Geognostische Beschreibung des Landes. 355
wasserklaren Plagioklas. Im Glimmer herrscht vorwiegend Biotit, und
untergeordnet tritt lichter und heller Muskovit dazu.
An accessorischen Mineralen ist nur der Granat zu nennen.
Förmlicher Granatfels, Fischers Kinzigit, steht bei Schenkenzell an. Derselbe
besteht aus Plagioklas, rothem Granat und dunklem Biotit, Orthoklas
fehlt ganz, Quarz erscheint nur vereinzelt in schmalen, wasserhellen
Streifen. Der nördlichste Gneispunkt des Schwarzwaldes ist Gaggenau
und Sulzbach (Silberrück). Der Gneis ist hier grau und glimmerreich,
weich und dünnschiefrig und enthält Muskovit in kleinen Schuppen und
eine Menge kleiner Granaten. Weiter gegen Norden deckt Flözgebirge
den Gneis, der erst wieder im Odenwald zu Tage geht. Eben hier häuft
sich auch Biotit zu Glimmerschiefer, der sich von den gewöhnlichen Gneisen
durch feineres Korn auszeichnet und das Vorkommen von Quarzlinsen.
Die Verwitterung ergreift zuerst den Glimmer im Gneis, in welchem
die Wasser leichter haften; hernach kommt die Reihe an den Plagioklas
und dann an den Orthoklas, der sich zu einem schmutziggrünen Pinitoid
zersetzt. Hier haben die verschiedenen Mineralwasser im Renchthal ihren
Ursprung (Griesbach, Rippoldsau).
Der Granit oder das Massengestein im Schwarzwald ist bald hornblendefrei,
bald hornblendereich. Uebergänge verbinden aber beide Gruppen
in einer Weise, daß sie deutlich als aus einem einheitlichen Magma hervorgegangen
zu betrachten sind. Aeltere und jüngere Massen sowohl als die
petrographisch verschiedenen sind aufs innigste mit einander verbunden.
Möglicherweise hat die Anschauung Recht, welche feinkörnige und hornblendereichere
Granite als jüngeren, späteren Nachschub betrachtet, da sie
mit Vorliebe auf den Höhen zu treffen sind, während die porphyrischen
an großem Orthoklas reichen Granite in den unteren Lagen sich befinden.
Die Verbreitung des Biotitgranits ist ganz allgemein, petrographisch unterscheiden
sich an ihm sogenannter Porphyrgranit mit großen Orthoklaskrystallen
und ein normaler Biotitgranit ohne diese größeren Ausscheidungen.
Je größer die Orthoklase sind, um so trüber und unreiner werden
sie, während sich die Plagioklase durch starken Perlmutterglanz auszeichnen.
Bei der Verwitterung zersetzt sich der Feldspat und wird Kaolin; der
Glimmer, anfänglich messinggelb, wird matt und rothbraun oder grün, der
Quarz fettig. Neben dem ausgeschiedenen Eisenoxydhydrat bildet sich ein
lichter Glimmer, der dem frischen Gestein fehlt. Der Murgthalgranit ist
vorherrschend feinkörnig und besteht aus grauweißem Quarz, fleischrothem
Feldspat, braunem Biotit, der bei Schwarzenberg Glimmerschiefer bildet.
An der Sägmühle von Schönmünzach wird er grobkörnig, indem sich große
blasse Orthoklase ausscheiden. Mit der Entfernung vom Mittelpunkt des
Schwarzwaldes hören auch die Gneise auf zu Tag zu treten. Das herr-