842 Bewekslast und Beweisinkerlokut bel Rechtsvermuthungen.
selbst hast ja diesen Schein im vorigen Monat zerrissen
und kannst folglich nichts mehr fordern,“ —
und hätte dann der Kläger replizirt: „Die Vernichtung
des Scheines muß ich in Abrede stellen, ich
beharre daher auf meiner Forderung,“ — so müßte
freilich auf den Beweis der Vernichtung des Schuldscheines
und nicht auf den der Zahlung, interloquirt
werden: denn hier haben beide Theile auf die Rechtsvermuthung
kompromittirt, diese hat daher die Natur
einer Vermuthung ganz abgelegt und erscheint folglich
nicht mehr als Beweismittel, sondern als rechtserzeugende
Thatsache. Wenn aber der Kläger gesagt
hätte: „Der Schuldschein ist nicht vernichtet
worden, angenommen jedoch, er wäre es, so wurde
die Schuld voch nicht bezahlt, was ich seiner Zeit
beweisen werde“, — so müßte doch wieder dem
Beklagten der Beweis der Zahlung aufgelegt werden,
weil ja dann nicht beide Theile Gewinn oder
Verlust des Prozesses vom Beweis der Rechtövermuthung
abhängig gemacht hätten :). — Hätte
2) Der Elnwurf, dem Beklagten werde hier Etwas zum
Bewelse aufgegeben, was er gar nicht behauptet hatte,
verschwindet, wenn man erwägt, daß es nicht darauf
ankommt, was er behauptet hat, sondern darauf, was
er hätte behaupten sollen. Der Beklagte hätte nehmllch
sagen sollen: Der Scheln ist vernichtet. Folglich
ist die Schuld bezahlt. Da er das nicht gethan
hat, so hat der Kläger statt selner die fehlende Schlußfolgerung
gezogen, ste dann mit Widerspruch belegt.
Er replizirt nehmllch in folgender Welse: „Dubehauptest
dle Vernichtung des Scheins, und hättest daraus
auf die Bezahlung der Schuld schlleßen sollen, der
Schein ist aber nicht vernichtet worden, und selbst
angenommen, er wäre es, so ist die Schuld doch nicht
bezahlt worden.“ Duplizirt nun der Beklagte: „Ich
beharre auf melner Behauptung, daß der Schein vernichtet
worden ist, läugne aber, daß die Schuld ulcht
bezahlt worden ist“, so liegt in dleser Negation die