262 Neuere oberſtrichterlihe Erkenntniſſe.
nur die, daß der Geſebgeber ſich mit dieſem Rechts,
verhältniſſe nicht habe befaſſen wollen. Für Anwendung
einer aus8dehnenden Auslegung mangele es
dann an der erſten Vorausſeßung, -nämlich an der
Unbeſtimmtheit oder Unrichtigkeit de8 Ausdruks
und einer dadurch bewirkten Mangelhaftigkeit des
Geſees. Hätte alſo der Geſeßgeber den Inhabern
der Privatpatronate die Baupflicht im gleichen Umfang
auflegen wollen wie den Klöſtern u. ſ. w. oder
wie der markgräſlichen Regierung, dann würde er
derten ebenſo erwähnt haben, wie der Klöſter
u. ſ. w.
In Ziff. 4 des Gen.-Art. VII ferner, wo von
der markgräflichen Baupflicht die Rede, ſei dieſe
klar auf jene Orte beſchränkt, wo der Markgraf
außer ſeinen Stift und Klöſtern ſonſt das jus Patronatus
habe. Dieſer klare Ausdruc>k ſchließe jede
Interpretation in dem Sinne aus, daß der Markgraf
auch da, wo nicht er ſondern ein Anderer
das Patronat habe, die Baulaſt zu übernehmen ſich
habe verpflichten wollen. =- Inſofern eine Geſeßesverlekung
darin gefunden werden ſolle, daß der Berufungsrichter
erachtete, e8 finde der Gen.-Art. VI
- der Conſiſt. -O, auf erſt nach d, I. 1594 gemachte
Erwerbungen keine Anwendung, ſei
die aufgeſtellte Anſicht, nac<ß Ziff. 4 a. a. O. habe
der Markgraf ohne RüEſicht auf die Zeit der Erwerbung
eines Patronates und auf - deſſen rechtli<en
Charakter die Baupflicht in der beanſpruchten
Ausdehnung auf ſich genommen, irrig, wie bereits
in oberſtrichterlichen Urtheilen v. 44. Mai 1855 in
Sache Entmannbberg ce. Fi8ku8 und v, 7. März
41864 in Sache Sc<hnabelwaid &. Fißku8s, Baulaſt
betr. , erörtert worden ſei. .
Der Wortlaut jener Ziff. 4: ,,Wo aber Wir
--- das jus Patronatus haben --“ laſſe nicht
zweifelhaft, daß der Markgraf ſeine Baupflicht hin: