J. Die bayrische Erbfolge. 191
kostet, den russischen Staatsmännern klar zu machen, worum
es sich eigentlich handelte: sich in dem verwickelten Reichsrecht
zurecht zu finden, war nicht jedermanns Sache, und Friedrich
selbst hatte es erst studieren müssen. Auch hatte man in Petersburg
mit der Möglichkeit eines neuen Türkenkrieges rechnen
müssen und geglaubt, daß des Königs ernste Haltung den Kaiser
zum Einlenken bestimmen werde. Sobald aber der Friede mit
der Pforte gesichert und die Unverbesserlichkeit der kaiserlichen
Politik erwiesen war, ließ Katharina II. im Oktober in Wien
erklären, daß sie Oesterreichs Ansprüche auf Bayern als begründet
nicht anerkenne und, falls der Kaiser auf ihrer Durchsetzung
beharre, Preußen die bundesmäßige Hilfe leisten werde. Das
machte Eindruck, zumal die Zarin die deutschen Fürsten durch
Preußen gegen Oesterreich aufgeboten zu sehen wünschte: zu
einem Bunde vereinigt, sollten sie sie um Hilfe angehen. Auf
einen Krieg mit Preußen und Rußland konnte der Kaiser es
nicht ankommen lassen. So wurden im März 1779 die Feindseligkeiten
eingestellt, und unter Vermittelung Rußlands und
Frankreichs trat in Teschen ein Kongreß zusammen, der nach
mancherlei Schwankungen am 13. Mai 1779 den Frieden zu
stande brachte. Es entsprach freilich nicht dem von ihm im
Felde Geleisteten, wenn Oesterreich der Verzicht auf Bayern nun
doch abgekauft wurde durch die Ueberlassung des Innviertels,
zwischen Inn, Donau und Salzach, eines herrlichen Stück Landes
von 40 Quadratmeilen und 60 000 Einwohnern. Friedrich
selbst hatte das einst vorgeschlagen. Sachsen erhielt sechs
Millionen Gulden und die Entlassung gewisser Territorien aus
der böhmischen Lehenshoheit und Mecklenburg das jus de non
appellando. Preußen aber wurde gegen Erneuerung des Verzichts
auf Jülich und Berg der künftige Anfall von Ansbach
und Bayreuth unter Aufhebung jeder Abhängigkeit von Oesterreich
zugesichert.
Hatte Friedrich Grund sich dieses Friedens zu freuen?
Höchstens doch insofern er der Fortsetzung des Krieges überhoben
war, bei dem nach Lage der Dinge viel zu verlieren, aber
wenig zu gewinnen war. Den Krieg zu vermeiden war ihm
nicht gelungen, ebensowenig eine Vergrößerung Oesterreichs zu