588 Siebentes Buch. 8. 226.
d) Die Befugniß des Reichs, das Eisenbahnwesen in
Deutschland zu beaufsichtigen und gesetzlich zu regeln, bezieht
sich im Allgemeinen nicht auf Bayern. Nur in gewissen
durch die Reichsverfassung bezeichneten Beziehungen erstreckt
sich die Competenz des Reichs auch auf Bayern, dasselbe
ist nämlich zuständig
a) durch Reichsgesetz die Anlage neuer Eisenbahnen,
welche im Interesse der Vertheidigung Deutschlands
oder im Interesse des gemeinsamen Verkehrs als nothwendig
erachtet werden, auch in Bayern zu gestatten,
resp. anzuordnen; 5)
. die Reichsgesetzgebung kann einheitliche Normen für die
Construction und Ausrüstung solcher Eisenbahnen aufstellen,
welche für die Landesvertheidigung von Wichtigkeit
sind. s)
2) Eine besondere Stellung nimmt Bayern (gleich Württemberg)
in Bezug auf das Post= und Telegraphenwesen
ein. Während diese beiden Verkehrsanstalten in den übrigen
Theilen des Reichs einheitliche Reichsanstalten bilden, die unter der
obersten Leitung des Kaisers von Reichsbehörden verwaltet werden,
ist die Post= und Telegraphenanstalt in Bayern (und in Württemberg)
Landesanstalt geblieben und wird unter der Leitung der
Landesregierung von Landesbehörden verwaltet.7)
Dem Reiche ausschließlich steht die Gesetzgebung über die
Vorrechte der Post und Telegraphie, über die rechtlichen Verhältnisse
beider Anstalten zum Publikum, über die Portofreiheiten
und das Posttaxwesen, jedoch ausschließlich der reglementarischen
fließenden Ertrage der Steuern von Bier und Branntwein, sowie von dem
von den Zollausschlüssen statt derselben gezahlten Aversum keinen Theil hat.
5) Reichsverfassung Art. 46 Abs. II. in Verbindung mit Art. 41; die
Hoheitsrechte in Bezug auf die Bahn und ihre Zugehörigen bleiben unberührt.
6) Reichsverfassung Art. 46; die Verfügung des Art. 47 legt dem
Eigenthümer, bez. Verwalter der Bahn eine Verpflichtung gegen das Reich
auf, die den Staat als solchen nicht tangirt.
7) Reichsverfassung Art. 52; als eine Consequenz dieser Sonderstellung
erscheint es, daß Bayern (und Württemberg) keinen Theil an den aus dem
Betrieb dieser Reichsanstalten fließenden Einnahmen der Reichskasse habe,
sowie das Reich kein Recht auf die Erträgnisse dieser Landesanstalten hat.