Contents : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

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Angelegenheiten  der  Monarchie  internalionalen
Charakter  erhielten,  sodaß  die  Monarchie  gewisgermaßen
  unter  die  Vormundschaft  eines  internationalen
  Gerichtshofes  gestellt  werde.  Der
Redner  erklärte,  er  richte  keine  Frage  an  den  Minister
  des  AMeußern;  er  würde  schon  die  bbloße
cnraussecun  beleidigend  finden,  daß  der  Minister
  des  Aeußern  etwas  anderes  tun  omne  als
eine  solche  Zumutung  entschieden  zurückzüweisen.
Er  wolle  nur  versichern,  daß  die  ganze  öffentliche
  Meinung,  jeder  Staatsfaktor  und  selbstverständlich
  auch  die  ungarische  Delegation  auf  das
entschiedenste  fordere,  daß  jeder  Versuch,  unsere
inneren  Fragen  zum  Gegenstand  einer  Besprechung
  zu  machen,  von  vorneherein  zurückgewiesen
werde.  (Zustimmung.)

Graf  Julius  Andrassy  schloß  sich  als  Redner
der  Regierungspartei  den  Bemerkungen  des  Grafen
  Tisza  an,  mit  dessen  Ausführungen  er  sich
in  vollkommener  Uebereinstimmung  befinde.

Hierauf  ergriff  Graf  Czernin  das  Wort.
Er  verwies  auf  die  Stelle  der  Thronrede,  wo#“
gesagt  wird,  daß  wir  das  Schwert  nicht  aus  der
Hand  legen  werden,  solange  nicht  unsere  Feinde,
ihren  wahnwitzigen  Aufteilungs-  und  Vergea###

  Lü  sene  —  ainzweideutig  entsagt  und
ihre  Einmischung  in  die  Geschide  der  Monarchie
aufgegeben  haben.  Der  Minister  stellte  dann
noch  fest,  daß  die  große  Mehrheit  der  österreichischen
  Delegation  den  gleichen  Standpunkt  einnehme.


König  Konstautin  von  Griechenland.

*Bern,  4.  Dez.  (Schweizerische  Depeschenagentur)
  König  Konstanlin  von  Griechenland
hat  am  Montag  die  Klinik  nach  glattem  Wundverlauf
  vollständig  geheilt  verlassen.

Ein  weiteres  „Geschäf!“  Amerilas.

*Amsterdam,  4.  Dez.  Die  Blätter  verfeichnen
  das  Gerücht,  die  Vereinigten  Staaten

ätten  angeboten,  Niederländisch-Westindien  für
fünf  Milliarden  Gulden  zu  kaufen;  die  Vereinigten
  Staaten  würden  den  Niederlanden  dann  den
ungestörten  Besitz  von  Niederländisch-Ostindien
gewährleisten.

Sotluce  S#dsschen.

Der  Rucktritt  deswürttembergischen
Justizminislers.
*Stuttgart,  4.  De#  Der  König  hat,  wie
der  Staatsanzeiger  meldet,  den  Justizminister
Dr.  von  Schmidlin  seiner  Bitte  entsprechend  unter
  Anerkennung  seiner  langjährigen,  treuen  und
ausgezeichneten  Dienste  in  den  bleibenden
Ruhestand  verseßt  und  den  Wirkichen
Staatsrat  Mandry  zum  Justizminister  ernannt.
!r  Adog.  Stadthagen  f.
Berlin,  5.  Dez.  Der  sozialdemokratische
Neichstagsabgeorduete  für  Niederharnim,  Arthur

  Stadthagen,  iit  ##em  schweren  Lurgenleiden
  erlegen.

Bowerischer  Laudiag.

Die  gegenwärtigen  Verkehrsschwierigkeiten.

haben  güfolge  der  schon  gemeldeten  Anregung  des
g.  Held  am  3.  Dez.  den  Finanzausschuß  beschund.
  Die  Redner  der  verschiedenen  nen
schilderten  eingehend  die  Lage,  namentlich  im
Hinblick  auf  die  Versorgung  der  Städie  mit
den  notwendigen  Lebensmitteln  und  brachten
eine  Reihe  von  Maßnahmen  in  Vorschlag,  wie
die  mißlichen  Verhältnisse  gebessert  werden  könnten.
  Verkehrsminister  v.  Seidlein  gab  ein  über-S



 

 

 

Das  Stammbuch.

«  Eine  Plauderei  von  Waldblum.

Sonntag  Nachmittag.  Und  welch  ein  Wetter!
Es  regnet  und  [chneit  durcheinander,  wohl  nicht
einladend  zum  Spazierengehen;  wie  gerne  bleibt
man  da  zu  Hause  im  behaglichen  Stübchen  und

gibt  sich  still  er  Beschoanth  eit  hin.  Was  tun?
Si  nun,  ich  fange  mal  an,  in  der  Schublade  zu
stöbern.
mal  gerne  zur  Hand  nimmt  und  woran  sich  liebe
Erinnerungen  tnũpfen.  Sieh,  schon  fällt  mein
Blick  auf  das  Album.  Ja  wohl,  das  nehme
ich  mal  heraus  und  setz  mich  mit  ihm  an  den
Tisch,  das  kann  mir  etliche  Stündchen  guter
Unterhaltung  bieten,  denn  Blatt  für  Blatt  enthält
  ein  liebes  Gedenken  an  diese  und  jene
Freundin,  mit  der  ich  auf  einer  Schulbank  geses.
sen.  Bald  trägt  mich  die  Erinnerung  über  Tal
und  Hügel,  in  ferne  Orte,  selbst  übers  Meer,
weßin  das  Schicksal  diese  und  jene  Kameradin
verschlagen.  Darum  ist  mir  das  Album  ein  köstlicher
  Schatz,  dessen  Wert  man  wohl  erst  in  spä-#46#ren
  Jahren  zu  schätzen  vermag.  Es  versetzt  uns
im  Geiste  in  die  Jugendjahre  zurück  und  läßt
*  [Uwandeln  im  Paradiese  der  Kindheit,
rchenwalde  der  Jugendzeit,  wo  die  Bäuan

  mit  goldenen  Blättern  behangen  sind,  auf

deren  Swäigen  lich  buntgefiederte  Vögel  wiegen
  und  wo  blaue  Blumen  winken  und  locken  u.
anfte  Glödchen  mit  lilberhellem  Klang  uns
rufen.  Und  wir  dringen  weiter  hinein  ins  Dillicht,
  bis  hin  zum  grünen  Sce,  auf  dessen  Flut

 

Da  liegt  so  Vieles,  was  man  wieder

 

lichtliches  Bild  von  der  jetzigen  Verkehrslage:
Das  Militär  hat  in  der  letzten  Zeit  die  Transportmittel
  derart  in  Anspruch  genommen,  daß
alle  anderen  Interessen  Mruchen  mußten.  Der
Minister  bekundete  das  größte  Entgegenkommen
und  versicherte,  daß  besonders  für  die  Kohlenversorgung
  getan  wurde,  was  nach  Lage  der
Sache  überhaupt  geschehen  konnte.  Auch  Sreger
minister  v.  Hellingrath  gab  die  Zusicherung,
daß  von  seiten  der  Heeresverwaltung,  soweit
nur  möglich,  die  erforderlichen  Maßnahmen  zur
*Ninderung  der  Transportschwierigkeiten  getroffen
  werden  sollen  und  stellte  die  Abkommandierung
  von  Mannschaften  zn  in  Aussicht.  Als  Ergebnis
  der  vertraulichen  Aussprache  ist  eine
Besserung  der  Verhältnisse  zu  erwaren.


des,  und  Bersenslsschnchen.

München.  5.  %  Auch  am  Mittwoch  Vormittag
  fand  sich  S  der  König  im  Militärpaketamt
  im  neuen  Holzkirchener  Bahnhof  ein
ind  machte  einen  längeren  Rundgang  durch  alle
Räume,  in  denen  die  Senrungen  für  das  Feldheer
  aufgestapelt  sind,  die  als  Weihnachtsliebesgaben
  in  den  nächsten  Tagen  zum  Versand  kommen.
  Es  befinden  sich  darunter  auch  Weihnachtsgaben
  des  Königs,  die  an  jene  Regimenter
gehen;  deren  Inhaber  der  König  ist.

Seine  Majestät  der  König  hat  dem  Deutschen
Museum  den  Betrag  von  30  000  Mart  aus
Stiftungemitteln  überwiesen.

HKänch#ser  Neuigfellsn.

ünchen.  den  6.  Sczember.
Ertavpter  Postdieb.  Ein  Postoberpackmeister,
  der  schon  seit  26  „JIohren  im  Dienste
steht,  brachte  am  3.  ds.  das  Muster  einer
Tapetenrolle  in  ein  Tpetengeictaft  an  der  Hakkenstraße,
  um  von  diesem  Muster  noch  mehrere
Nollen  zu  bestellen.  Dem  Geschäftsinhaber  fiel
§*  auf,  daß  diese  Tapete  das  gleiche  Muster
Hiicbie,  von  dem  ihm  ein  größeres  Paket  vor
einigen  Wochen  abhanden  gekommen  war.  Bei
der  sofort  vorgenommenen  Haussuchung  in
der  Wohnung  des  Postoberpachneisters  fanden
sich  eine  große  Menge  von  geslohlenen  Sachen,
darunter  26  Scheren,  9  neue  Taschenmesser,
große  Mengen  Anzug-  und  Mestenftoffe.  Lebenomittel
  und  eine  Schachtel,  die  von  einem
geslollenen  Nachnahmepaket  herrührt,  vor.  Der
ungetreue  Beamte  wurde  festgenommen.

Folgenschwere  Verwechslung.  In
einer  Münchner  Apotb  eke  wurde  im  vergangenen
Sommer  infolge  eines  Versehens  einer  Angestellten
  ein  Atropin-  und  Kolainpraparat  als  Hu
stensaft  verkauft.  Dieses  Versehen  hatle  gesund-Leitliche
  Schädigungen  bei  Kindern  zur  Folge.
Gegen  eine  Laborantin  der  Apothele  wurde  nun
Anklage  wegen  fahrlässiger  Körperverletzung
erhoben.

Ein  unaufgeklärtes  Verbrechen.  Zu
dem  Mord  an  dem  Holzbildhauer  Mario  Vianello
  melden  die  Abendblätter:  Nach  den  bisherigen
  Feststellungen  ist  Vianello  das  Opfer
eines  Verbrechens  geworden.  In  der  Theresienstraße
  besaß  der  Ermordete  ein  gut  gehendes
Geschäft.  Er  wurde  am  Montag  Abend  das
letztemal  gesehen,  als  er  mit  einem  Herrn  in
seine  im  ersten  Stocke  des  Gartengebäudes  gelegene
  Wohnung  ging.  Am  Dienstag  öffnete
man  gewaltsam  die  Wohnung  und  fand  Vianello
tot  in  seinem  Bette.  Rock  u.  Weste  hingen  über
emer  Stubllehne.  Der  Polizeiarzt  stellte  am
linken  Schulterblatt  eine  kleine  Einschußöffnung
fest;  auch  Rock  und  Weste  wiesen  eine  Durchlöcherung
  auf.  Die  behördlichen  Erhebungen  haben
  bisher  zu  keinem  Ergebnis  geführt.

 

 

sich  schimmernde  Nosen  schaukeln;  wir  warten  begierig,
  es  möchte  ein  Elflein  aus  tiefem,  nassem
Grunde  steigen  und  uns  ein  goldeneo  Krönlein
bringen!  Suchende,  irrende  Kinder  im
Märchenland  der  Phantasie,  wie  schnell  hat  des
Lebens  Prosa  euch  herausgeführt  aus  diesem
Zauberreich,  der  rauhe  Sturm  hat  die  Bäume
der  goldenen  Blätter  entlaubt  und  statt  des  erlofften
  goldenen  Krönleins  Hlocht  euch  das
Schicksal  ein  Dornenkränzlein!

Bevor  ich  Dir,  lieber  Leser,  das  Album  aufschlage,
  muß  ich  Dir  noch  sagen,  daß  der  Name
  Album  vom  latein.  albus,  (weiß)  herstammt
und  im  allgemeinen  jede  weiße  Fläche  oder
Tafel  bedeutet,  mit  dem  besonderen  Zwecke,  Bemerkungen,
  Bekanntmachungen  usw.  aufzunehmen.
  don  die  Römer  bedienten  sich  eines
Akbbumspräctorie;  sie  bezeichneten  so  eine  gewöhnlich
  mit  Gips  überzogene  Tafel,  die  bei  der
Rednerbühne  aufgehängt  wurde,  und  eines  Albums
  Pontificunt  zur  Aufzeichnung  von
Staatsdenkwürdigkeiten.  Das  späle  Mittelalter
und  die  Neuzeit  kennen  geschriebene  und  gedruckte
  Albums.  Die  ersteren,  die  bis  vor  lurzem
  die  Alleinherrschaft  besaßen,  zerfallen  wieder
  in  die  beiden  Gattungen  der  Fremden-  und
Stammbücher.  Daß  sich  die  Besucher  von  Klöslern,
  Gasthäusern,  Muscen  und  Orten,  wo  Merkwürdigkeiten
  gezeigt  werden,  in  ein  Album  einschreiben,
  sollecp  dle  Mönche  der  Grand  Chartreuse
  des  hl.  Bruno  zuerst  eingeführt  haben.
Die  Stammbucher  sind  fünger,  aber  immer
noch  alt  genug,  um  eine  lange  Geschichte  zu  hasonderer

  Betonuno  der  Unkoiten.

 

 

Baserische  Canbesprütungsstelle

Am  Freitag,  den  30.  November  1917  tagte
auf  Einladung  des  Vorsitzenden  der  Bayerischen
Landespreisprüfungsslelle,  Präsident  Dr.  Jahn
m.  Münchner  Rathause  die  Bollversammlung
des  Beirats,  verstärkt  durch  die  Abordnungen
einer  Anzahl  roͤßerer  reißprkfungesteiten,  im
Beisein  von  Hertretern  des  Staatsministediums
  des  Innern  und  *ne  Leriatemone
um  über  die  Reform  der  Kriegswuchergesetzgebung
  zu  beraten.  Den  Vrbandlungen  lagen  die
Ergebnisse  des  am  25.  Oktober  Augsburg
  stattgefundenen  4.  u  e  3  Preisprusertages,
  über  die  seinerzeit  in  der  Prefse  berichlet
  wurde,  zu  Grunde.  Die  Besprechungen,  an
denen  sich  die  Vertreter  aller  Interessentenkreise,
namentlich  des  Handels  und  des  Verbrauches
beteiligten  und  die  den  ganzen  Tag  in  Anspruch
nahmen,  zeigten  Einverständnis  darüber,  daß
eine  straffere  Erfassung  des  Kriegewuchers  not.
wendig  ist  und  zwar  nicht  nur  binsichtlich  des
Strafausmahes,  sondern  namentlich  auch  hinsichtlich
  der  unter  die  Bestrafung  zu  stellenden
Vorgänge.

Die  Zweckmäßrgkeit,  auch  einen  Teil  der  Leistungen
  zur  Deckung  des  täglichen  Bedarfe  im
Preise  zu  binden,  wurde  anerkannt.  Eingehende
Erörterungen  ergaben  sich  über  die  Frage,  was
unler  dem  Begriff  „Bedarfsgegenstand“  zu  ersehen
  sei,  ob  und  inwieweit  bei  der  Preiswürdigung
  der  Marktlage  und  dem  Marktpreife  Rechnung
  zu  tragen  sei,  ferner  ob  und  inwieweit  Erwägungen
  der  Nahrungspolitik  oder  den  wechselseitigen
  Wertbeziehungen  der  einzelnen  Bedarfsgegenitände
  unter  einander  ein  Einfluß
eingeräumt  werden  dürfe.  Die  weitere  Frage,
welche  Preise  bei  der  Berechnung  der  Selbstkosten
anzuerlennen  seien  oder  nicht,  wurde  unter  bevon
  Zinsen.
Anortisationskosten,  Risikoprämien,  Rabatten,
Ugentenprorisionen,  Reklamekosten  und  der
Kriegsunterstützungen,  einer  sorgfälligen  Prilsung
  unterzogen.  Endlich  war  die  Frage,  wie
der  Reingewinn  zu  berechnen  und  in  welchen  Beziehungen
  er  zu  cem  Friedensgewinn  gebracht
werden  soll,  sowie  die  Frage  der  Zulässigkeit
von  Durchschnikkspreisen.  Gegenstand  der  Ausspra


Eienig  wurde  der  Wunsch  geäußert,  daß
die  vorgeschlagenen  Grundsatze  der  Preisbildung
sich  allgemein,  also  auch  bei  den  mit  dem  Erlaß
von  Höchstpreisen  betrauten  Stellen  und  den
kriegswirtschaftlichen  Organisationen  durchsehzen
möchten.  Endlich  wurde  die  immer  dringlicher
werdende  Notwendigkeit  der  Einführung  eines
Buchführungs-  und  Buchverwahrungszwanges
anerkannt  und  eine  Reihe  von  preislechnischen
Fragen  der  ebllergangswirtschaft  bPrrührt.

Wen  auch  bei  den  naturgemäßen  Gegensätzen
  der  Auffassung  der  verschiedenen  Interelsenten
  in  manchen  Punkten  keine  Einhelligkeit
der  Beschlußfassung  erzielt  werden  konnte,  so
ergaben  die  Verhandlungen  doch  eine  erfreuliche
Klärung  aller  einschlägigen  Fragen  und  eine
Fülle  verwertbaren  Materials,  welches  den  mit
der  Reform  der  Krieg  gswuchergesetzgebung  zurzeit
  befaßten  Reichs  seellen  alsbald  zugeleiter
wird.

 

BHayerische  Nachrichten.

Erkraukungen  in  Ingolstadt.  Bei
einigen  Truppenteilen  des  Standorts  Ingolstadt
traten  in  den  letzten  Wochen  gehäufte  Fälle  von
sieberhaften  Darmkatarrhen  auf,  die  alle  einen
leichten  Verlauf  nahmen.  Die  Kranken  sind  größtenteils
  wieder  fieberfrei.  Eine  bestimmte  Ursache
  der  Erkrankung  ist  nicht  sicher  festgestellt
worden,  doch  ist  angunehmen,  daß  eine  Nalben.
  Schon  vor  dem  15.  Jahrhundert  war  es
in  Deutschland  bei  Adeligen,  Gelehrten  und  Studenten
  Gewohnheit  geworden,  sich  eine  Sammlung
  weiszer  Blätter  anzulegen,  die  Verwandten,
Bekannten,  Gönnern  und  Freunden  vorgelegt
wurden,  um  sich  zum  Andenken  einzuschreiben
und  einzuzeichnen.  Ein  solches  Stammbuch  war
ein  Archiv  über  den  ganzen  gesellschaftlichen
Kreis  und  der  Inhalt  modelte  sich  ganz  nach
damaligem  Zeitgeschmack  in  Poesie  und  Kuntt,
sodaß  auch  die  Stammbücher  ein  erwünschter
Tummelplatz  für  Wappen  und  Sinnbilder  mit
linzugefügten  Wahlsprüchen  oder  anderen  Denkversen
  wurden.  Die  zweite  Hälfte  des  16.  Jahr--hunderts
  brachte,  um  dem  Mangel  an  eigener
Erfindung  zu  Hilse  zu  kommen,  gedruckte
Stammbücher  in  Holzsnitt  und  Kupferstich,
die  jent  zu  den  größten  bibliothekarischen  Seltenheiten
  gehören.  Die  älteren  Stammbücher
wurden  von  feher  teils  wegen  der  Autogramme
namhafter  und  berühmter  Personen,  teils  wegen
  der  Zeichnungen  und  Malereien,  womit  sie
Ufters  geschmückt  wurden,  von  Kunst-  und  Anliquitätenhändlern

  eifrigst  gelemmet.  Eine  der

bedeutendsten  Sammlungen  solcher

Urkunden  besiten
  das  Nürnberger  und  das  Frankfurter
Museum,  auch  die  Bchriotheken  in  Wien,  Berlin
und  München  besitzen  Vortrefflich-s.

Als  die  Schranken  wischen  dem  Adel  und  den
übrigen  Ständen  fielen,  und  die  Heraldik  ihre
Wichtigkeit  und  ihren  Wert  n  entsprachen
auch  die  Stammbücher  ihrem  Mamen  nicht  mehr,
erhielten  sich  aber  noch  so  lange  die  Perückenzeit

 

rungsmittelinfeltion  vorliegt.  Alle  gebotenen
Nori#l  rungen  sind  getrofsen  worden.

Leichenfsund.  Am  2.  Dezember  wurde  am
östlichen  Teil  der  Station  Siegelsdorf  (Obfr.,
nach  Auefal,  Bt  des  sahrplanmäßig  um  7,51  Uhr
abends  nach  Wurzdarg  abgehenden  essen,
zuges  der  17  jährige  Taglöhnerssohn  Mi
Grillenberger  von  Langenzaun  mit  abgefa  u
nem  Kopfe  und  weiteren  tödlichen  Verletzungen
zwischen  den  Schienensträngen  dis  ersten  Gleiseliegend
  aufgefunden.  Der  Hergang  des  Unsalles
  iit  noch  unbekaͤnnt.

 

aueruches  Oberlons

Inzell,  4.  Dez.  Der  16jährige  Sägewerl-Cesitzeresoln
  Anton  Dießbacher  von  hier  war
heute  vormittag  mit  seinem  Bruder  beschäftigt,
  das  vereiste  Mülllrad  sreizumachen,  trat
unvorsichtiger  Weise  auf  eine,  Schaufel  des  Nades,
  als  dieses  plötlich  in  2  Bewequng  kam  und
il,n  mit  hineinzog.  Der  Tod  in  augenblicklich
eingetreien.

Bad  ZReichenhall,  5.  DTez.  Am  Freitag
wurden  zwei  vermummt  gehende  Wilderer  auf
den  Spechtlöpfen  am  Hod  schlegel  von  einem  Jäger,
  der  sich  in  der  Gegend  auf  der  Spitze  befand,
  wolrgenommen.  Zwei  hiesige  Jäger  lamen
  von  unten  herauf.  so  daß  die  beiden  Burschen
  in  der  Klemme  saßen.  Sie  versteckten  sich
unter  einer  Fichte  und  es  gelang  ihnen  zu  entkommen,
  wobei  der  eine  einen  60  Meter  tiesen
Abl  ang  Dinabstürzie,  aber  anscheinend  nur  unbedeutende
  Verletzungen  erlit:  denn  bei  den
Nachforsckungen  war  er  bereits  verschwunden.
Ein  Abschraut  gewelr  nebit  Rudsack  und  einer
geschossenen  Gemse  mußte  bei  der  Flucht  im
Stich  gelassen  werden.

—

Sobald  am  Morgen  d's  10.  April  1917  nach
shehustündigem  „Trommelfeuer  der  französische
Ifanteriennarif  gegen  die  Stellung  eines  Reserve-
  Juf.H  Neg.  bei  C.  einĩetzte,  sprang  als  einer
der  ersten  Unteroffizier  Franz  Vodermeier  der
12.  Kompagnie  von  Amerang.  B.  A.  Wasserburg,
  Bauernsohn  zu  Obing,  B.  A.  Traunstein
und  Inlaber  des  Militär-Verdienstlreuzes  wie
des  Eisernen  Kreure  est  aus  dem  Untertretraum:
der  Mannschaft  und'  beriente  im  stärkiten  Artil
lerieteuen  mit  seltener  Todesverachtung  und
großem  Geschic  ein  Maschinengewehr  so  erfolgreich.
  daß  die  anstürmenden  Haufen  länge
des  L#aiedammes  liegen  blieben.  womit  der
Angriff  gegen  den  Kompagnieabschnitt  vollfländig
  zusammenbrack.  Auch  als  die  Kompagnie
wegen  der  andauernden  Sleigerung  des  Gesch
  üzseners  wieder  Deckung  nehmen  mußte.  be
lies  Vodermeier  aus  freien  Stüden  sein  Geweler
  in  Stellung  und  schoß  ohne  jede  Aufforderung
  und  unbetummert  um  die  allenthalben
einschlagenden  schweren  Granaten  den  ganzen
Vormittag  auf  den  in  einen  Nachbarabschmitt
eingedrungenen  Feind.  der  infolgedessen  weitere
Fortschritte  nickt  mehr  machen  lonnte.  (/(Silberne
  Medaille.

"oslsachrihten.

Rosenheim,  den  .  Dezember.

Auszeichnungen  im  Felde.  Pionier
Hermann  Gaßner  hat  sich  in  Flandern  das  Eil.
Kreuz  2.  Kl.  erworben.  Sein  Bruder  Aloi-Gaßner
  hat  die  aleiche  Auszeichmung  im  vorigen
Jahre  an  der  Somme  erhalten.  Beid-  sind
Söhne  des  Schmieds  Josef  Gaßner  in  der  Firma
  Bernrieder.  Der  Vater  selbst  üeh:t  seit  Be- 



dauerte.  Am  langsten  brieben  Siudemten  und
Schüler  bei  der  alten  Gewohnheit  und  die
Stammbuchlieb  aberei  mag  in  Deutschland  in
Hochschulen.  in  Erxziehungsinstituten  oder  als
Unterhaltung  für  Knaben  und  Mädchen  wobl
nicht  ganz  erloschen  sein,  wurde  aber  doch  immerl
  in  im  Laufe  der  Zeit  geschwächt,  und  es
wäre  nur  freudig  zu  begrußen.  wenn,  wie  so
viel  Allüväterliches,  auch  diese  Sache  erneuerte
Gunst  fände  und  das  Album  wieder  seinen
Rundlauf  begänne  zur  gegenwärtigen  und  frateren
  Freude  seines  Besitzers.

Zetzt  hab  ich  aber,  lieber  Leser.  Deine  Geduld
  auf  eine  lange  Probe  gestellt,  denn  ich
denke  mir.  Du  möchtest  von  den  Albums,  die
vor  mir  liegen,  zu  hören  bekommen.  Ich  beginne
  mit  dem  Aeltesten.  das  mir  ein  gütiger
Zufall  in  die  Hand  vielte.  Es  ist  ein  Schächtelden,
  dessen  Spruch  am  Deckel  schon  besagt,  welchen
  Inhalt  ve  birgt:

Jedem  Freunde,  jedem  edlen  Mädchen

Sedem.  der  uns  Fehler  gern  verzeiht,

Jedem  Guten,  der  uns  seinc  Rechte  beu.

Jedem  Edlen  sei  ein  Bläftchen

In  des  Freundes  Sammlung  hier  geweiht.

Oefjsnen  wir:  Hier  das  oberste  Blätichen,  ein
reizendes  Aquarellbildchen  mit  der  Unterschrift:
Von  der  Jungser  Agues  Killerin  1814.  Und
bier  eine  Jeichnung,  eine  agellamscha  au#
einem  der  Hügel  ein  Häu  wöhrend  vom
Walde  herauskommend  ein  M#am  im  Sonntagsrock
  schreitet  und  auf  das  Häuschen  zeigt.
Dabei  der  Soruch: