Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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die  wird  kein  Historienschreiber  loben  können.  Alle  Welt  müßte  mich  für  eine
feige  Memme  halten,  da  ich  so  ganz  stille  sitzen  sollte.  Besser  mit  Ehren  gestorben,
  als  mit  Schande  gelebt.  Ich  habe  nur  einen  Sohn;  bleibt  der  Kaiser
Kaiser,  so  bleibe  ich  und  mein  Sohn  auch  wohl  Kurfürst,  da  ich  mich  beim
Kaiser  halten  werde.  Also  sehe  ich  nichts  Anderes,  als  ich  werde  mich  zum
Kaiser  schlagen  müssen,  in  der  Zeit,  da  ich  noch  Etwas  habe.  Denn  je  länger
es  ansteht,  je  mehr  Dänemark  und  Schweden  um  sich  greifen,  und  wenn  ich
dann  Alles  quitt  bin,  und  sie  meine  Lande  in  ihrer  Gewalt  haben  werden,
was  soll  ich  dann  thun!“

Dieser  Brief  ist  etwa  zu  der  Zeit  geschrieben,  wo  der  Graf  von  Mansfeld
  nach  dem  Verlust  der  Schlacht  an  der  Dessauer  Brücke  (1626)  gegen
Wallenstein,  welcher  bekanntlich  seit  dem  Jahre  1625  als  kaiserlicher  General
ein  Heer  angeworben  und  dies  auch  auf  eigene  Kosten  (d.  h.  auf  die  der  unglücklichen
  Reichsstände,  in  deren  Ländern  er  hausete,  ganz  gleich,  ob  sie
Freunde  oder  Feinde  des  Kaisers  waren),  erhielt,  sich  so  gut  es  ging  in  der
Mark  und  dann  in  Schlesien  zu  halten  suchte.  Wir  sehen  hieraus,  daß  der
größte  Theil  der  Räthe  schon  damals  für  eine  Verbindung  mit  den  nordischen
Känigen  war,  was  allerdings  Gefahr  in  sich  schloß,  und  daß  sie  die  in  dem
Briefe  erwähnten  Maßregeln  als  nothwendige  Folgen  der  Kriegsereignisse  ansahen,
  deren  Nachtheile  man  durch  festen  Anschluß  an  Schweden  vermeiden
könne;  ohne  Zweifel  war  es  aber  dem  Heermeister  gelungen,  den  Kurfürsten
für  seine  politische  Ansicht  zu  stimmen,  obwohl  er  weislich  von  seiner  Ansicht
nicht  redet.  Uebrigens  hatte  die  Noth,  in  welcher  sich  der  Graf  von  Manzsfeld
befand,  diesen  zu  gewaltsamen  Mitteln  gezwungen,  doch  sein  Gegner  gab  ihm
hierin  keineswegs  etwas  nach.  Ja  als  im  folgenden  Jahre  die  Mark,  Schlesien
und  Mähren  von  allen  Feinden  gereinigt,  die  Dänen  bis  nach  Jütland  hineingetrieben
  waren,  und  demnach  kein  strategischer  Grund  mehr  vorhanden  war,
die  brandenburgischen  Länder  mit  Kriegsvolk  zu  behelligen,  da  legte  sich  Wallenstein
  mit  seinem  ganzen  Heere  in  das  unglückliche  Land,  und  richtete  es  durch
unerhörte  Erpressungen  zu  Grunde.

Vergebens  suchte  Georg  Wilhelm  hintereinander  durch  drei  Abmahnungs-Schreiben,
  in  welchen  er  seinen  Unterthanen  jeden  Dienst  in  den  Heeren  der
Feinde  des  Kaisers  verbot,  den  verzweifelnden  Unterthanen  Hülfe  zu  verschaffen;
ja  er  fand  sich  sogar,  auf  Verwendung  des  Kurfürsten  von  Sachsen,  der  sich
des  Kaisers  Gunst  durch  die  Unterdrückung  der  Protestanten  in  den  Erbländern
geneigt  zu  machen  gesucht  hatte,  ganz  willig,  seine  Stimme  endlich  zu  der
ungesetzlichen  Uebertragung  der  pfälzischen  Kur  zu  geben;  allein  auch  dies  half
nichts.  Selbst  die  Hauptstadt  des  Kurfürstenthums,  Berlin,  ward  von  den  feindlichen
  Scharen  besetzt,  und  mit  allen  Plagen  des  Kriegszustandes  heimgesucht.

Dies  waren  also  die  Ergebnisse  der  Schwarzenbergischen  Politik,  denn
daß  der  obige  Brief  über  die  persönlichen  Ansichten  den  Kanzler  Pruckmann
zur  Begünstigung  der  kaiserlichen  Partei  hinüberführen  sollte,  liegt  auf  der