24 Die Germanen. Kap. IL
Auch der Zweikampf zwischen den Gliedern feindlicher Stämme
gilt für eine Vorentscheidung des Krieges. Germ. 10.
Die Frauen.
Auch „in ihnen sehen die Germanen etwas Heiliges und
Prophetisches, sanctum aliquid et providum, und verwerfen weder
ihren Rat, noch lassen sie ihre Aussprüche ausser Acht.“ Im
Heer des Ariovist erklärten die Mütter der Geschlechter, dass
der Kampf vor dem Neumond verderblich seiu würde, und Ariovist
zögerte infolgedessen, die von Caesar angebotene Schlacht
anzunehmen. „Denn es ist eine hergebrachte Vorstellung, nicht
wenige Frauen für Seherinnen oder gar Göttinnen zu halten.“
Solche waren in älterer Zeit Albruna und andere, zur Zeit des
Bataveraufstandes eine Jungfrau der Brukterer Veleda, die eine
ausgebreitete Herrschaft übte, late imperitabat. Fern von dem
Anblick der Menschen lebte sie auf einem Turm, von dem aus
ein Erwählter ihrer Verwandten wie ein Vermittler der Gottheit
Ratschluss und Antwort überbrachte Gall. I 50; Germ. 8.
Hist. IV 61, 66. —
Die Priester in der Stammversammiung und dem Heer.
Während der sacerdos civitatis im Verkehr mit den heiligen
Rossen, als den Vertrauten der Götter, in Gemeinschaft mit dem
rex vel princeps civitatis handelt, stehen „sacerdotes“ in der
Landesgemeinde dem rex vel princeps (sc. civitatis), in dem
Heerbann dem dux zur Seite. Dort handhaben sie neben dem
Leitenden die Sitzungspolizei. Sie gebieten Schweigen, und er-.
zwingen es, wenn nötig. Hier vollstrecken sie die vom Herzog
beschlossenen Strafen in der Form einer feierlichen Kultushandlung,
als wären sie von der Gewalt des Gottes (Wotan) selbst
gedeckt. (In concilio) silentium per sacerdotes, quibus tum et
coercendi jus est, imperatur. Neque animadvertere, neque vincire,
ne verberare quidem nisi sacerdotibus permissum, non quasi
in poenam nec ducis jussu sed velut deo imperante, quem adesse