230 Proteste gegen das kaiserliche Reskript.
niß zu den übrigen Königreichen und Ländern zu formuliren und
zu regeln. Der Landtag vertagte sich auf so lange, bis dieser Ausschuß
seine Arbeit beendigt hatte. Gegen das Reskript vom 12. September
erfolgten mehrere Proteste. Am 17. September fand in
Wien eine Konferenz deutscher Abgeordneten aus allen Kronländern
statt. Man verständigte sich darüber, in den neuen, slavifirten
Reichsrath nicht einzutreten, sondern in einer Versammlung sämtlicher
deutschen Abgeordneten die in den Landtagen abgegebenen
Erklärungen und Proteste zu einer gemeinsamen Deklaration der
deutschen Oestreicher zusammenzufassen. Diese Resolution sollte
enthalten: eine Verwahrung gegen jeden verfassungswidrigen oder
verfassungsändernden Beschluß des illegalen Reichsraths, besonders
einen Protest gegen jede Gewaltmaßregel, welche von diesem slavischen
Reichsrath beschlossen und vom Ministerium ausgeführt werden
sollte, und die nachdrückliche Erklärung, daß die Deutschen kein
Anlehen, welches von diesem Reichsrathe votirt werden sollte, als
rechtsverbindlich für das Reich ansehen und daß sie niemals zugeben
würden, daß dasselbe verzinst oder je zurückbezahlt werde.
In diesem Sinne lautete die Rechtsverwahrung, welche am 20. September
die Landtage von Niederöstreich, von Steiermark, von Kärnten
und von Schlesien gegen das Reskript einlegten, wobei der
letztere noch besonders gegen jeden Versuch protestirte, das Herzogthum
Schlesien außerhalb der Reichsverfassung in einen staatlichen
Verband mit dem Königreich Böhmen einzufügen.
Nachdem Graf Clam-Martinitz am 2. Oktober noch eine letzte
Unterredung mit dem Ministerium Hohenwart in Wien gehabt
hatte, wurde am 7. Oktober die Arbeit des Ausschusses dem böhmischen
Landtag vorgelegt. Sie bestand aus einer Adresse an den
Kaiser, aus 18 Fundamentalartikeln und einem vom Fürsten Taxis
und Clam-Martinitz unterzeichneten Motivenbericht. In diesen
Aktenstücken war von der Verfassung Eisleithaniens, von den
Staatsgrundgesetzen, von dem Reichsrath gar keine Rede; alles
dies hatte in dem neuen Königreich Böhmen keine Geltung mehr.
Als gemeinsame Angelegenheiten waren nur die Diplomatie, das
Kriegswesen, mit Ausschluß der Rekrutenbewilligung, und das Finanzwesen
anerkannt, soweit dasselbe gemeinschaftlich zu bestreitende Auslagen
betreffe. Diese Angelegenheiten sollten auch ferner durch Delegationen
verhandelt werden. Nur mußte die böhmische Delegation