Die Reformation. 143
Juste - milien geruht hatte, aus einander, wie er gekommen
war, und Luther'n ward nunmehr angedeutet, daß er noch
ein und zwanzig Tage sicheres Geleite genießen, sofort aber
Worms verlassen sollte. So glaubte der Kaiser sowohl der
katholischen Partei Genüge geleistet, als auch dem Churfürsten
Friedrich einigen Vorschub geleistet und demselben Gelegenheit
gegeben zu haben, auf weitern Schutz für Luther'n
bedacht zu seyn. Im ersten Punkte hatte er sich ziemlich
geirrt, denn die geistliche Clique fand des Katsers Verfahren
viel zu mild und schonend, sie hatte sich vielmehr darauf gefreut,
Worms zu einem zweiten Kostnitz zu machen und
Luthern — trotz des vom Carl V. gegebenen, einem Ketzer
nicht zu haltenden Sicherheits-Versprechens — in ihre Macht
gegeben zu sehen. Sehr richtig aber hatte er, in Hinsicht
auf den Churfürsten von Sachsen, vorausgeurtheilt. Luther
reis'te, zufolge des an ihn ergangenen Gebots, am 26. April,
in Begleitung des kaiserlichen Herolds, von Worms wieder
ab. Aber im thüringer Walde ward sein Wagen von zwei
verkappten Reitern angehalten und er selbst von ihnen heimlich
auf die Wartburg entführt. Zum Glück kam dieses Ereigniß
nicht von feindlicher, sondern von Freundesseite her.
Die beiden Verkappten waren Johann von Berlepsch, der
Schloßhauptmann auf Wartburg, und Burkhard Hund,
Herr von Altenstein, und hatten diesen wohlersonnenen Anschlag
auf Veranlassung ihres Herrn, des Churfürsten Friedrich
von Sachsen, ausgeführt. Der weise Fürst glaubte
Luther'n, über welchem die Acht so nahe hing, nicht besser
schützen zu können, als indem er dessen Feinde zu dem Glauben
verleitete, daß Luther auf feindselige Weise geraubt und
wahrscheinlich dem Tode oder ewigem Kerkerzwange geweiht
sey. Wirklich ward nach der Nachricht von Luther's Verschwinden,
dieser Glaube begierig von seinen Feinden aufgegriffen,
der gemeine Mann fabelte schon von seiner Hoͤllenfahrt,
die unter allerlei üblichen Schrecknissen und sachgehdrigem
Teufelsspektakel, kurz in aller Form Rechtens geschehen
seyn sollte. Aber auch seine Freunde schwebten in
der trostlosesten Ungewißheit um ihn, und waren nahe daran