338 Geschichte der Akademie unter Frieprien Wirnersm III. (1797-1812).
wesen ist, ihn zu den ihrigen rechnen zu dürfen, hat sie damals
vielleieht gar nicht erfahren, und wenn sie es erfahren hat —
würde es die Mehrzahl der Akademiker als ein Glück geschätzt
haben'?
Der Vierte, Jonmannes vox MÜLLER, bot sich selbst an, aber
man kam ihm auch mit vollen Händen entgegen. Wie lange hatte
er nach Preussen und Berlin ausgeschaut, erst unter FriEnrıich dem
Grossen, dann unter Frieprichn Wırnerm Il.! Auswärtiges Mitglied
der Akademie war er seit 1788, aber vergebens hatte er darnach
getrachtet, eine Stelle in Berlin zu erhalten, die ihm Antheil an
der Staatsverwaltung gewälre; Schulmeister wollte er nicht werden.
So hatte er Dienste erst in Mainz, dann in Wien als Staatsmann
genommen, nur um sein unbezwingliches Verlangen nach einer politischen
Thätigkeit zu befriedigen. Sein Name als Historiker war
in ganz Deutschland, ja in ganz Europa gefeiert -— es gab keinen
Zweiten, der wie er die Quellen reden lassen konnte und Geschichte
in grossem und doch volksthümlichem Sinne mit Wärme zu schreiben
verstand” — aber die beschauliche Existenz, in der sich sein
inen, und ich hatte ihm mit Vorwissen S. Maj. eröffnet. dass auch seine Wünsche,
wenn er sich darüber bestiinmt ausspräche, huldreiche Gewährung finden würden«.
Auch in diesem Falle wird an die Akademie gedacht worden sein. Aus einer
anderen Quelle ergiebht sich, dass Scnir.LER um die Verhandlungen ınit JOHANNES von
MÜLLER gewusst und sich seinerseits als Lehrer der Geschichte für den Kronprinzen
angeboten hat; er wies darauf hin, dass Mütter für solch einen Unterricht zu gelehrt
sei. — Ein deutliches Bild von diesen Vorgängen lässt sich aus den Quellen nicht
gewinnen; BrymE hat sich nach 26 Jahren ihrer vielleicht nicht mehr sicher erinnert.
Es mag sein, dass ZELTER mehr gewusst hat, wenn er schreibt, Beyaus
habe sich der Sgche wacker angenommen; »es fehlte aber auch nicht an Hindernissen;
den Herren von der Gilde kniflen die Xenien noch in die akademischen
Kaldaunen (NıcoLar!). ScHiLLER war geachtet, aber KorzEsue gelesen, genossen,
wiederholt. Der gute Wille sollte schon die That sein«. Der Schwager WorzoGEn
gratulirte ScriLrer förmlich zu dem Misslingen des Berliner Planes: »Ich glaube
nicht, dass jene dürre Sandgegend, wenn auch des Getreibes viel ist, etwas für dich
wäre. Alles ist dort kleinlich zugeschnitten, und nirgends, weder in Wäldern, Vieh,
Menschenkind noch Feldern, eine Fülle« (s.O. Hırvack, ScuiLLER 1898 S. 3751.).
' Fast gleichzeitig mit ScniLLer war Mad. oe Starr in Berlin. Sie liess sich
inehrere Akademiker vorstellen, fühlte sich aber zu den Rowmantikern gezogen und
hatte ungünstige Eindrücke von den Berliner Kreisen, denen Jene grösstentheils
angehörten.
? Sehr hart hat Nıesunr (Brief vom 6. März ı812, Tebensnachrichten über
B. (4. Nirsunr, Bd.ı S.513f.) über MÜrrer als llistoriker geurtheilt: »Ich kann
mich nicht darüber täuschen, dass Mürrer's Gefühle und Urtheile von seiner frühesten
Jugend an gemacht waren. Der reine Lebensathem der frischen Wahrheit
fehlt in allen seinen Schriften. Er hatte ein ausserordentliches Talent sich eine
Natur anzunehinen und mit Consequenz zu behaupten, bis er sie wieder wit einer