Full text : Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche.

Polizei;  Gesundheitswesen.  §  265.  179

In  den  Kreisen  sind  als  technische  Berater  der  Landräte  (in  Stadtkreisen
  der  Polizeibehörden)  Kreisärzte  angestellt,  denen  nach  Bedarf
Hilfsärzte  beigegeben  werden  können.  Für  beide  ist  eine  Prüfung  vorgeschrieben.
  Die  Kreisärzte  erhalten  eine  feste  pensionsfähige  Besoldung;
soweit  sie  vollbesoldet  sind,  ist  ihnen  die  Privatpraxis  untersagt.  Der
Kreisarzt  hat  die  gesundheitlichen  Verhältnisse,  Anordnungen  und  Anstalten
  zu  überwachen  und  kann  bei  Gefahr  im  Verzuge  vorläufige  Anordnungen
  gegen  die  Weiterverbreitung  gemeingefährlicher  Krankheiten  selbständig
  treffen.  Er  nimmt  auf  Ersuchen  an  den  Sitzungen  des  Kreisausschusses
  und  Kreistags  mit  beratender  Stimme  teil  und  ist  der
Gerichtsarzt  seines  Bezirks.s)  Die  Kreisärzte  haben  den  Rang  der  5.,
die  älteren  mit  dem  Charakter  Medizinal=  und  Geheimer  Medizinalrat
den  der  4.  Klasse.)  Danueben  ist  für  jede  Gemeinde  mit  mehr  als  5000  Einwohnern
  zur  Förderung  der  gesundheitlichen  Verhältnisse  und  Einrichtungen
eine  Gesundheitskommission  zu  bilden,  der  der  Kreisarzt  mit  beratender
  Stimme  beiwohnt.  Auch  in  kleineren  Gemeinden  kann  eine  Gesundheitskommission
  gebildet  werden.#10)

Den  Organen  der  Selbstverwaltung  steht  ferner  auf  dem  Gebiete
des  Gesundheitswesens  insofern  eine  Mitwirkung  zu,  als  ein  Teil  der  Heilund
  Pflegeanstalten  auf  die  Provinzen  übergegangen  ist  (§  266  Abs.  2  und
268  Abs.  1  u.  2).

3.  BHeilpersonen,  HSeil-  und  Pflegeanstalten.)
§  265.
a)  Arzte  und  Zahnärzte  bedürfen  der  Approbation,  die  auf  Grund
einer  Prüfung  von  dem  Minister  des  Innern  erteilt  wird.  Nur  wenn  sie

 

6)  KO.  29.  April  und  Gesch.  Anw.
12.  Mai  96.

7)  V.  30.  April  15  (GS.  85)  §  20,
Instr.  23.  Okt.  17  (GS.  245).  Neue
Prov.  V.  22.  S'pt.  67  (GS.  1570),
Lauenburg  G.  23.  Juni  76  (GS.  169)
&  5.  Zuziehung  von  Vertretern  der

rztekammern  wie  Anm.4.  Für  Berlin
ist  das  Med  Koll.  der  Prov.  Brandenburg
zuständig  LVG.  8§  41,  für  Hohenzollern
das  der  Rheinprov.  G.  7.  Jan.  52  (GS.
35)  §  1.  Den  Vorsitz  führen  die  Oberpräsidenten,
  ihre  Vertretung  die  Oberpräsidialräte;
  nur  für  Berlin  tritt  der
besondere  Vertreter  im  Prov.  Schulkollegium
  (§  302  Anm.  9)  auch  hier  ein.
—  Zu  bakteriologischen  u.  chemischen
Untersuchungen  bei  Ausführung  der
Seuchengesetze  (6  269)  bestehen  in  einigen
RegBez.  Medizinaluntersuchungsämter.


8)  G.  16.  Sept.  99  (GS.  172),  Inkraftsetzung
  V.  4.  März  01  (GS.  47),

 

(bearb.  v.  Hippel,  Leipz.  02  u.  Rapmund
Berl.  04)  §  1—9,  13—15  u.  17.  —
Prüf  O.  24.  Juni  09  (MB.  157,  MM.
308).  —  Dienstanw.  1.  Sept.  09  (MM.
381),  erg.  Vf.  5.  Nov.  10  (das.  404)  u.
29.  April  11  (das.  170).  Gebühren  der
Medizinalbeamten  G.  14.  Juli  09  (GS.
625),  in  gerichtlichen  Angelegenheiten  (§  5
Abs.  3)  V.  14.  Juli  09  (GS.  635),  bei
Feuerbestattungen  Best.  8.  Mrz  12
(GS.  23).  —  Kreistierärzte  §  357  Anm.
7  d.  W.  —  1911  waren  54  vollbesoldete,
447  nicht  vollbesoldete  Kreisärzte,  18  Gerichtsärzte
  u.  49  Hilfsärzte  angestellt.

*)  AG.  18.  Juni  01  (GS.  139).

10)  G.  99  §  10—13,  16  u.  17.  Die
Zusammensetzung  entspricht  der  der  städtischen
  Deputationen  (§  82  Anm.  15
d.  W.).  —  Gesch.  Anw.  13.  März  01
(MMB.  66).

1)  Die  wichtigsten  Medizinalpersonen
sind  die  Arzte;  ihr  Hilfspersonal  bilden