Metadaten : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Reichsfiskal  —  Reichsstädte.

ward  24.  März  vom  Reichstag  und  27.
April  vom  Kaljer  genehmigt.  Indem  er
zur  Entschädigung  der  weltlichen  Fürsten,
welche  Gebiete  auf  dem  linken  Rheinufer
besessen  hatten,  teils  die  geistlichen  Fürsten
und  Körperschaften  (außer  dem  Kurfürsten-Erzkanzler
  und  dem  Deutschen
und  dem  Johanniterorden)  säkularisierte,
teils  die  Reichsritterschaft  und  die  Reichsstädte
  (bis  auf  sechs)  mediatisierte,  führte
er  die  Auflösung  des  Reichs  herbei.  Näheres
  s.  Deutsches  Reich,  S.  90.

Reichssiskal,  s.  Reichshofrat.

Rei  freihelt,  s.  Reichsunmittelbarkeit.


Reichsfürsten,  im  alten  Deutschen
Reich  die  Mitglieder  des  Fürstenstands,
früher  bloß  die  wirklichen  Inhaber  von
Reichsfürstentümern:  Herzöge,  Pfalz-,
Land-,  Mark=  und  Burggrafen,  dann  die
Erzbischöfe  und  fast  alle  Bischöfe,  einige
Abte  und  Abtisfinnen.  Seit  Rudolf  II.
(1580)  gab  es  auch  bloße  Titularfürsten,
welche  weder  Sitz  noch  Stimme  im  Reichsfürstenrat
  hatten  und  den  alt  fürstlichen
Häusern  im  Rang  nachstanden.

Reichshofen,  Stadt  im  Unterelsaß,
Kreis  Hagenau,  nach  der  die  Franzosen
die  Schlacht  bei  Wörth  (s.  d.)  benennen.

Reichshofrat,  im  alten  Deutschen  Reich
neben  dem  Reichskammergericht  der  höchste
Gerichtshof,  welcher  von  Maximilian  1.
1501  zunächst  für  die  österreichischen  Erblande
  errichtet  und  im  Westfälischen  Frieden
  als  zweites  oberstes  Reichsgericht  anerkannt
  wurde.  Er  bestand  aus  einem
Präsidenten,  Vizepräfbenten  und  18  Räten,
  darunter  6  evangelische,  welche  alle
vom  Kaiser  ernannt  und  besoldet  wurden.
  Er  teilte  sich  in  eine  Herren=  und
Gelehrtenbank.  Der  von  Kurmainz  ernannte
  Reichsvizekanzler  hatte  Sitz  und
Stimme  darin  nach  dem  Präsidenten.
Der  vom  Kaiser  gleichfalls  ernannte  öffentliche
  Ankläger  hieß  Reichsfiskal.  Zuleich
  war  der  R.  oberstes  Regierungsollegium
  und  löste  sich  bei  jedem  Regierungswechsel
  auf,  um  vom  folgenden
Wier  neu  gebildet  zu  werden.  Sein
ständiger  Sitz  war  in  Wien.
bSike  #insignien,  s.  Reichskleinoien.



361

Reichskammergericht,  im  alten  Deutschen
  Reich  neben  dem  Reichshofrat  (s.  d.)
das  höchste  Gericht,  wurde  1495  von  Maximilian
  I.  eingesetzt  und  bestand  aus  einem
vom  Kaiser  ernannten  Kammerrichter
Forhlicher  oder  gräflicher  Abkunft,  zwei

räsidenten  und  Beisitzern,  deren  Zahl
uletzt  auf  25  festgesetzt  war.  Es  hatte
seinen  Sit  anfangs  zu  Frankfurt  a.  M.,
seit  1497  in  Worms,  dann  in  Speier,  seit
1689  in  Wetzlar.  Es  urteilte  über  alle
Rechtssachen  der  Reichsunmittelbaren  und
war  zugleich  höchste  Instanz  für  die  Reichsmittelbaren,
  jedoch  nur  in  Zivilsachen.
Manche  Reichsstände  waren  durch  das
Recht  de  non  appellando  seiner  Jurisdiktion
  entzogen.  Die  Weitläufigkeit  des
Verfahrenz  Katie  eine  Langsamkeit  des
Gerichtsgangs  zur  Folge,  die  sprichwörtlich
  geworden  ist.  Mit  dem  Untergang
des  Reichs  hörte  das  R.  1806  auf.  Die
Kammergerichtsordnungen  von  1495  und
1555  und  der  Entwurf  einer  solchen  von
1613  sind  für  die  Entwickelung  des  deutschen
  Zivilprozesses  wichtig.

Reichskleinodien  (Reichsinsignien),
  der  Krönungsschmuck  der  alten
deutschen  Kaiser  und  Könige:  die  goldne
Krone,  das  vergoldete  Zepter,  der  goldne
Reichsapfel,  das  Schwert  Karls  d.  Gr.,
das  des  heil.  Moris,  die  vergoldeten  Sporen,
  die  Dalmatika  (langer  Hnungsmantel)
  und  andre  Kleidungsstücke.  Sie
wurden  seit  1424  in  Nürnberg,  teils  auch
in  Aachen  aufbewahrt  und  1797  nach  Wien

geschafft.
Reichsmatrikel,  das  Verzeichnis  aller
Reichsstände  mit  Angabe  ihrer  Beiträge
zu  den  Reichsbedürfnissen.  An  ihre  Stelle
trat  1815  die  Bundesmatrikel.  Die  im
Norddeutschen  Bund  und  später  im  Deutschen
  Reich  eingeführten  Matrikularbeiträge
  sind  die  zu  den  gemeinsamen
Bedürfnissen  von  den  Bundesgenossen
nach  Maßgabe  der  Bevölkerungszahl  beizusteuernden
  Geldsummen.
Keichsritterschaft,  s.  Reichsadel.
Reichsstädte,  im  ehemaligen  Deutschen
Reich  die  Städte,  welche  unmittelbar  unter
Kaiser  und  Reich  standen,  Landeshoheit
in  ihrem  Gebiet  und  Sitz  und  Stimme

auf  dem  Reichstag  hatten.  Zuerst  führ-