Full text : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

187  Sache.

Säbel  niederschlagen:  sebelen,  sähelen,  ccindee  disseeure
  Schottel;  einen  nicdersäbeln,  den  kopf  herunter,
absäbeln;  läszt  Sophonisbe  zu:  dasz  man  den  chschatz
sebelt?  Lohenstein  Sophon.  10,  292;  übertragen  auf
ein  ungeschicktes  Schneiden:  an  ctwas  herum  sübeln,
sich  cin  stuck  fleisch  nbsäbeln:  auf  der  geige,  dem
cello  säbeln,  ungeschickte  Striche  führen;  —  sich  krummbeinig
  fortbewegen  (vgl.  sübelbein):  er  säbcite  fort.
Sache,  k.  Angelegenheit,  Ding;  gemeingerm.  Wort,
nicht  überall  in  einer  Form,  goth.  sakjo  Zwist,  altnord.
sok,  altengl.  sacu,  altsächs.  saka,  ahd.  sabba,  mhd.
sache;  ursprünglich  bloßes  Rechtswort,  den  Streit  vor
Gericht  bezeichnend,  und  mit  goth.  altengl.  altfächf.
sakan.  ahd.  sabhan  gerichtlich  streiten,  zusammenhängend,
in  Ablant  zu  suchen  (f.  d.).  Dim.  sachlein,  mit  doppelter
Bildung  gewöhnlich  sächelchcn:  ich  that  cuch  süchelchen
  hinein  Gocthe  Faust  I;  du  singst  artige  sächelchen
  Weiße  kom.  Op.  3,  226.  Mundartliche  Veränderung
  von  sache  zu  das  sach.  Güter,  Haus  und
Hof,  Geld  und  Gut  bezeichnend  Schmeller  (Geschlechtswandel

  nach  ding.  vermögen);  bisweilen  in  der  Schrift“-spr.,

  auch  wo  das  Wort  Angelegenheit  im  Allgemeinen
bedentet:  ich  hab  mein  sach  gott  heimgestellt  Wackernagel
  Kirchenl.  1,  498°5;  ich  hab’  mein  sach  auf  nichts
gestellt  Goethe  Vanitas.  Bed.  1)  gerichtliche  Angelegenheit,
  Rechtshandel,  Rechtssache:  der  scultheicze
rihtet  umbe  scult  und  umbe  gelt  und  unrcht  und  ander
sache  Basler  Rechtsqu.  1,  6;  wo  aber  eine  grosze  sache
ist,  das  sie  dieselb  an  dich  bringen,  und  sie  alle  geringe
  sachen  richten  2.  Mof.  18,  22;  (es)  kan  kein  rechte
aach  gewinnen  Habac.  1,  4;  eine  sache  wider  einen
(Hiob  31,  13),  zu  cinem  (Matth.  12,  10);  das  ich  hab
cin  sach  zu  dir  Alberus  Fab.  6,  41;  in  neuerer  Spr.
meist  in  festeren  Verbindungen:  gerechte  sache  haben;
eine  sache  vor  gericht,  zum  nustrag  bringen;  die  sache
gewinnen.  verlieren;  heut  oder  morgen  musz  Ihre  sache
aus  sein  Lessing  Minna  3,  7;  im  Kanzleistil:  in  sachen
des  N.,  klägers,  wider  O.,  beklagten;  dic  erkofanten
(als  Advokaten)  hatten  in  sachen  geschlossen  Wieland
Abd.  4,  4;  vgl.  auch  kluge-,  rechts-,  streitsache  und
süchwalter.  2)  allgemeiner,  von  einer  Behörde  zu  entscheidende
  oder  zu  erwägende  Angelegenheit,  staats-,
kirchen-,  polizei-,  forst-,  bau-,  deichsache  n.  s.  w.;  ein
rat  bekommt  vortragssachen;  sachen  des  landtags,
reichstags,  der  politik;  ctwas  gehürt.  gehört  nicht  zu
eincr  gerade  vorlicgenden  sache;  in  Verhandlungen  zur
aache  sprechen,  von  der  sache  abschweifen;  lasz  dic
wilden  sprunge,  komm  zur  sache  Grabbe  2,  254;  der
einzige,  welcher  .doch  nicht  die  blosze  phrase,  sondern
  zur  sache  apricht  Moltke  1,  197;  übertragen  auf
eine  Angelegenheit  überhaupt,  bei  der  überlegung,  Erwägung,
  Entscheidung  nötig  ist:  sache  des  vertrauens,
horzcus,  gewissens,  gelchrte  sachen;  in  sachen  des  geschmacks
  in  sachen  der  uioral  Schiller  10,  516,
der  kultur  Keller  Nachlaß  110;  handele-,  haus-,  erwerbs-,
  verdienstsachen;  jsemandes  cigenste  sache;  sich
nicht  in  fremde  sachen  mischen;  als  er  vernam  ir  sache
460,  des  was  er  in  gotc  frôb.  rät  und  hille  gelopt  er
in  Lamprecht  Franzisk.  1105;  ich  kann  vichts  bei  der
sache  thun.  sich  cincr  sache  annchmen.  seiner  sache
gewisz  sein.  einc  groszc,  wichtige  und  schwerc  sache
u.  #l.  w.  Adelung;  wo  die  sachc  zum  brechen  kam
Benedix  Störenfr.  1,  3;  das  sind  sachen,  die  hier
ausführlich  schon  erwogen  sind  Moltte  7,  91;  in  einer
Formel,  die  fremde  Einmischung  zurückweist:  das  ist
meinc  sache;  das  ist  deinc  sache,  mußt  du  allein  prüfen
und  entscheiden;  —  in  verblaßlerem  Sinne,  Angelegenbeit,
  Geschäft,  Thun  und  Treiben:  so  stet  iuwer  suche
wol  a#m.  Heinr.  622;  verstehestu  die  sache,  so  unterrichte
  deinen  nchest  Sir.  5,  14;  kebrt  unverrichter
sächen  herr  Grics  zuruck  Wieland  Sommerm.  1,  417;
in  einer  sache  um  tat  fragen;  etwas  in  cincr  sache  thun;

Sachbeschädigung.  188

um  zulctzt  der  sache  ein  ende  zu  machen  Goethe

Du  W.  1;  das  ist  picht  meinc  sache,  damit  befafse  ich
mich  nicht,  oder  verstehe  mich  nicht  darauf;  nachsinnen
ist  in  der  that  nicht  sjcdermanns  sache  Wieland
Sylv.  4,  1;  mit  jemand  gemeinschaftliche  sachc  machen,
eine  Angelegenheit  gemeinschaftlich  betreiben;  im  Parteisinne
  die  gute  sache,  für  unsere  gute  sachc  kümpfen
und  leiden;  aus  licbe  zu  der  sache,  für  die  gefochten
wird  Lefsing  Minna  3,7;  übergehend  in  den  Sinn
eines  Verhältnisses,  vorliegender  Umstände:  nach  lage
der  sache  (sachen);  ihr  behmt  die  sache  völlig  wie
sic  liegt  Lessing  Nath.  3,7;  der  dann  schen  mag,
wie  er  sich  aus  der  sache  zicht  Goethe  DuW.  4;  dus
ist  die  sache,  darum  handelt  es  sich;  von  Geschehenem:
cine  sachc  berichten,  erzählen;  vielleichat  wird  S.
etwas  von  der  sache  wisscn  Moltke  6,  91;  es  isk
etwas  an  der  sache  Wieland  Danischm.  3;  die  höchste
Verblassung  des  Sinnes  tritt  hervor,  wenn  sache  nur
noch  —  etwas  steht  (vgl.  ding  3):  dasz  es  cine  hundsföttsche
  sache  ums  lugen  ist  Leffing  Minna  3,  7;  ist
es  in  der  that  cinc  bequcme  sache  cin  wundermanu
zu  scin  Wieland  Per.  Prot.  1;  eine  wicbtige,  grosze,
schöne,  herrliche  sache,  etwas  Wichtiges  u.  f.  w.;  was
ist  bei  der  sache  (—  dabei)  zu  thun?;  dämit  ists  nun
so  cine  sache,  es  ist  fo  so;  es  geschiebt  der  sacho  zu
vic,  peccatur  in  eæcessu  Frisch;  in  älterer  Spr.
formelhaft  ist  es  sache  =  wenn  ebd.;  ists  sach,  das
euch  gelustet  des  BWaldis  Esop  1,  21;  es  wäre  deun
sache,  dasz  er  mir  seine  tochter  .  rerheurathet  hütte
Simpl.  1,  340;  —  verhüllend  für  Leibesnotdurft,  auch
für  weibliche  Regel;  —  mit  Gegensätzen:  der  namc  thut
nichts  zur  sache;  nicht  die  person,  sondern  die  sache
anschen;  mir  ist  es  nicht  um  die  form,  sondern  um
die  sache;  vor  cinleitung  nicht  zur  sache  kommen;
zur  sachec,  sir  Schiller  M.  Stuart  1,7;  so  aber  sinde
die  namen  nur,  worüber  man  sich  verstcht,  in  sachen
denkt  man  arders  Phöniz.  523.  3)  sache,  Grund  eines
Rechtshandels,  einer  Angelegenheit  oder  eines  Vorgehens
überhaupt,  in  älterer  Spr.  gewöhnlich:  ez  lidet  menig
mensch  erbeit  än  sache  und  äne  schulde  gar  Edelstein
53,  31;  von  zwein  sachen  du  in  solt  .  liep  hün
Lamprecht  Tocht.  Syon  2053;  ist  on  sache  aufgeblasen
  in  scincm  dleischlichen  sinn  Col.  2,  18;  umb
welher  sache  willen  ich  dich  crinncre  2.  Tim.  1,  6;
in  neuerer  Spr.  nur  noch  altertümelnd:  der  also  ohnc
sache  die  unbekanntcp  ritter  geckte  Wieland  Geron
613;  sonst  durch  ursache  (s.  d.)  ersetzt.  1)  Gut,  Vermögen,
  zustehender  Besitz:  hatten  ein  fein  sach  vor
zciten,  und  cin  gut  gemach  Alberus  Esop  5,  3;
landschaftlich  vollsmäßig:  der  bauer  bat  seine  sache
in  ordnung;  schwäbisch  die  frau  hat  cine  schöne  sach
Schmid;  das  einem  Zukommende:  den  arbeitern  ihre
sache  verabrcichen;  Einkünfte,  Einnahme:  war  ich  nun
wicder  kalender  schreiber  und  hatte  schr  gute  sache
Simpl.  2,  304;  —  gewöhnlich  —  greifbarer  Gegenstand,
Gerät,  Ware,  Stoff,  Zeug  u.  ä.  (vgl.  ding  5);  in  rechtlichem
  Sinne:  sachen  im  sinnc  des  gesctzes  sind  nur
körperliche  gegenstände  bürgerl.  Gesetzb.  778;  allgemein:
(Gott  schuf)  himel  mer  und  crden,  und  .  swag  in
en  allen  drin  lebender  sachen  mac  gesin  Ko  Würzburg
  Silv.  1425;  erst  im  Nhd.  recht  aufgekommen:
mit  .  solchen  sachen,  die  den  trunk  wolschmeckend
machen  Garg.  91;  ein  kaufmann  nennt  seinc  sachen
die  waaren  die  er  hat  Frisch;  so  beiszt  er  seine
sachen,  was  er  als  ein  reisender  mit  sich  führt.
alles  gerätc  ebd.;  sachen  zum  verkaufen,  spiclen.  malen,
zur  unterhaltung,  zum  fortschicken,  post-,  spicl-,  esz-,
zuckersnchen  u.  f.  w.;  scine  sachen  aus-,  einpacken;
scherzend  und  spöttisch  scinc  sieben  sachen.  sieben-Sachen;
  bringen  beut  mit,  die  rarsten  sacben  Schiller
Wallenst.  Lager  1.  —  Zusammenfetzungen:  Sachbeschädigung,
  k.  Beschädigung  von  Gegenständen  als  straf-