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Reuchlin nahm sich der Sache an, theils weil er in kabbalistischen
Ideen steckte, theils weil er wußte, wie viel aus jenen
Buͤchern in Absicht der Aufklaͤrung der Bibel gelernt werden
koͤnne. Es entstand Prozeß zwischen ihm und den Dominikanern,
und er gewann den Prozeß. Das mußte Luthern
und seiner Partei großen Muth geben, daß ein Mann über
einen großen Orden gesiegt hatte.
Die Dominikaner harten in diesem Streite mit Reuchlin
fast ihre Ehre und Reputation eingebuͤßt, besonders da einer
der trefflichsten Koͤpfe des damaligen Zeitalters, Ulrich von
Hurten, vielleicht ein noch größeres Genie, als Erasmus,
ein paar kleine Duodez-Bändchen schrieb, unter dem Titel:
Epistolac obscurorum virorum, worin er den ganzen Streit
zwischen den Dominikanern und dem Reuchlin
darstellt. Es sind Briefe, wie sie ungefähr die Dominikaner
schreiben mochten, Briefe, wodurch sie in das lächerlichste Licht
gestellt wurden; daher dieselben auch bald durch Einwirkung
der Dominikaner verboten wurden. Aber vielleicht hätte man
der Mönche nur bloß gespottet, und — diese härten
über sich spotten lassen, und sich ferner weidlich gemästet. Es ist
also sehr parteiisch geurtheilt, wenn man annimmt, Luthers Partei
habe etwa nur so gewirkt, wie eine letzte Medizin, die man
braucht, um die Kur dek Krankheit zu vollenden, und der ma nl
dann die ganze bewirkte Besserung zuschreibt.
Nein, erst seine Bemühung war es, die nicht nur in der Theologie
völlig von Grund aus resormirte, sondern auch in der Religion.
Durch ihn sind die wirksamsten moralischen Wahrheiten mit einem
Male unter dem Volke in eine Circulation gekommen, von der
man in allen vorhergehenden Jahrhunderten nichts wußte. Erst
Luther verdient mit Recht den ehrwördigen
Namen eines Reformators.