Full text : Demokratie und Kaisertum.

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Indem  das  Zentrum  die  alte  Methode,  auf  Deutschlands  Fersetzung
hinzuarbeiten,  mit  der  neuen  Methode,  Deutschland  zu  beherrschen  und
zu  erweitern,  vertauscht,  so  verliert  es  wahrscheinlich  etliche  Hilfstruppen,
die  es  bei  der  alten  Methode  sich  sicherte.  Jede  Militär-  und  Marine—
vorlage,  der  das  Sentrum  zustimmt,  kostet  ihm  polnische  Sympathie,
selbst  wenn  seinerzeit  die  Holen  für  Caprivis  Militärvorlage  zu  haben
waren.  Trotzdem  ist  prinzipiell  die  neue  Akethode  angenommen.  Windthorst
  selbst,  mehr  Derstandesmensch  als  Gefühlspolitiker,  hat  sich  überzeugt,
  daß  der  alte  Weg  aussichtslos  war;  Tieber  ist  ihm  gefolgt  und
die  klerikalen  Diadochen  von  heute  denken  nicht  mehr  daran,  „Reichsfeinde“
sein  zu  wollen.  Sie  sind  glücklich,  daß  sich  alles  so  gut  gemacht  hat.
Der  Kaiser  lobt  die  edlen  Derren  von  der  Kirche,  der  Papst  aber  lobt
den  Haiser.  In  seiner  Rede  in  Aachen  im  Juni  1002  sagt  der  laiser,
daß  ihm  der  Hapst  habe  bestellen  lassen:

Das  Land  in  Europa,  wo  noch  Zucht,  Ordnung  und  Disziplin  herrsche,
Respekt  vor  der  Obrigkeit,  Achtung  vor  der  Kirche,  und  wo  jeder  Katholik

ungestört  und  frei  seinem  Glauben  leben  könne,  das  sei  das  Deutsche  Reich,
und  das  danke  er  dem  deutschen  Kaiser.

Diese  kirchliche  Sensur  für  den  Nachfolger  Zismarcks  war  selbst
einigen  katholischen  Blättern  zu  gut,  aber  Generaloberst  von  Loö,  der
Dertrauensmann  der  Kurie,  hat  sie  dann  nochmals  bestätigt.  Canossa  ist
—  anders  genannt  worden.  Der  Kaiser  stellt  seine  Söhne  dem  Hapst
in  Rom  vor,  der  RZeichskanzler  verbeugt  sich  lächelnd  vor  jedem  Bischof,
es  ist  ein  goldiges  Wetter  für  die  Römer.  In  solchem  Wetter  kann
man  die  widerspenstigen  Holen  nicht  mehr  so  gut  behandeln  wie  früher.
Selbst  im  stillen  preußischen  Herrenhaus  fangen  katholische  Fürsten  und
Grafen  deutscher  und  polnischer  GSugehörigkeit  an,  sich  ihren  Mangel  an
Intimität  gegenseitig  vorzuhalten.  Der  katholische  Graf  Doensbroech  wirft
dem  Fürsten  Radziwill  vor,  daß  die  polnische  Geistlichkeit  die  Religion
der  Holitik  dienstbar  mache.  Es  wird  nicht  lange  dauern,  so  ist  das
Zentrum  deutsch-national  gegenüber  seinen  alten  Freunden  im  Osten.

Und  auch  in  anderer  Hinsicht  muß  das  SZentrum  alte  Gewohnheiten
  abstreifen.  Es  war  einmal  partikularistisch.  Aus  partikularistischen

  Gründen  stimmte  es  gegen  BZeichseisenbahnen.  Immer  hob  es
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