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sämmtliche schulpflichtigen Kinder bis zu 12 Jahren geimpft waren, erkrankten nur 4 erfolgreich geimpfte
Kinder des Dorfschmieds in so milder Form, daß fie schon nach 14 Tagen wieder vollkommen hergestellt
waren.
Eine größere Verbreitung fand die Seuche in Klein= und Groß-Gorzütz. Die Kinder in Klein-Gorzütz
hatten mit Geschwistern von pockenkranken Kindern in Olsau gemeinsamen Beichtunterricht gehabt.
Nach der ersten Erkrankung eines 13jährigen Knaben kam es jedoch anfänglich nur zu vereinzelten Fällen,
bis die Seuche auch in Groß-Gorzütz infolge einer Einschleppung aus Belschnitz durch den Briefträger
um sich griff. In der Familie dieses Mannes, der trotz des Verbots infizirte Häuser betreten hatte,
erkrankten zunächst 2 Kinder, von denen die füngere, 9 Monate alte, nicht geimpfte Tochter starb, während
der ältere geimpfte Sohn nur leicht betroffen wurde. Da der Briesträger aus Furcht, für einige Zeit
seine Amtsthätigkeit unterbrechen zu müssen, von der Krankheit seiner Kinder eine Anzeige nicht erstattete,
und da auch die dann folgenden Erkrankungen verheimlicht wurden, hatte die Seuche am Orte bereits eine
erhebliche Ausdehnung gewonnen, bevor die ersten Abwehrmaßregeln ergriffen wurden. So kam es, daß
in Groß-Gorzütz die verhältnißmäßig meisten Krankheits= und Sterbefälle im Kreise gezählt wurden. Es
erlagen dort den Pocken 23 Personen, davon 11 im Alter unter 2 Jahren, 5 im Alter von 2, 2 im Alter
von 3, je 1 im Alter von 6, 9, 25, 48 und 56 Jahren.
Weitere Pockenfälle ereigneten sich in Zabelkau; es erkrankte und starb dort zuerst das halbjährige
nicht geimpfte Kind des Gemeindevorstehers, nachdem die Mutter mit pockenkranken Verwandten in Olsau
verkehrt hatte. Da die Todesart verheimlicht wurde, fand, wie in der dortigen Gegend üblich, im Sterbehause
ein Leichenschmaus ungehindert statt, worauf mehrere Personen, die an dem Leichenbegängniß theilgenommen
hatten, theils in Zabelkau, theils in Dedowitschhof, theils in Roschkau an Blattern erkrankten.
In Zabelkau wurden 36 Erkrankungen und 2 Sterbefälle, letztere bei ohne Erfolg geimpften Kindern gezählt.
In Dedowitschhof erlag der Seuche die 25 Jahre alte Frau eines Hofknechtes, die keine entwickelten
Impfblattern gehabt haben soll. In Noschkau erkrankten dank der streng durchgeführten
Absonderung nur 4 Personen, davon 3, die mit Erfolg geimpft waren, in sehr milder Form.
Nach Ostern zeigten sich die Blattern in Gregorsowitz und Lubowitz. Es erkrankten dort die
Kinder einiger Männer, die in Olsau kurz zuvor übernachtet hatten. Todesfälle kamen nicht vor, ernst
erkrankt waren nur 2 ohne Erfolg geimpfte Kinder. Von Gregorsowitz wurde die Seuche durch Personen,
die in den betroffenen Häusern verkehrt hatten, nach Rudnik und Herzogl. Ellguth verschleppt. Im
Allgemeinen beschränkte sich die Krankheit in allen diesen Orten auf wenige Fälle, da die erwachsenen
Personen in Gregorsowitz und Lubowitz sich impfen ließen und ebenso alle Schulkinder bis zu 12 Jahren
sofort geimpft wurden. In etwa 8 Wochen erreichte hier die Epidemie ihr Ende. In Groß-Gorzütz und
den anliegenden Ortschaften wurden dagegen noch längere Zeit hindurch Pockenfälle festgestellt.
In Odrau erkrankte ein 45 Jahre alter nicht geimpfter Mann schwer an den Pocken, nachdem er
in Belschnitz gebettelt und häufig die von dort erkrankten Kindern übrig gelassenen Speisereste gegessen hatte.
Unabhängig von dem geschilderten Pockenausbruch ereigneten sich in Studzienna eine und in
Borutin 8 milde Erkrankungen bei erfolgreich geimpften Kindern in Folge stattgehabten Verkehrs mit
österreichischen, von der Seuche heimgesuchten Orten. Durch strenge Absonderung der Kranken gelang es
eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhüten. In Kreuzenort entstand bei einem ohne Erfolg geimpften
Idioten eine schwere Erkrankung aus unbekannter Veranlassung.
Auhang.
Die Pockenerkrankungen im Jahre 1894.
Nach den für das Jahr 1894 beim Kaiserlichen Gesundheitsamte eingegangenen
Meldekarten waren in den 24 außerpreußischen Bundesstaaten und in Elsaß-Lothringen
im Ganzen 58 Erkrankungen an Pocken (11 bei im Auslande geborenen Personen) zur
amtlichen Kenntniß gelangt, darunter 11 = 1990% mit tödtlichem Ausgange. Da die
Gesammtbevölkerung des Reiches mit Ausschluß des an der Pockenerkrankungsstatistik bisher
nicht betheiligten Königreichs Preußen sich nach der letzten Volkszählung auf 19 471 103
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1) Neuerdings sind durch Erlaß der Minister für u. s. w. Medizinalangelegenheiten und des Innern
vom 29. Januar 1896 (Vergl. Veröffentl. des Kaiserlichen Gesundheitsamtes S. 139) auch in Preußen
beim Ausbruch der Seuche Ermittelungen über Pockenerkrankungen angeordnet worden.