Fra#nkreich. (Februar Anf.) 221
gaben im Betrage von 900 Millionen Frcs., die aber auf mehrere Finanzjahre
verteilt und durch die im Budget vorgesehenen Mittel, besonders durch
den Kredit von 107 Millionen, der jährlich für den Bau von Schiffen bestimmt
ist, gedeckt werden sollen. Es werden 476 Millionen für den Bau
von 6 Panzerschiffen, 5 Kreuzern, 28 Torpedozerstörern, 112 Torpedobooten
und 28 Unterseebooten verlangt. Die betreffenden Schiffe sollen bis 1907
fertiggestellt werden. Für Hafen und Befestigungsarbeiten werden 104
Millionen verlangt.
Anfang Februar. Differenz mit England wegen Dekorierung
eines Malers.
Die Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an den Maler Léandre
gibt dem britischen Botschafter zu Reklamationen, bezw. Vorstellungen Anlaß;
er macht geltend, daß Léandre mehrere Karikaturen der Königin Victoria
veröffentlicht habe. Die Regierung entgegnet, Léandre habe eine ganze
Serie von Monarchen karikiert, ohne daß einer derselben deshalb reklamiert
habe. Die Dekorierung betreffe übrigens die anerkannten Leistungen des
Künstlers als Portraitist.
Februar. (Kammer.) Bericht über den Militäretat. Der
Berichterstatter der Budgetkommission, Pelletan, kritifiert in seinem
Bericht die französische Militärverwaltung scharf.
Er stellt dann einen Vergleich auf zwischen den Ausgaben der verschiedenen
Mächte und gelangt dabei zu der Konstatierung, daß Frankreich verhältnismäßig
mehr ausgibt als alle anderen, jedoch nicht weil die Vorrichtungen besser find,
sondern weil weniger Beschränkung und Sparsamkeit herrscht. Das englische
Kriegsbudget beläuft sich für 1900 auf 1098 Millionen, das ruffische auf 1084
Millionen, das deutsche auf ungefähr 1000 Millionen, das franzöfische auf
1080 Millionen, wovon 707 Millionen auf das Landheer allein entfallen.
Die französische Zentralverwaltung des Kriegsministeriums kostet 1006020
Francs, eine Summe, die in keinem anderen Lande für den gleichen Zweck
erreicht wird. Aehnlich verhält es sich mit dem großen Generalstab und
mit dem Oberkommando. Nach der Aufstellung Pelletans besitzt Frankreich
allein zwei Divisionsgenerale mehr, als die Mächte des Dreibundes zusammen,
und zwei und ein halbmal so viele, als Deutschland und Oesterreich
einzeln genommen. Im ganzen gibt es in Frankreich 1930 Offiziere
mehr als in Deutschland; dagegen weist das Sanitätskorps der Armee
weniger Einheiten auf als sonst überall. In Frankreich kommt ein Militärarzt
auf 450 Mann, in Deutschland auf 300 und in Oesterreich auf
290 Mann. Anläßlich der Soldverhältnisse berichtet Pelletan, daß der
Militärgouverneur von Paris pekuniär die glänzendste militärische Stellung
des europäischen Festlandes hat, da er in dieser Eigenschaft und als Mitglied
des Oberkriegsrats 52242 Francs bezieht, 12000 bezw. 10000 Francs
mehr als die höchstgestellten militärischen Würdenträger in Deutschland und
Oesterreich. Als eine der Ursachen der großen Ausgaben bezeichnet Pelletan
die unvorsichtige Einstellung körperlich meist untauglicher Rekruten, die
hinterher als Schwächlinge wieder entlassen werden müssen, und ferner den
Mangel an klugem Vorbedacht beim Festungsbau. Seit 1871 seien zwei
Milliarden für fortifikatorische Zwecke ausgegeben worden, wie die neuesten
Anordnungen in betreff der Deklassierung verschiedener Forts zeigen, jedoch
ohne hinreichende, sorgsältige Prüfung der wahren Bedürfnisse.
Am 16. Februar führt er in der Kammer aus: Während man überall
die isolierten Festungen schleift und nur wenige furchtbar befestigte Plätze