Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

254

gerüsiet,  wenn  sich  etwa  ungefähr  ein  Feind  zeigen  sollte
Rirter  und  Vasallen,  sobald  es  gesodert  wurde,  saßen  zu
Perd.  Es  fehlec  weder  an  Harnisch  noch  Spießen,  noch
Feuerröhren,  und  auch  an  wohlversuchten,  wegkundigen
Knechten  durfte  kein  Mangel  seyn.  Schon  Herzog  Julius
sah  darauf,  daß,  wenn  bei  Landgerichten  die  Bürgerschaft
gemusiert  wurde,  jeder  sein  taugliches  langes  Feuerrohr  habe,
  von  der  schönen  Art,  wie  sie  der  Herzog  in  einer  eigo
nen  Fabrik  zu  Gittelde  schmieden  ließ  *).  Er  schlug  selbst
manche  kleine  Tonne  voll  Feuersteine  98)  und  sein  Zeughaus
in  Wolfenbüttel  war  viel  trefflicher  versehen,  als  selbst  zur
Zeit  seines  kriegerisches  Vaters  Henrich,  aber  jene  Muüs
rung  geschah  wohl  etwa  des  Jahrs  nur  einmal,  man  untersuchte
  das  Gewehr,  ob  vielleicht  etwa  künftighin  daraus
geschossen  werden  könnte,  und  gewöhnlich  erst,  wenn  ein
Feind  drohte,  kam  ein  Befehl,  mit  Kraut  und  Loth  sich
bereit  zu  halten.  *
Diese  Art  einer  immer  gerüsteten  Selbstvertheidigung,
die  zugleich  auch  dem  Bürger  und  Landmann  für  alle  Ve
hältnisse  seincs  Lebens  einiges  muthvollere  Bewußtseyn  gab,
war  bei  vorübergehenden  Bedürfnissen  immer  hinreichend,
und  man  warb  im  Nothfall  höchstens  einige  hundert  Land“
knechte  hinzu,  denn  viel  geworbene  Landsknechte  mochtt
man  nicht  haben,  weil  es  ein  loses  Volk  war.  Aber  schen
1598  brach  ein  Feind  ein,  gegen  den  die  gewöhnliche  Hüsst
kaum  schützen  kennte.  Ein  Spanisches  Näuberheer  fiel  aus
den  Niederlanden  her  in  Wesiphalen  ein,  und  alle  die

*)  S.  das  Ercerpt  aus  Algermann  keben  Herz.  Julius  bei  Rehlw.
S.  959.

*%%  S.  l.  c.  S.  1070.