328 61. Die Austrocknung und Besiedelung des Donaumoores.
in Bayern einzugraben. Er hatte eine Kulturtat im Sinne, wie sie Friedrich
dem Großen durch die Urbarmachung der Brüche an Oder, Warthe und Netze
gelungen war. Auch er wollte dem vaterländischen Boden an seinem Hauptstrome
eine „neue Provinz“ in friedlichem Vorgehen abringen. Männer hochpatriotischen
Denkens mit Weitblick, technischer Gewandtheit und bewährter Erfahrung
standen ihm bei diesem Unternehmen zur Seite. Es mag in unserer
Zeit, wo Tausende der einsichtsvollsten Geister die Augen auf das Meer, auf
Erwerbung und Ausbeute fremder Küsten richten, wohl angehen an jene
Arbeiten zu erinnern, welche Kolonisation in der eigenen Heimat zum nahegelegenen
Ziele hatten.
An kein staatliches Unternehmen in Bayern wurden während des 18. Jahrhunderts
wohl so wenige und zugleich so viele Erwartungen geknüpft als an
die Austrocknung und Besiedelung des Donaumoores. Keine ältere Kultivationsarbeit
wurde aber auch so widersprechend beurteilt als diese, was sich
großenteils aus der Art und Weise erklärt, wie man die Bodenverbesserungen
selbst vornahm. Letztere wurden durchaus nicht stetig und ununterbrochen
auch nur während eines Jahrzehnts durchgeführt, sondern ruckweise und lückenhaft.
Hierdurch erhielt das gesamte, so großartig gedachte Werk den Charakter
eines mehrfach aufgegriffenen bodenwirtschaftlichen Experiments. Bei demselben
war man vor allem auf die ausgiebige Beihilse der Bewohner jener Landschaft
angewiesen, in welcher es vor sich ging. Daß man diese Unterstützung ergiebiger
in Anspruch zu nehmen vergaß, hinderte eine rasche Vollendung der
angestrebten Kulturtat in gleicher Weise wie die Naturverhältnisse, des Moores
überhaupt, die unzweckmäßige Verteilung des neugewonnenen Bodens und die
geringe wirtschaftliche Befähigung zahlreicher Kolonisten.
Als nach dem Tode des vielgeliebten Maximilian III. die gesamten
wittelsbachischen Besitzungen wieder vereinigt wurden, unterbreitete der damalige
Statthalter des Herzogtums Neuburg, Reichsgraf zu Pappenheim, Ende Mai
1777 Karl Theodor den Vorschlag das Donaumoor für die Kultur zu gewinnen.
Sofort ordnete der Kurfürst die Planaufnahme des letzteren an.
Sie wurde allerdings in unvollkommener Weise von dem Priester Lanz durchgeführt
und sollte als Grundlage für den Austrocknungsentwurf dienen.
Eine eigene Hofkommission leitete die Ausführung des Unternehmens. Ihr
gehörten unter dem Vorsitze des Staatskanzlers Kreittmayr drei edelgesinnte
Männer an: Georg v. Aretin, Adrian v. Riedl und später Stephan
von Stengel. Welche Summe von Schwierigkeiten ihrem selbstlosen Eifer
entgegentrat und welchen Ernst es erforderte um dieselben zu überwinden,
schildert Aretin mit folgenden Worten: „Wir hatten, als wir den Auftrag erhielten
das Moor trocken zu legen, einen unabsehbaren Sumpf vor uns, von
dem, den einzigen Lanzischen Generalplan ausgenommen, alle Nachrichten tief
unter dem Staub der Archive und Registraturen gemodert hatten. Es waren
keine Rechte der Einzelbesitzer ausgeschieden, keine Grenzen bestimmt. Wir