99 I. Abschnitt. Das Verkehrswesen im allgemeinen.
keit der Beförderung läßt indes diese Schwächen zurücktreten. Der
Kabelverkehr ist durch seine viel höheren Anlage- und Unterhaltungskosten
im Nachteil gegenüber dem Telegraphen auf dem Lande. Der
Nachteil wird aber überwogen dadurch, daß ein elektrischer Nachrichtenverkehr
mit Hilfe von Drahtleitungen über die Meere hın ın anderer
Weise als durch Kabel nicht zu ermöglichen ıst.
Bezwecken Briefpost, 'Telegraphie und der Hauptteil des Kabelverkehrs
die Beförderung geschriebener Nachrichten, so ist die Aufgabe
des Fernsprechers die Beförderung gesprochener Nachrichten. Es ist
klar, daß unter den vorhandenen Nachrichtenbeförderungsmitteln der
Fernsprecher dem Bedürfnisse nach schnellster Überwindung der
räumlichen Entfernung am besten Rechnung trägt. Er hebt die räumliche
Entfernung zwischen den beiden miteinander verbundenen Personen
vollständig auf, insoweit es sich darum handelt, sich gegenseitig hörbar
zu machen. Würde es möglich sein, den Fernsprechbetrieb auf jede
beliebige Entfernung hin in vollkommener Weise durchzuführen, so würde
es des Telegrapben in vielen Beziehungen nicht mehr bedürfen, und
wirtschaftlich wäre das durchaus wünschenswert. Denn der Fernsprecher
ist wesentlich billiger herzustellen und zu unterhalten als der Telegraph
und verlangt erheblich weniger besonders vorgebildete Beamte, da die
eigentliche Übermittelung der Nachricht durch die Bevölkerung selbst
vorgenommen wird. Bis jetzt ist eine vollständige Unabhängigkeit des
Fernsprechers von der Entfernung noch nicht erreicht, wenngleich
schon auf sehr langen Strecken eın Sprechbetrieb hat ermöglicht werden
können. Die Entwickelung ist in dieser Hinsicht ohne Frage noch
nicht abgeschlossen. Eine weitere Schwäche des Fernsprechers liegt
darin, daß sich noch mancherlei Störungen und Unzuträglichkeiten
während des Sprechens geltend machen, die zu beseitigen voraussichtlich
noch gelingen wird. Über kürzere Seestrecken ist auch durch
Kabel ein Sprechverkehr ermöglicht worden.
Sowohl Telegraphen und Kabel, als auch Fernsprecher bedürfen
der Drahtleitung zur Nachrichtenbeförderung. Das neuerdings schnell
entwickelte Funkspruchwesen ist von der Drahbtleitung ganz unabhängig.
Es bedient sich der HErTzschen Wellen und bedarf nur der Aussendeund
Aufnahmestellen. Seine Leistungsfähigkeit ist verhältnismäßig
sroß und hat sich schon auf weite Entfernungen hin betätigt. Das Funkspruchwesen
ist zwar an sich auch zur Übermittelung gesprochener Nachrichten
verwendbar, seine Hauptleistungen liegen aber bis jetzt in der
Beförderung geschriebener Nachrichten. Hierfür ist es eine wertvolle
Ergänzung des Drahtnachrichtenwesens und diesem wegen der Unabhängigkeit
von Drabtleitungen und der damit zusammenbängenden geringen
Anlage- und Unterhaltungskosten sogar überlegen. Aber durch
das Fehlen der Drahtleitung ist das Einflußgebiet äußerer Störungen