle  Schuldfragen  unter
Verneinung  mildernder  Umstände.  Der  Staatsanwalt
  beantragte  eine  Gesamtstrase  von  acht
Jahren  Zuchthaus.  Der  Angeklagte  brach  bei
der  Verlesung  dieses  Strafantrages  in  die  gemeinsten
  Schimpfereien  gegen  den  Gerichtshof,
gegen  die  Zeugen,  den  Staatsanwalt  und  gegen
seine  eigenen  erteidiger  aus  und  *  alles
für  Schwindel  und  glatte  Bestechung.  Das  Ur.
teil  lautete  auf  10  Jahre  Zuchthaus  und  10
Jahre  Ehrverlust.

 

Eine  für  Wirte  und  Gäste  wichtige
Entscheidung  fällte  das  Landgericht  Düsseldorf.
  Der  Cafétier  Eduard  Germeshausen,
Café  Savoy,  Dusseldorf.  hatte  anstelle  von
coffeinfreiem  Kaffee  Hag  verdünnten,  cofseinhaltigen
  Kaffee  ausgeschänkt.  Er  wurde  deshalb
  wegen  unlauteren  Weilbewerbs  und  einer
Verletzung  des  Warenzeichengesetzes  zu  einer
Helorate  von  100  Mk.  und  zu  einer  Buße  von
50  Mt.,  zahlen  an  die  Nebenllägerin,  die
Kasfee,  hasdes-  Altiengesellschaft  Bremen,  verurteilt.
  Die  Köchin  Margarete  Beitel  ist  wegen
Beihilfe  mit  einer  Geldstrase  von  10  Mk.  belegt
  worden.  Außerdem  wurde  der  Nebenllägerin
  die  Publikationsbesugnis  auf  Koslen  des
Angellagten  zugesprochen.

Bücherschen.

Bayerisches  Staatskirchenrecht.
Von  Hochschulprofessor  Dr.  A.  Scharnagl  in
Freising.  (Staatsbürger-Bibliothek  Heit  35.)
M.Gladbach,  Volksvereins-Verlag.  Postfrei  45

fennig.  Das  vorliegende  Heft  der  Staalsbürger-
  Bibliothek  behandelt  das  Bayerische
Staatslirchenrecht,  d.  h.  die  Gesamtheit  der  im
Königreich  Bayern  erlassenen  staatlichen  Bestimmungen
  über  kirchliche  Angelegenheiten.
Der  Verfasser  hat  es  als  seine  Aufgabe  betrachtet,
  lediglich  das  geltende  Rechit  darzustellen,
ohne  Krilil  zu  üben.  Besonderes  Genicht  wurde
auf  die  Darstellung  der  praktischen  Fragen  gelegt,
  z.  B.  Glaubenowahl,  religiöse  Kindecchiehun,
  Wahl  der  Kirch  enverwaltungen,  Kirchenumlagen,
  protestantische  Kirchensteuer  usw.
Anhangsuriise  wird  die  vielerörterte  Sltellung
der  freireligiösen  Gemeinden  besprochen,  eine
Beilage  bringt  das  Religionsedill  und  das
Komordat  im  Wortlaut.  Ein  gules  Sachregister
  erleichtert  die  Benutzung.

Ans  dem  Bezieksas  #eblalle.

Belreff:  Sammlung  von  Altmelall.

Kupfer,  Zinn,  Messing,  Blei,  Zink  und  Alu--minium
  sind  in  jetziger  Jeit  füt  Heereszwece
ungemein  notwendig.  Nun  haben  aber  unsere
Gegner  die  Zufuhr  dieser  Metalle  aus  dem
Auslande  volllommen  abgeschnitten.  Deshalb
ist  es  im  Interesse  der  Heeresversorgung  erwünscht,
  daß  allerorts  die  Bestände  von  Altmetall,
  die  sich  besonders  am  Lande  in  fast
iedem  Hause  vorfinden,  gesammelt  und  dem
K.  Hauptlaboratorium  in  Zugolstadt  zur  Verfügung
  gestellt  werden.

Es  soll  deshalb  auch  in  unserem  Amtsbezirk
eine  Sammlung  von  Rupfer,  Jinn,  Messing,
Blei,  Zink,  Aluminium  (aber  nicht  Alteisen)
vorgenommen  werden.  Di:  Ansführung  derselben
  ist  in  folgender  Wei##  gedacht:  In  den
nächsten  Tagen  #ke.  u.  M#  a  jede  Gemeindeverwaltung
  ein  Palet  Flugschriften,  eine  Aufforderung
  zur  Hergabe  von  Altmetall  enthaltend.

Die  Flugschriften  sollen  durch  Schullinder  in
den  einzelnen  Haushaltungen  verteilt  werden.

Ferner  ist  ein  verschließbarer  Raum  —  am
besten  im  Schulhause  zur  Aufnahme  der
gegebenen  Gegenstände  bereit  Ju  stellen.

Bei  der  nun  beginnenden  Sammlung  wird
besonders  auf  die  Mitarbeit  unserer  Schuljugend
  gerechnet,  welche  die  Aufgabe  zugewiesen
erhält,  auf  ihrem  Schulwege  die  gespendeten
Sachen  der  eigenen  oder  Nachbarsfamilie  mitzunehmen
  und  in  der  Schule  abzuliefern.  Es
sindet  sich  wohl  auch  Gelegenheit,  schwerere  Gegenstände
  durch  Wagen  an  die  Sammesstelle
schaffen  zu  lassen.

Da  von  der  hingebenden  Mitwirkung  mier
so  patriotisch  fühlenden  Jugend  der  Erfolg  de
Sammlung  abhängt,  richte  ich  an  die  K.  LPv—
lalschulinspektionen  die  Bilte,  die  Kinder  über
den  hohen  valerländischen  Wert  dieser  Sammlung
  aufzuklären  und  ihr  Interesse  an  derselben
wachzurufen.

Ende  März  wird  die  Sammlung  beendet.
Nach  Abschluß  der  Sammlung  haben  die  Gemeindebehörden
  anher  zu  beriten.  welchen
Rauminhalt  (Kubilmeter)  die  gegebenen  Metallsachen
  schätzungsweise  haben.  Ueber  die  Anlieferung
  nach  Rosenheim-Bahnhof  wird  Ibater
näheres  bestimmt  werden.  Es  ist  aber  zw
mäßig,  wenn  zugleich  mit  dem  Ergebnis  der
Sammlung  die  kürzeste  und  billigste  Art  der
Anlieferung  nach  hier  angegeben  mird.

Der  Reinertrag  der  Sammlung  wird  zur
Unterstützung  notleidender  Kriegerfamilien,  vor
allem  der  notleidenden  Hinterbliebenen  gefallener
  oder  an  Krankheiten  gestorbener  Kriegsteilnehmer
  verwendet.  Das  geradezu  glänzende
Ergebnis  der  im  Amtsbezirk  veranstalteten
Reichswollwoche  hat  bewiesen,  daß  unter  den
Bezirksangehörigen  eine  große  Gebefrendigkeit
herrscht  und  vbaß  derartige  Veranstaltungen  geradezu
  einem  Bedürfnisse  der  Bevölkerung  entgegenkommen;
  es  hat  aber  auch  gezeigt,  daß
der  Aufruf  an  diejenigen  Behörden  uno  Einzelpersonen,
  welche  in  erster  Linie  für  die  Durchführung
  solcher  Veranstaltungen  zu  sorgen  berufen
  sind,  ein  freundliches  Ohr  gefunden  n
Es  ist  daher  sicher  zu  hoffen,  daß  auch  das  Er
gebnis  der  Wetallsammiung.  welche  an  Wie  *#
leit  der  Wollsammlung  eintwepe  X

 

 

ein  sehr  erfreuliches  sein  wird.  El-  aige  Anfragen
  über  Einzelheiten  ersuche  die
im,

atsomuristle  Nesenheien-en
iu  richten.