Volltext : Die Gewerbefreiheit für Bayern.

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werbegesetzes  vom  11.  September  1825  in  der  Richtung  zur  Gewerbefreiheit
  beschränken  oder  schon  jetzt  die  letztere  in  der  Gesetzgebung  eingefuͤhrt
  werden  soll?“  Diese  Gutachten  erfolgten  mit  sehr  wenigen
Ausnahmen  theils  für  volle  und  unbedingke  Gewerbefreiheit,
  wie  die  der  Versammlung  in  Augsburg,  Ansbach,  Würzburg  rc.,
theils  für  beschränktere  Reformen.  Gleich  günstig  für  die  Gewerbefreiheit
  sprachen  sich  die  Versammlungen  der  Fabrikräthe  des  Landes
aus.  Die  Erklärungen  der  Gewerbsräthe  wurden  im  Allgemeinen  für
Anbahnung  der  Gewerbefreiheit  abgegeben,  nur  jene  des  Gewerberaths
der  Hauptstadt  München  und  anderer  oberbayerischer  Städte  lauten  nach
der  eigenthümlichen  Gestaltung  der  dortigen  Verhältnisse  gegen  die  Gewerbefreiheit,
  theilweise  gegen  jede  Reform  der  jetzigen  Geperbegesetzgebung
  überhaupt.

Die  bayerische  Regierung  hat  aus  den  offenen  Erklärungen  dieser
berathenden  Versammlungen  die  Ueberzeugung  gewonnen,  daß  im  Ganzen
  und  der  größere  Theil  des  Landes  der  zunächst  interessirten  und
sachverständigen  Männer  der  Verwaltung,  des  Gewerb--,  Fabrik=  und
Handelsstandes  eine  Aenderung  der  bayerischen  Gewerbegesetze  zu  Gunsten
  der  Gewerbefreiheit  für  nothwendig  erachten.

Die  bayerische  Presse  hat  sich,  mit  Ausnahme  etwa  von  einigen
Münchener  Blättern,  für  Einführung  der  Gewerbefreiheit  entschieden,
sie  gibt  uns  den  Ausdruck  der  öffentlichen  Meinung  des  Volkes,  das,
wieder  mit  Ausnahme  der  Residenz  München  und  der  Provinz  Oberund
  Niederbayern,  wo  besonders  die  Interessen  der  vielen  Realrechte
die  Gegnerschaft  verbinden,  für  die  zeitgemäße  Entfesselung  der  Gewerbe
  entschieden  hat.  Der  bayerischen  Regierung  und  den  Vertretern
des  Volkes  ist  somit  die  einzuschlagende  Richtung  in  der  Gewerbefrage
deutlich  bezeichnet.  Ein  Kreis  Bayerns,  die  Rheinpfalz,  erfreut  sich
schon  längst  zur  vollen  Zufriedenheit  seiner  Bevölkerung  der  vollen
Gewerbefreiheit;  auch  das  übrige  Bayern,  mit  dem  Zollverein  verbunden,
  rings  umschlossen  von  Staaten,  welche  die  Freiheit  der  Gewerbe
  anerkennen,  könnte  unmöglich  ein  veraltetes  beschränkendes
System  fortgelten  lassen,  wenn  seine  lebensfähige  Industrie  sich  entwickeln
  und  bestehen  soll.  Die  Gewerbefreiheit  ist  für
Bayern  eine  politische  und  volkswirthschaftliche  Nothwendigkeit.
  Die  Gewerbe  sollen  und  können  nicht  vom  Almosen
der  Behörde  leben,  sie  gedeihen  nur  durch  die  freie  Selbstbestimmung
der  Gewerbtreibenden  sekt.  Die  politische  Aufgabe  der  Regierung  ist
hier  nur,  die  gesetzlichen  und  administrativen  Hindernisse  wegzuräumen,
strenge  vereinfachte  Justiz  in  Schuldsachen  zur  Förderung  des  Credits
einzuführen,  das  Armenwesen  zu  regeln  und  für  allgemeine  Volksbildung
  durch  gute  Schulen  zu  sorgen.  Im  Uebrigen  lasse  die  vernünf-