Volltext : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

10  4.  Das  nene  fränfiiche  Königtum:  Karl  Martell  und  Ripin.

dann  die  Goten  erlagen.  Die  fränfiiche  Bolitif  war,  wie  wir  gejehen,
  eine  neutrale,  zumartende:  da  das  fränfiiche  Reich  in  Gallien
ganz  anders  Ffonfolidiert  war  als  das  der  Goten  oder  Vandalen,
\o  hatten  fie  eine  Erftredung  der  Neftaurationspolitif  auf  ihre  Gebiete
  zunächlt  nicht  zu  fürchten  und  fonnten  ruhig  einem  Sriege
zujehen,  der  die  oten  vernichtete  und  die  fatlerlihe  Macht  ın
Stalien  nur  in  geringem  Umfang  an  Land  und  namentlich  an
Macht  berftelltee  Die  Ankunft  der  Langobarden  auf  dem  Boden
Staliens  hielt  diefe  faiferlihe  Macht  um  Echach:  der  fränkiichen
Stellung  in  Gallien  fonnte  fie  nicht  gefährlich  jeın.  Nach  Chlotar3
  I  Tode  begannen  die  Teilungen  wieder  und  mit  ihnen  das
MWirrjal  der  Kämpfe,  die  vielleicht  nur  deshalb  nicht  jo  zeritörend
waren,  al3  man  denfen  jollte,  weil  fie  nicht  mit  großen  Heeren
ausgefochten  wurden.  E38  ift  die  Beriode,  welche  durch  den  Hader
zweier  herrich-  und  rachgieriger  rauen,  Brunichildi3  und  Fredegundis,
  charakterifiert  wird  und  in  Geftalten  der  dichtenden  Sage
fortlebt:  eine  furchtbare  Zeit  voll  Berrat  und  Mord  und  der  Berwilderung
  durch  den  Krieg,  wo  der  barbariich  graufame  oder  raffinierte
  Mord  nicht  mehr  Skrupel  erregte  noch  auch  mehr  Aufjehen
machte  al3  die  Erlegung  eines  Wilds  oder  die  Schladhtung  eines
Haustier2.

Birft  man  einen  Blid  auf  das  Innere  diejer  Staatögebilde,
die  fi  allmählich  in  Auftrafien  mit  den  Meittelpunften  Neims
und  Mes  und  Überwiegen  des  germanischen  Elements,  Neuftrien
um  PBarı3  und  Soifjons  mit  überwiegend  romanischem  Charakter
und  Burgund  mit  Orleans  als  Mittelpunft  in  feiterer  Umgrenzung
  gliederten,  jo  findet  man  gleichwohl  Momente  des  Yort-Ichritts.


Die  Franken  Hatten  hier  das  Ziel  der  Sahrhunderte  andauernden
germanichen  Wanderungen  erreicht,  fefte  Wohnfibe,  gefichertes  Eigentum,
  Möglichkeit  höherer  Kulturentwidlung.  Sie  bildeten,  mit
der  älteren  Bevölferung  jich  verjchnelzend  und  wenigstens  durd)
das  Band  der  gleichen  Religion  verbunden,  einen  wirklichen  Staat.
Weit  dahinten  lag  die  Vorzeit,  wo  allein  die  yamilie  und  die  Sippe