Stimmung der evangelischen Confessionen gegen einander, weit mehr Anklang
in ihnen, als der lutherische Prinz Wolfgang Wilhelm.
Allein beide Theile waren doch umsichtig genug, die offene Uneinigkeit
als das schlimmste aller Uebel anzusehen, und suchten daher einen gütlichen
Austrag. Diesen glaubte man am leichtesten in einer ehelichen Verbindung des
Pfalzgrafen mit der ältesten Tochter des Kurfürsten, Anna Sophie, zu finden.
Die Fürsten kamen persönlich zu diesem Zwecke in Düsseldorf zusammen, ohne
jedoch das gewünschte Ziel zu erreichen; denn der Pfalzgraf, von seinem alleinigen
Anrecht vollkommen überzeugt, scheute sich nicht, von seinem künftigen
Schwiegervater die ganze Erbmasse als Mitgift seiner Braut zu fordern; allein
der Kurfürst, dessen hitziges Temperament durch den etwas überreichlich bei Tafel
genossenen Wein noch heftiger als gewöhnlich aufgeregt war, gerieth über die
ihm gar zu unverschämt vorkommende Forderung seines künftigen Schwieger=Sohns
in so großen Zorn, daß ein heftiger Wortwechsel unter ihnen entstand,
der mit einer Ohrfeige endete, welche der Pfalzgraf von seinem aufgebrachten
Gegner erhielt (1613).
Nach einem so gewaltsamen Vorfall war natürlich von fernerem Zusammenwirken
nicht mehr die Rede. An die Stelle der bisherigen auch nur
mühsam bei den ganz entgegengesetzten Interessen erhaltenen freundlichen Beziehung
trat nun der tödtlichste Haß. Nur durch die engste Einigung mit den
Gegnern glaubte jetzt der Pfalzgraf seinem Ziele näher kommen zu können, und
schloß sich daher so eng als möglich an den Kaiser, die Spanier und die katholische
Ligue an; ja Rache und Ehrgeiz überwanden bei ihm in dem Grade jedes
religisse Bedenken, daß sie ihn zum Uebertritt in die römische Kirche und zur
Vermählung mit der bairischen Prinzessin Magdalena bestimmten.
Anfangs hielt der Pfalzgraf seine Glaubensveränderung geheim, wahrscheinlich
aus Scheu vor seinem Vater, der auch wirklich vor Gram starb, als er
den ganzen Verlauf der Begebenheiten erfuhr. Jedenfalls aber erschien der Uebertritt
des Pfalzgrafen und die Verstärkung der katholischen Partei in dem Hause
Winelsbach ein großer Verlust für die evangelischen Stände in Deutschland und
ein neuer besorglicher Wendepunkt für das Haus Brandenburg in der jülichschen
Erbschaftsangelegenheit. Um so nöthiger war es, daß Johann Sigismund auf
Mittel dachte, der drohend anwachsenden Macht seines jetzt gegen früher weit mächtigeren
Mitbewerbers den allerkräftigsten Widerstand entgegenzusetzen. In einem
Familienconvent zu Halle, wohin auch der Landgraf Moritz von Hessen-Cassel eingeladen
war, kam man überein, sich vor allen Dingen als Gegengewicht gegen
Spanien der Generalstaaten zu versichern. Freilich waren die Holländer damals
durch die kirchlichen Streitigkeiten zwischen den Arminianern und Gomari-=sten,
oder, wie sie sich auch bezeichneten, Remonstranten und Antiremonstranten
in zwei feindliche Lager geschieden, doch erschien auch für sie die jülichsche
Erbangelegenheit zu wichtig, als daß nicht trotz aller inneren Spaltungen von
ihnen im Falle der Noth eine lebhaftere Theilnahme zu erwarten gestanden hätte.