330 13. Der deutsch-französische Krieg. 1870—1871. Kaiser und Reich
beiden Söhne, die als Dragoner mit ins Feld zogen, und
für den Sieg des Heeres sowie in heißem Dank für Gottes
Gnade, als von seinen Söhnen der eine gesund, der andere mit
einem ungefährlichen Schuß in der Lende „aus dem Blutbade“
vom 16. August davongekommen war. Mit dem Danke für den
Sieg der Heere verbindet sich ein unbegrenztes Vertrauen auf
den deutschen Krieger. Es ist das ein bezeichnender Zug in
Bismarcks Wesen, der meist zu wenig beachtet wird, daß er,
wie er in den Parteikämpfen über die Führer hinweg immer
wieder vertrauensvoll den gesunden Menschenverstand des wahrhaften
Volkes hoch einschätzt, so auch seine Bewunderung dem
einfachen Krieger hochherzig zollt. Am 5. August schreibt er:
„Mit fünfzigfacher Übermacht haben die Franzosen 3 Stunden,
von 10 bis 1, sich mit unsern 3 Compagnien herumgeschossen.
Leonidas ist ein Lump gegen unfre Füseliere.“ Über Weißenburg
und Wörth urteilt er: „Das gestehn selbst die Franzosen ein,
daß unfre Leute sich wie die Helden schlagen, „un Clan irrésistible",
und dabei stets gegen steile und verschanzte Höhen.
Ich habe ihnen nur zu große Todesverachtung vorzuwerfen,
und deshalb hat die arme Infanterie schrecklich verloren, namentlich
Offiziere, und unter ihnen besonders Stabsoffiziere. Im
Wetteifer zwischen Baiern und Preußen, oder zwischen 1., 2.,
3ter Armee gehen sie drauf, als wär's ein Wettlauf im Scherz.
Die Baiern schlagen sich vorzüglich, grade wie unsre. Die
Infanterie muß sich das berserkerartige Draufstürzen auf den
Feind doch etwas abgewöhnen, denn so gutes Blut wie das
unsrer Soldaten ist selten in der Welt. Hier ist nichts als
Himmel und Sachsen, die sehr zornig sind, daß sie nicht an den
Feind kommen.“ Über Spichern schreibt er aus Herny am
14. August: „Ein Unteroffizier sagte mir: hätten wir die Poststion
der Franzosen gehabt, keen Deubel hätte die gekrigt, ich wundre
mir alleene, daß wir se gekrigt haben! Es ist ein Jammer, so
viel von diesen heldenmüthigen Leuten zu verlieren; aber der
moralische Eindruck auf die französische Truppe ist auch so überwältigend,
daß er uns vielleicht viel Blut in der Folge spart.
.. . Eiserne Krenze noch keine ausgegeben, wahrscheinlich nicht