Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Rosenheimer  Anzeiger

 

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Nummer  28  1  —  ——

 

 

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Rosenheimer  Tagblat

Amtsliches  Publikations-Organ

Freitag,  4  Febrnar  1916

Frotstantisch:  Veronika

 

L#2.  Jrbr

Die  Entführung  des  ugl.  Dampfers  „Appam  durcheindeutsches  Kriegöschif

Der  Luftangriff  auf  England.  —  Amenka  und  die  Kriegfährenden.  —  Versenkte  feindliche  Lampfer.  —  Der  Ministerwechsel
in  Rußland.  —  Der  Krieg  in  Kamerun.  —  Auf  dem  Vormarsch  auf  Durazzo:  Der  Mati-Fluß  überschritten.  —  Die  Verheerungen
  durch  den  Luftangriff  auf  Saloniki.  —  Ein  gekaperter  dentscher  Dampfer  wieder  gewonnen.

Die  Kriesslage.

WN  Großes  Hauptquartier,  den

3.  Febr.,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz.

In  Flandern  antwortete  die  gegnerische  Artillerie
  lebhaft  auf  unsere  in  breiter  Front
durchgeführte  Beschießung  der  feindlichen  Stellungen.


Nordwestlich  von  Hulluch  besetzten  wir  zwei
vor  unserer  Front  ron  dem  Gegner  gesprengte
Trichter.

In  der  Gegend  von  Neuville  steigerte  der
Feind  in  den  Nachmitlagsstunden  sein  Artillerieseuer
  zu  KFrößter  Hestigkeit.
52  wiuch  an  anderen  Stellen  der  Front  entwik.
erlien  sich  lebhafte  Artillerie-,  in  den  Argonnen
Handgranatenkämpfe.

Unsere  Flieger  schossen  ein  englisches  und
ein  französisches  Kampfflugzeug  in  der  Gegend
von  Peronne  ab;  drei  der  Insassen  sind  tot,

der  französische  Beobachter  ist  schwer  verwundet.

Russischer  Kriegsschauplan.
und
Balkan-Kriegsschauplatz.

Die  Lage  ist  im  allgemeinen  unverändert.
berste  Hceresleitung.
III

Der  amtliche  österreichische  Bericht.

WITB.  Wien,  2.  Febr.  Amtlich  wird  gemeldet:


Russischer  Kriegsschauplatz.

Vor  der  Brücdenschanze  nordwestlich  von  Uscieszlo
  wurde  der  Feind  durch  Minenangriffe
zum  Verlassen  seiner  vordersten  Gräben  gezwungen.


An  anderen  Stellen  der  Nordostfront  fanden
Patronillenkämpfe  slatt.

Italienischer  Kriegsschauplatz.

Im  Sugana-Tale  wurden  westlich  von  Roncegno
  mehrere  Angriffe  eines  italienischen  Bataillons
  abgewiesen.

Am  Hange  des  Col  di  Lana  wurde  eine  feindliche
  Sappenstellung  im  Handgemenge  genommen
  und  gesprengt.

An  der  IJsonzo-Front  Geschützkämpfe.

Südöstlicher  Kriegsschauplatz.

In  Albanien  gewannen  unsere  Vortruppen
ohne  Kampf  das  Südufer  des  Mati--Flusses.

In  Montenegro  volle  Ruhe;  keinc  besonderen
Ereignisse.

Der  Stellvertreter  des  Chef#  des  Generalstabs:
.  v.  Höfer,  Feldmarschalleutnant.
**  1  r□  r□J
Der  Vormarsch  auf  Durazzo  nimmt  also  seinen
  Fortgang.  Der  Mati-Fluß  mündet  sudlich
  von  Alessio  in  das  Meer;  er  fließt  zwischen
  Alessio  und  Durazzo,  etwa  zwei  Drittel
des  Ma  Turazia.

 

Cuf'schiffangriff  auf  Cugland.

London,  1.  Febr.  (Meldung  des  Reuterschen
  Burcaus.)  Wie  amtlich  mitgeteilt  wird,
war  der  Luftangriff  der  leyzten  Nacht  in  größerem
  Maßstabe  unternommen.  Die  Anugreiser
scheinen  jedoch  durch  den  dichten  Nebel  behindert
worden  zu  sein.  Nachdem  die  Zeppeline  die
Küste  überflogen  hatten,  nahmen  sie  ihren  Kurs
in  verschiedenen  Richtungen  und  ließen  auf  einige
  Städte  und  ländliche  Bezirle  von  Derbyshire,
  Leicestershire,  Lincoluslrire  und  Staifordshire
  Bomben  fallen.  Es  wmurde  einiger  Sachschaden
  (1)  angerichtel.  Bieher  wurden  54  getötete
  und  67  vermundele  Personen  feutgesiellt.
(Z.)  Mienig  genug  ist  es.  was  die  Engländer
  von  der  Wirkung  des  Luftangrifses  mil.
teilen.  Die  Wahrheit  wird  schon  noch  durch
dringen.

Ein  deutsches  Keiegssolff
im  Allandischen  Dzean.

 

Newport  Newco,  2.  Febr.  (Reuter.)  Das
deutsche  Kriegeschiff,  dar  den  Danpser  „A#

pam“  aufbrachte,  und  mit  einer  Prisenmannschaft
  versah,  soll  den  Namen  „Moere“  gefuhrt
haben.  Es  hatte  vor  Auibringung  der  „Ayn
pam“  folgende  britische  Dampfer  verseni:  „Arthur
  Corbritge“,  „Arindne“.  „Dro  monby',

„Farringtonford“  und  „Clan  Mactaovish“.  Aui
der  „Appam“  wehte  die  deutsche  Kriegeslagge.
Man  glaubt,  daß  die  deutsche  Mannschaft  sich
lieber  internieren  lassen  wird,  als  Gefahr  lau
dsen,  bei  der  Wiederabfahrt  aufgebracht  und  ge
sangen  genommen  zu  werden.  Der  rechiliche
Charakter  der  „Appam“  wird  von  den  Behörden
in  Washington  geprüft.  Die  „Associaled  Preß“
teilt  berichtigend  mit:  Im  ganzen  wurden  von
dem  deutschen  Kriegsfahrzeug  sieben  Dampfer
versenkt;  die  erie  Meldung  sprach  nur  ron
ins.

Nach  einer  Reutermeldung  wird  aus  New
port  News  gemeldet,  daß  sich  451  Personen
an  Bord  des  „Appam“  befanden,  darunter  138
Ueberlebende  der  sieben  Dampfer,  die  von  den
Deutschen  zum  Sinken  gebracht  worden  waren,
ferner  20  deutsche  Bürger  und  Kriegsgefangene
aus  Kamerun  und  eine  Prisenbesatzung  von  22
Mann.  Ofsenbar  wurde  der  „Appam“  vier
Tage  nach  seiner  Ausreise,  ohne  Widerstand
geleistet  zu  haben,  erbeutel,  nachdem  ein  Schuß
über  die  Brücke  des  Dampfers  abgefeuert  worden
  war.  Nachdem  eine  Prisenbesagung  an  Bord
gebracht  worden  war,  begann  das  deutsche
Schiff,  ein  britisches,  mit  Fleisch  aus  Australien
beladenes  Schiff  zu  versolgen.  Dieses  bot  Wi.
derstand  und  wurde  in  den  Grund  gebohrt.

London,  2.  Febr.  Newyorker  Blätier  mel!
den,  daß  die  „Appam“  von  der  deutschen  bewaffneten
  Avisojacht  „Möve“  erbeutet  wurde.
Amtliche  Personen  in  Washington  verneinen,
daß  der  Befehl  erteilt  wurde,  das  Schiff  zu
internieren.  Sie  sind  sehr  unsicher,  was  mit
dem  Schiff  geschehen  soll.  Der  britische  Botschafter
  ersuchte  um  eine  Unterredung  mit  dem
Staatssekretär  Lansing.  Die  „Möve“  soll  die
britische  Flagge  geführt.  aber,  als  sie  sich  der

„Appam“  näberte,  die  deutsche  Kriegsflagge
zel.  inzt  und  ihre  beur  c#aliche  Verschanzung  umge

 

llappt  haben,  worauf  die  Bewaffnung  sichtbar
wurde.  Sie  soll  in  der  Nordsee  unter  schwedischer
  Flagge  gekreuzt  haben.  Als  „Appam“
der  Küste  von  Virginien  entlang  fahren  mußte,
nahm  sie  einen  Lotsen  an  Bord  und  antwortete
auf  eine  Anfrage  vom  Fort  Monroc,  es  sei  ein
deutscher  Krenzer  nach  Buffalo  unterwegs.  Das
Schiff  führt  nur  eine  einzige  Dreizollkanone  am
Vorderteil.
·  r—  □P

England  munz  nacheinander  mei  dicke  Pillen
schluden.  Ein  Lufigeschmader  beichießt  seine  wichligsten
  Indusrrieplätze  und  gieich  darauf  erfähm
die  Welt,  das  ein  deutsches  Kriegsfahrzeug
es  jetzt  noch  fertig  gebracht  hat,  der  „unbeschränkten
  englischen  Seeherrschaft"  zu  trotzen
und  auf  holler  Sec  feindliche  Schiffe  zu  versenkten.
  Noch  ganz  kurz  erit  rühmte  mit  der  bedlannien
  Uel  erheblichleit  ein  englischer  Minister.
daß  die  flolze  englische  Flotte  die  deutsche  Marine
  vom  Welimeere  weagqesegt  hale,  da  erscheint
die  Meldung,  daß  die  kleine  deutiche  „Mocve“
im  Atlanlischen  O  zean  leck  und  kühn  eine  ganze
Zahl  britisczer  Schisse  versenkt  habe.  Wieder
ein  Streich  von  köstlicher  Schneidigkell,  der  dem
Wagemm  unierer  Marine  von  neuem  das
schonste  zeugnis  ausilelnl.  Die  „Moeve“  ist
ein  Vermessungsfahrzeug.  19%  vom  Stapel
gelaufen  und  hal  eine  Wasserverdrängung  von
uHt!)  Tonnen.  Der  Friedensstand  der  Besatzung
beträgt  rund  100  Mann.

Inzu  ischen  werden  aber  bereits
ob  es  sich  latfjächlich  um  die  „Move“  handelt.
Nach  den  „M.  N.  N.“  durfte  die  Annahme,
daß  das  deutsche  Vermessungeschiff  „Möve“  an
der  Aufbringung  des  Dampfers  „Appam“  be-Zweifel

  laut,

 

teiligt  jein  konnie,  irrig  sein.  Die-  .  Möve“.
die  bis  Kriegeausbruch  der  oflafrik  Stalion
  zugeteil:  war,  stamme  —  Jahre

1906,  harte  nur  C  Tonnen  gane  Dbe
agung  und  eine  Schnelligkeit  von  9.5  Knoten.
Ihre  Bewaffnung  umiahe  lediglich  drei  3.7.
Zentimeter-Geschütze  und  ein  Maschinengewehr.
(beht  schon  aus  diesen  Angaben  hervor,  daß
die  WMove  laum  imstande  war,  den  Kreuzer
lrieg  auf  hoher  See  mit  solchem  Erfolge  zu
fuhren,  wie  es  das  noch  unbekannte  deutsche
Kriegsschiff  jent  bei  den  Kanarischen  Inseln  gelan
  hat,  so  kommt  noch  binzu,  daß  nach  .
licher  englischer  Meldung  vom  20.  Sevtember
1914  die  „Move“  überhaupt  nicht  mehr  eri
stiert.  Die  britische  Admiralilät,  die  damals
die  Vernichtung  ihres  kleinen  Kreuzers  „Pegajus“
  durch  den  deutschen  Kreuzer  „Königeberg“
vor  der  oflafrikanischen  Kusie  meldete,  leilie  mit,
daß  der  „Pegasu-“  einige  Tage  vorher  die
„Möve“  ror  Darees-Salaam  in  den  Grund
gebohm  habe.  Oder  haben  die  Engländer  da
mals  geflunkert?

Es  ist  wahrscheinlich,  daß  die  „Appam“  un
ter  deutscher  Kriegsflagge  als  Kriegsschiff  in
Norfolk  eingelaufen  ist.  In  diesem  Falle  konnen
  die  Vereinigten  Staaten  das  Schiff  in
ternieren,  vorausgesetzt,  daß  es  nach  iblaut
einer  ihm  eiwa  gesetzien  Frist  den  Hafen  nicht
wieder  verlassen  hat.  Aehnlich  ist  das  deutsche
Oilfslriegsschiff  „Farn“  behandelt  morden.  wel.
ches  am  25.  Januar  1915  in  dem  amerikanischen
Hafen  San  Juan  de  Portorico  interniert  wurde.
Sollte  die  „Appam“  aber  eine  Priie  sein,  so
nürde  dasg  Schiff  ehenfalle  die  dentiche  Kriege- 



flagge  führen  nrüssen.  Als  Prise  dark  deas
Schif  nach  einem  alien  zwischen  Deuischland  und
den  Vereinigten  Staaten  bestehenden  Vertrag
im  Hafen  bleiben  oder  ihn  nach  eigenem  Ermessen
  wieder  verlassen.

Die  Abdankung  Goremylins.

Der  russische  Ministerpräsident  „Gorempykin“
ist  abgedankt  „in  Rücksicht  auf  seine  geschwächten
Gesu:  udbeitsverbälkniffe“.  Er  ist  allerdings  schon
betagt,  aber  seine  geschwächte  Gesundheit  wird
man  ihm  trondem  nicht  glauhen.  Es  in  nur  die
Minitterkrankheil,  die  der  Reihe  nach  in  den
Kadinetien  des  Vierverbandes  aufgetreten  ist,
nachdem  sich  die  unvorsichtig  angekundigten  grossen
  Erfolge  nicht  eingesreln  hatlen.  Als  sie  nicht
nur  aust  lieben,  sondern  die  Lage  sich  immer
mehr  verschlechterte.  da  hegannen  die  Miniister
krank  zu  werden.  In  Frankreich  ergriff  das
betrübliche  Leider  zuerst  Herrn  Deleassé,  einen
der  Hauptschurer  des  Wellrander,  und  es  folgte
illzm  Ministerrraifdent  Millerand  nach;  im  englischen
  Kal  inet  verloren  wmehrere  Minister  ihre
schauhba#re  Gesundle#:,  u:  r  voon  ilalienischen  Ministerium
  munkei  chon:  lange.  daß  es  zu
krankein  begomen  habe.  Die  Miniier  wurden
leidend  und  die  O  berbefehlehaber,  die  Joffr,
French.  Nilolaur  fieler  die  Treppe  binauf.

 

     

Und  nun  in  das  ruimsische  Ministerium  an
die  Reihe  gelommen,  zu  erlranken.  Grund  gemug
  i  ja  gerade  in  NRußla:  nd  da  fur  vorhanden.
Die  ru'  ischen  Heere  hade  die  schwer  riten  Schlãge
empfangen,  und  Rußland  im  Innern  leidet
sicher  am  schwerite  uner  der  K##  egslage.  Es
herrscht  in  weiten  Gebieten  Rabrungsmangel.
die  Ausfuhr  itod:,  die  landwirtichaitlichen  Produne
  lonnen  nighn  hinaus,  das  Geld  ijst  sehr
rar  ere  DOam#soll  die  allgemeine  Stim-7

  #en-  r  geĩunken  sein,  und  endeine
  politische  Lage  in  einem

 

 

  

iiden.  Dafür  FV.  d  die  seit
dem  Lerb#  andaueriden  Verichiebungen  der
Duma  Cinberufung  cin  unurugliches  Zeichen.

Man  wagie  cx  nichtl,  die  Reichsvertreter  zusamwenkommen
  zu  lassen,  weil  man,  so  sehr  man
sie  auch  im  Zugel  zu  hallen  weiß.  ihre  Reden
fürchtei.  die  nichis  Guies  enthallen  wurden.
Kommen  weird  aber  die  Explosion  einmal  sicher.
Ot  sie  schon  so  nahe  in,  daß  Goremnkin  sich
vor  ihr  in  Sicherheit  zu  cringen  wunscht,  muhß
Lemeiselt  werden.

Gotemplin  war  der  Vertreter  de:  an-  und
ecchtrussischen  Regierungeoweise,  die  jedem  En.
gegenkommen  für  fortschrittliche  Regungen  al.
hold  war.  Ol.  dader  sein  Nachfolger  es  aus
undere  Weise  versuchen  wird.  muß  dahingemelnt
Fleiben.  Die  auswärtige.  gegen  Deutschlan?
Beriälleie  Politik  Rußlands  ruht  in  den  Ha#-en

  Sasonows  und  der  Clianc.  die  binter  dir
jent  jteht.  Solange  Sasonom  auf  seinem  Poslen
ist.  lann  lein  Anzeichen  einer  Aenderung  der
gegenwärtigen  Politik  Rußlands  verzeichnet  me
den.  Am  allerwenigsten  bietet  die  Person  der
Rachfolgere  Gorempykins  fur  die  Vermutung.
daß  in  der  russischen  Poluik  ein  Wechsel  enlrete.
  einen  Anhall.  denn  der  neue  kussisäle
Minitterprasident  Slurmer  ist  bisher  nur  ale.
ein  chenso  reaktionarer  Deutschenseind  bekann!
gewarden,  wie  es  (Poremplin  war.  Ob  er  mehr
Einheiklichleit  in  die  innere  russische  Politik  brin