Volltext : Was hat Preußen für Deutschland geleistet?

64

und  reformirte  Bekenntniß  noch  gleich  berechtigt  waren,  in  den
sog.  Lichtversammlungen  Luft.  Beide  Neuerungen  machten  viel
Lärmen,  ohne  daß  damit  etwas  Großes  bewirkt  worden  wäre.
Die  alten  Kirchen  wurden  dadurch  nicht  gestürzt  und  die  mißgebornen
  neuen  noch  so  genannten  Kirchen  beschränkten  sich  auf
ein  Minimum  von  Anhängern.  Standhaft  und  geduldig  wies
der  König  alle  die  unsinnigen  Zumuthungen  ab,  die  ihm  die
unter  dem  Ministerium  Altenstein  zugeschulte  und  an  nicht  wenig
Uebermuth  gewöhnte  Partei  machte,  als  handele  es  sich  darum,
daß  Preußen  seinen  Rang  unter  den  europäischen  Staaten  nur
behaupten  könne,  wenn  es  mit  dem  sog.  Zeitgeist  gehe.  Am
verderblichsten  hatte  Diesterweg  als  Chef  des  ganzen  Voltschulwesens
  gewirkt,  dessen  Programm  bekanntlich  war,  es  bedürfe
keiner  Pfarrer  mehr,  sondern  sey  am  Schulmeister  genug.  Es
brauche  keine  Bibel  mehr,  sondern  nur  noch  den  Kosmos;  der
Glaube  sey  überflüssig,  denn  man  habe  ja  das  Wissen.

Das  zweite  Verdienst,  welches  sich  der  gewissenhafte  König
erwarb,  war  die  Einberufung  der  Stände.  Diese  wurde  von
der  ganzen  liberalen  Partei  willkommen  geheißen,  man  riß  ihm
aber  das  kaum  angefangene  Werk  mit  undankbarem  Ungestüm
aus  den  Händen,  so  daß  es  nicht  ganz  seiner  Absicht  gemäß
zustande  kam.  Er  hatte  nämlich  eine  Vertretung  des  Volks
nach  altem  deutschen  Herkommen  und  nicht  nach  der  neuen
französischen  Mode  im  Sinn.  Er  schwang  sich  überhaupt  mit
seiner  lebhaften  Phantasie,  über  die  letzten  Jahrhunderte  hinüber,
in  die  Zeiten  des  alten  Reichs,  weshalb  ihn  seine  Gegner  „den
Romantiker  auf  dem  Throne“  nannten.  Damit  hing  seine  Vorliebe
  für  den  Ausbau  des  Kölner  Doms  zusammen,  in  welchem
er  ein  Sinnbild  des  vielgegliederten  und  doch  einigen  deutschen
Reiches  sah,  wie  es  seyn  sollte.  Was  er  nicht  selbst  vollbringen
konnte,  das  hoffte  er  von  der  Zukunft.  In  der  Rede,  die  er  bei
der  Einweihung  des  hauptsächlich  durch  ihn  beförderten  Weiterbaus