— 333 —
Wohl tauschten nah und ferne
Mit mir gar viele gerne;
Ihr Clück ist Trug und ihre Freiheit Schein:
Ich bin ein Preube, will ein Preuße sein!
4. Und wenn der böse Sturm mich wild umsauset,
Die Nacht entbrennet in des Blitzes Glut:
Hat's doch schon ärger in der Welt gebrauset,
Und was nicht bebte, war des Preußen Mut.
WMag Fels und Eiche splittern,
Ich werde nicht erziltern:;
Es stürm'’ und krach’, es blitze wild darein:
Ich bin ein Preutße, will ein Preube sein!
5. Wo Lieb’ und Treu’ sich so dem König weihen,
Wo Fürst und Volk sich reichen so die Hand:
Da mufs des Volkes wahres (ück gedeihen,
Da blüht und wächst das schöne Vaterland.
So schwören wir aufs neue
Dem König Lieb’ und Treuel
Fest sei der Bund! Ja, schlaget mutig ein:
Wir sind ja Preußen, laßt uns Preußen sein!
216. Berlin.
Di-e Kaiserstadt ist aus einem Fischerdorfe hervorgegangen. Wo
früher an der Spree die ärmlichen Hütten der Wenden standen,
da erheben sich jetzt prächtige Paläste und Stätten der Wissenschaft
und Kunst. Um das Jahr 1550 waren die Straßen noch ungepflastert;
vor den Türen der Häuser lag Unrat, und an der Stelle,
wo heute der Lustgarten das Auge zahlreicher Besucher erfreut,
breitete sich ein Sumpf mit Schilf aus. Einen bedeutenden Aufschwung
nahm Berlin seit 1815, und besonders nach dem letzten
glorreichen Kriege hat es sich in großartiger Weise entwickelt. Im
Jahre 1864 zählte Berlin 633000 Einwohner, und 20 Jahre später
hatte sich diese Zahl fast verdoppelt. Die Riesenstadt beherbergt jetzt
mehr als zwei Millionen Eimwohner.
In der Mitte der Residenzstadt erhebt sich das Königliche
Schloß, das vom Kaiser bewohnt wird. Das alte Schloß war eine
mit Mauern, Türmen und Gräben geschützte Burg am rechten Ufer
der Spree. Einige Teile davon, z. B. der Grüne Turm an der
Spreeseite, sind noch erhalten. Unter König Friedrich I. wurden alle