Inhaltsverzeichnis : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

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Geheimtelegramm  des  Gexandten  in  Bukarest.
9.  August  1916:  Nr.  493.

Dringend.  Streng  geheim.

Erhielt  Ihr  Telegramm  Nr.  3470.

Die  hiesigen  Vertreter  der  Verbandsmächte,  welchen  ich  die  in  dem  olen
erwähnten  Telegramm  enthaltenen  Instruktionen  Euer  Exzellenz  bekannt  gab,
haben  erklärt,  daß  der  allgemeine  Sinn  der  ihnen  erteilten  Anweisungen  ihnen
erlaubt,  nicht  nur  den  von  uns  jetzt  vorgeschlagenen  Text  des  politischen  Abkommens
  gegenüber  Bratianu  zu  unterstützen,  sundern  auch  das  Abkommen
selbst  zu  unterzeichnen.  Infolgedessen  habe  ich  im  Einverständnis  mit  meinen
Kollegen  heute  diesen  Texı  Bratiana  mitgeteilt  und  entsprechend  der  Anweisung
  Euer  Exzellenz  seinen  endgültigen  Charakter  betont.  Nachdem  Bratianu
das  von  mir  überreichte  Memorandum  durchgelesen  hatte,  geriet  er  in  eine  gedrückte
  Stimmung  und  erklärte,  daß  der  Punkt  5  unseres  Entwurfes  ihın  keine
Hoffnung  auf  die  vollständige  Verwirklichung  der  rumänischen  territorialen
Wünsche  gebe,  um  derentwillen  Rumänien  bereit  sei,  den  Krieg  zu  erklären.
Ihm  schwebt  der  Gedanke  vor,  daß  infolge  des  rumänischen  Eingreifens  Ungarn
um  Frieden  bitten  wird  und  die  Verbündeten  im  allecimeinen  Interesse  auf  einen
solchen  Frieden  eingehen  werden,  wobei  Rumänien  nur  ein  Stückchen  desjenigeu
Gebietes  erhalten  würde,  welches  es  mit  sich  zu  vereinieen  wünscht.

In  seinen  weiteren  Ausführungen  salı  Bratianu  schon  das  völlige  Scheitern
des  so  lange  von  ihm  vorkereiteten  Planes  und  sprach  die  Absicht  aus,  sein
Rücktrittsgesuch  einzureichen  und  sich  vollständig  von  der  Politik  zurückzuziehen.


gez.  Poklewski.
(Prawda  vom  81.  Januar  1918.)

Geheimtelegramm  des  Botschaftersin  Paris.
12.  August  1916.  Nr.  577.

Der  französische  Gesandte  telegraphiert  aus  Bukarest,  daß  Bratianu  gegen
anseren  Vorbehalt  zu  855  des  Entwurfs  für  die  Verständigung  Einwendungen
macht;  er  erklärt,  daß  ohne  absolute  Garantie  es  ihm  nieht  gelingen  werde,  den
König  und  die  öffentliche  Meinung  mit  sich  fortzwreißen  und  daß  er  sein  Rücktrittsgesuch
  einreichen  müsse.  Bratianu  bemerkte  dabei,  daß  Ssasonow  anf
einem  derartigen  Vorbehalt  nieht  bestanden  habe  und  gab  zu  verstehen,  daß  eı
hier  einen  Hiniergedanken  von  unserer  Seite  argwöhne.  Nach  Meinung  des
französischen  Gesandten  ist  Bratianu  besonders  in  Sorge  über  die  Möglichkeit
eines  Sonderfriedens  zwischen  den:  Verbande  und  Ungarn.  Briand  telegraphiert
an  Paleologüe,  daB  er  seinerseits  nicht  darauf  bestehe,  den  erwähnten  Vorbehalt
aufrechtzuerhalten,  da  er  fiberzeugt  sei.  daß  die  Verhandsmächte  im  Falle  eines
vollen  Sieges  ihre  Versprechungen  gegenüber  Rumänien  natürlich  erfüllen  wer-