74 Die Monarchisten. Die Delegation von Bordeaux.
und ihr zu sagen: alles was ohne eure direkte Betheiligung geschieht,
ist ungesetzlich.“ Auch andere Parteien regten sich; die Legitimisten
agitirten für den Grafen Chambord, die Prinzen von Orleans traten
selbst in die Arena, zunächst um sich zu Abgeordneten in die Nationalversammlung
wählen zu lassen. Jedermann erinnerte sich dabei der
Laufbahn Napoleons vom Jahre 1848 an, wie er vom Abgeordneten
zum Präsidenten und Kaiser sich aufschwang. Der Herzog von
Aumale erließ am 1. Februar ein Manifest an seine Wähler, worin
er sagte: „Was die Verfassungsfrage anbelangt, so bleibe ich von
den Vortheilen eingenommen, welche die konstitutionelle Monarchie
darbietet. Ich vergleiche mit kindlichem Stolz das heutige Frankreich
mit dem Frankreich meines Vaters; ich finde aber in meinen
Gefühlen nichts, was mich von der Republik trennt. Wenn Frankreich
die Republik will, so bin ich bereit, mich vor seiner Souveränetät
zu beugen.“
Die Konvention vom 28. Januar fand einen erbitterten Feind
an Gambetta. Dieser wollte keinen Waffenstillstand, keinen Frieden
und keine Nationalversammlung. Wurde ihm ein Waffenstillstand
aufgedrängt, so wollte er ihn bloß zu neuen Rüstungen benutzen;
bei Berathungen über den Frieden wollte er jede Gebietsabtretung
vornweg ausgeschlossen wissen; bei etwaigen Wahlen zu einer Nationalversammlung
wollte er als Minister des Innern dafür forgen, daß
alle konservativen Elemente geächtet und nur die extremsten Republikaner
gewählt würden, welche nicht „Frieden," sondern „Fortsetzung
des Krieges bis aufs Aeußerste“ auf ihre Fahne schrieben. Seine
drei Kollegen bei der Delegation von Bordeaux, Cremieux, Fourichon
und Glais-Bizoin, standen ganz unter seinem Bann und unterschrieben
maschinenmäßig seine Dekrete. Die erste Nachricht über
das Stattfinden von Verhandlungen erhielt die Delegation am
27. Januar durch die Times; aber sie schenkte diesen Mittheilungen
keinen Glauben, weil sie es für unmöglich hielt, daß Verhandlungen
von dieser Natur und von so hoher Wichtigkeit eingeleitet werden
könnten, ohne daß die Delegation davon benachrichtigt worden wäre.
In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar traf das sogleich nach
Unterzeichnung der Konvention von Favre in Versailles aufgegebene
Telegramm in Bordeaux ein. Dasselbe verkündigte den Waffenstillstand
und bewirkte dadurch, daß die davon ausgeschlossenen drei
östlichen Departements nicht erwähnt waren, jene Verwirrung unter