Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Die Lage der Mittelmächte am 1. September 1916 149 
mit dem rechten Flügel der rumänischen Armeen, der die Verbindung mit 
Brussilows linker Flügelarmee bei Dorna-Watra aufgenommen hatte. Das 
rumänische Heer griff nach dem ersten strategischen Erfolg. Die Rumänen 
Siebenburgens steckten die rumänische Kokarde auf, Bukarest frohlockte, und 
an der Seine erwachten neue Hoffnungen. 
Die Lage der Mittelmächte war ernster als je. 
Die Lage der Mittelmächte am 1. September 1916 
Oie Neserven, die Falkenbayn und Conrad Ende Juli auögeschieden 
hatten, um sie an der Maros zu versammeln und den Rumänen den Vor- 
marsch in AUngarns verlegliche Flanke zu verwehren, bis eine Armee zum 
Gegenangriff antreten konnte, waren vom Strudel der Offensive Brussilows 
verschlungen worden. Sie kämpften zu Beginn des rumänischen Feldzuges 
untcer Erzherzog Karls Oberbesehl in der Duzjestrlandschaft und auf dem 
Westhang der Karpathen, um Leschigki zu verhindern ins Theißtal einzu- 
brechen. Außer Grenzbataillonen und den Trümmern einer von Brussilow 
zerschlagenen Liniendivision, die im Marostal lagerte, stand zwischen dem 
Petrosul und dem Vulkanpaß niemand zum Empfang der Rumänen bereit. 
Keine Festung, keine Straßensperre hütete die Abergänge des waldigen Ge- 
birges. Conrad hatte sich darauf beschränken müssen, vor den Erdölquellen 
Petrosenys, bei Orsova, am Eisernen Tor und am Wulkanpaß ein paar 
lausend Mann aufzustellen und in Siebenbürgen ein Generalkommando 
einzusechen, das die Abwehr vorbereiten sollte. Hiezu war General Arz 
v. Straußenburg ausersehen worden, der das Skelett der neuzubildenden 
1. Armee — die alte war in den Kämpfen mit Brussilow zerrieben worden — 
an der Maros mühsam zusammensegte. 
Die Entente nüthte die Gunst der Umstände. 
Als die Numänen am 1. September mit 240 000 Feuergewehren, 
740 Geschüczen und 12 000 Säbeln in Siebenbürgen einbrachen, griffen die 
Alliierten an allen Fronten mit erhöhtem Nachdruck an. Brussilow peitschte 
seine Armeen aufs neue gegen Kowel, Jloczow und Halicz vor und rüttelte 
mit verstärkten Kräften an den Karpathenpässen. Cadorna suchte in neuen 
Schlachten von Görz und Doberdo gegen Triest vorzudringen. Sarrail 
schob seine Armee nach links zusammen und führte serbische, französische 
und russische Divisionen gegen Monastir vor. Joffre rief die Armee Micheler 
zum Angriff an Fayolles Südflügel und wies Foch an, die deuesche Front 
Kischen Vermandovillers und Chaulnes auf eigene Faust zu durchbrechen, 
während nördlich der Somme Engländer und Frangosen, 3 Armeen stark, 
zum Durchbruch zwischen Péronne und Bapaume antraten. Die Schlachten. 
folge an der Somme begamm in fürchterlichen Stürmen zu gipfeln.