Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

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448  Die  wissenschaftliche  Bedeutung  der  Akademie  Friepricn's  1.

blieb  es  über  den  Tod  Frieprien  s  hinaus  und  wurde  sogar  noch  im
Jahre  178S  Direetor  der  philosophischen  Klasse.  Als  Sceeretar  hat
er  etwa  vierzig  Eloges  verstorbener  Akademiker  gehalten  und  in  die
Ablıandlungen  der  Akademie  eingerüekt;  ausserdein  aber  noch  zahlreiche
  andere  verfasst,  die  ausserhalb  der  Memoires  erschienen  sind.
Dazu  hat  er  die  officiellen  Reden  an  den  Festtagen  der  Akademie
gehalten  und  etwa  dreissig  Abhandlungen  für  die  Memoires  geschrieben.
  Allein  diese  Arbeiten  verschwinden  hinter  einer  Fülle  von
selbständig  erschienenen  Werken,  Artikeln,  Aufsätzen  u.  s.  w.,  die
er  in  die  Welt  gesetzt  hat.  Er  rivalisirte  nicht  nur  mit  Eurer  und
LAMBERT  an  litterarischer  Fruchtbarkeit,  er  übertraf  sie  noch  weit”.
Aber  leider  entsprach,  im  Gegensatz  zu  EULER,  (der  Inhalt  nicht  der
überwältigenden  und  anspruchsvollen  Production.  Schon  die  Zeitgenossen
  wussten,  dass  er  um  des  Geldes  willen  schrieb,  Jahre  hindurch
  täglich  einen  Bogen,  und  dafür  seinen  Ducaten  einstrich’.  Von
Haus  aus  ortlhodoxer  reformirter  "Theologe,  schloss  er  sich  schon
frülıe  der  Worrr  schen  Philosophie  an,  und  nachdem  er  seine  »Belle
Wolffienne«  in  6  Bänden  1741-53  geschrieben  hatte,  glaubte  er
in  den  Stand  gesetzt  zu  sein,  sich  spielend  über  alle  möglichen
Fragen  zu  verbreiten  und  als  vernünftiger  Supranaturalist,  der  verächtlich
  auf  die  scholastische  Orthodoxie,  aber  auclı  auf  die  Empiriker,
  herabsah,  alle  abweichenden  geistigen  Erscheinungen  seines
Zeitalters  zu  kritisiren  und  mit  breiten  Bettelsuppen  das  Puhlikum
zu  speisen‘.  So  hat  er  gegen  Diveror  sein  System  du  vrai  bonheur
  (1750f.)  und  gegen  Rousseau  den  kläglichen  Anti-Eimile  (1763)
geschrieben.  Ein  unbedeutender  Philosoph,  ein  recht  mangelhafter
Stilist,  konnte  er  immerhin  Leichtigkeit  und  Flüssigkeit  in  der

Stoffbehandlung  lehren  —  in  dieser  Richtung  soll  sein  Einfluss
nicht  unterschätzt  werden  —  und  sein  grosses  Vorbild  FONTENELLE

immer  auf's  Neue  reproduciren.  Maurerruis  mochte  ihn  im  Grunde

!  Diese  Eloges.  die  alle  nach  einem  Stile  gearbeitet  sind.  bieten  keine  anzieliende
  Lectüre;  immerhin  aber  bleibt  es  ein  gewisses  Verdienst  Foruer's,  in  seinen
Lobreden  das  Andenken  an  verdiente  Männer  erhalten  zu  haben.

?  BartHoLness  veranschlagt  die  »Werke«  Foruer’s  auf  etwa  600  Bände.

®  „Travailler  uniquement  pour  l’honneur«,  sagt  selbst  der  milde  BarrHoLnEss
1p.365  von  ihn,  »ce  lui  semblait  sacrifier  &  une  gloriole  risible«.

*  BARTHOoLNESS  (a.  a.  O.)  sagt:  »Tous  ses  Ecrits,  ceux  meme  oü  la  legerete
etait  convenable,  se  sentent  de  la  meine  preeipitation.  A  ce  defaut  si  sensible
tenaient  d’autres  travers,  tels  qu’'un  assez  mauvais  ton.  une  certaine  absence  de
tact  et  de  delicatesse,  une  sorte  de  petulance  parfois  &tourdissante«,  und  er  spricht
von  Forney’s  »manie  de  la  polygraphie,  yw’il  attaquait  chez  tout  le  monde,  excepte
chez  lui-  meine«.