334 Jos Veuische Reich und seine einzelnen Glieder. (August 9.—20.)
Frankreich und Holland. Es kommen auch Juden und Freidenker, Mohammedaner
und Buddhisten zu Worte.
9. August. (Bayern.) Kammer der Reichsräte. Das Walchensee-Projekt
wird mit allen gegen fünf Stimmen angenommen.
11. August. (Bremen.) Wegen des sich ausbreitenden Streiks der
Werftarbeiter in Hamburg erfolgt die Aussperrung von 2400 Arbeitern.
12. August. (Straßburg.) Der Archäologe Prof. Adolf
Michaelis f. 75 Jahre alt.
17. August. (Bremen.) Der Präsident der chilenischen Republik
Pedro Montt f, wenige Stunden nach der Ankunft mit dem Dampfer
„Kaiser Wilhelm der Große“, an Herzschwäche, 61 Jahre alt.
18. August. Landtagsersatzwahl in Allenstein-Rössel.
An Stelle des verstorbenen Zentrumsabgeordneten Griehl wird der
Erzpriester Romahn mit 375 gegen 2 Stimmen gewählt. Legttere fielen
auf den Privatdozenten Dr. Gigalski (3.).
14.—18. August. (Elsaß-Lothringen.) Gedenkfeiern auf
den Schlachtfeldern um Metz.
Den Kriegsteilnehmern von 1870 sind Fahrtermäßigungen zum Besuch
des ehemaligen Kriegsschauplatzes gewährt.
18. August. Die „Köln. Volksztg.“ über den konfessionellen
Charakter des Zentrums.
Ein Artikel der „Köln. Volksztg“ mit der Ueberschrift „Gibt es
konfessionelle Parteien?“ kommt zu folgendem Ergebnis: „Entweder sind
alle Parteien konsessionell, oder es gibt überhaupt keine konfessionellen Parteien;
das Zentrum aber ist jedenfalls am wenigsten konfessionell voreingenommen
von allen.“
19. August. (Mainz.) Explosion bei einem Festungsmanöver.
Bei einem Festungsmanöver im Nahkampf am Hechtsheimer Berg
in der Nähe von Mainz explodierte bei Sprengarbeiten im Fort Heiligkreuz
eine Mine, ohne durchzuschlagen. Durch die in den Minengang
zurückschlagenden Gase wurden ein Hauptmann, drei Leutnants, sechs Unteroffiziere
und 2 Pioniere vom 2. Nassauischen Pionierbataillon Nr. 25 bewußtlos
und der Gefreite Michelmann, der mit einer Rauchmaske versehen
vorgeschickt worden war, konnte nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden.
19. August. (Bayern.) Der Vorkämpfer des Reformkatholizismus
Dr. Otto Sickenberger wird exkommuniziert, weil er nach seinem
Austritt aus dem Priesterstande vor neun Jahren jetzt eine Ehe
eingegangen ist.
20. August. (Posen.) Schloßeinweihung in Gegenwart des
Kaisers. Die Stadt wird zur Residenzstadt erhoben.
Beim Einzug des Kaiserpaares haben auch viele Polen, besonders
Geschäftsleute, geflaggt. Bei Entgegennahme des Ehrentrunkes hält der
Kaiser folgende Rede: „Mein lieber Oberbürgermeister! Im Namen Ihrer
Mojestät der Kaiserin und Königin wie in Meinem Namen danke Ich
Ihnen von Herzen für die freundlichen und tiefempfundenen Worte, mit